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Immer unterwegs sein

5 Arbeitsmodelle, mit denen Sie solange reisen, wie Sie es möchten

Frau am Strand mit Laptop
Mit dem Laptop am Strand – das Sinnbild des Arbeitens auf ReisenFoto: Getty Images

Viele Reiseliebende träumen davon, länger unterwegs zu sein, als es ihre abgezählten Urlaubstage erlauben. Unsere vielreisende Autorin Anna Wengel hat auf ihren Reisen mehrere Arbeits-Modelle kennengelernt, die das Dauer-reisen ermöglichen, und fasst für uns ein paar davon zusammen. Außerdem lesen Sie hier eine lange Liste an reisetauglichen Jobs.

Würden Sie gern einfach mit einem One-Way-Ticket losfliegen und spontan sehen, wo die Reise Sie hinführt? Oder möchten Sie für einen festgelegten Zeitraum irgendwo anders auf der Welt wohnen? Oder träumen Sie sogar davon, ganz ins Ausland zu ziehen? Diese Träume sind nicht nur traumhaft, sondern auch lebbar. Geld spielt dabei wohl für die meisten von uns eine nicht unbedeutende Rolle, deshalb geht es in diesem Text genau darum. Ich habe auf meinen Reisen fünf Modelle kennengelernt, die ich Ihnen gern vorstellen möchte.

Mit diesen fünf Modellen können Sie so lange reisen, wie Sie wollen

Modell 1: Den Job mit auf Reisen nehmen

Das Meer rauscht in Wellen heran, die Füße spüren warmen Sand unter ihren Sohlen, ein Mensch bringt eine Kokosnuss oder einen Teller mit irgendetwas total Leckerem darauf. Nichts ist zu hören, als das Meer und meine tippenden Finger auf der Laptoptastatur, die, inspiriert von der Umgebung, einfach nur über die Tasten fliegen. So ungefähr hatte ich mir mein Leben als reisende Autorin vorgestellt. So ähnlich ist es. Das Setting habe ich öfter in ähnlicher Form gefunden (und schnell festgestellt, dass Sand und Laptop eine blöde Kombination sind). Viel öfter als der erträumte Tisch oder die Hängematte am Strand, ist meine Reise-Office-Realität ein Auto. Ob Coaching oder Schreiben, regelmäßig sitze ich in irgendeinem vierreifigen Gefährt, im besten Fall auf einer riesigen Klippe mit Blick aufs Meer, im hässlichsten auf einem grauen Parkplatz an einer Autobahn, und arbeite. Das bedeutet, mein extra nochmal aufgeladenes Telefon irgendwo festklemmen, zum x-ten Mal checken, ob der mobile Router wirklich funktioniert oder die aktuelle Landes-Sim-Karte auch genügend Datenvolumen hat, um dann eine Stunde oder mehr per Video-App mit einem Klienten zu sprechen. Oder eben das Laptop auf dem Schoß oder irgendwie zwischen den Knien balancierend Texte schreibend, die ich anschließend an Magazine und Agenturen in Deutschland schicke. Brauche ich nicht unbedingt totale Ruhe um mich herum, tun es auch ein Café, Restaurant oder eine Parkbank – die anderen vielgelebten Reise-Office-Realitäten.

Das Modell des am Laptop unterwegs Arbeitens verbreitete sich schon vor der Corona-Pandemie zusehends. Seit Anfang dieses Jahres ist es wohl noch ein Stück normaler, außerhalb des Büros zu arbeiten – wenn auch gerade sehr viel weniger auf Reisen. Während die Welt im Lockdown ist, arbeiten viele von uns auf der heimischen Couch weiter. Vor allem die, die irgendwas am Computer arbeiten, aber nicht nur. Spätestens in der Krise sind viele sehr kreativ geworden und erschufen alle möglichen Lernorte plötzlich online. Entsprechend vermute ich, dass es als Folge der Pandemie noch einfacher wird, auf Reisen zu arbeiten.

Das hier sind ein paar Jobs, die Sie gut mit auf Reisen nehmen können:

Freelancer im Online-Bereich

Freiberufler, die im Online-Bereich tätig und nicht unbedingt an eine Redaktion, Agentur oder ein Büro gebunden sind, brauchen zur Ausübung ihres Jobs im Prinzip nur ein Laptop, einen funktionierenden Internetanschluss und hin und wieder Strom.

Als Jobs kommen unter anderem diese in Frage:

  • Journalist und Autor
  • Social-Media-Manager
  • Online-Coach oder –Psychologe
  • Übersetzer
  • Web-Entwickler
  • Grafik-Designer
  • Sprachlehrer

Fitness-Trainer, Yoga- und Pilateslehrer

Neben Klassen und Einzelunterricht vor Ort, bieten immer mehr Fitness-Trainer, Yoga- und Pilateslehrer ihre Stunden auch online an. Manche verbinden auch beides miteinander, unterrichten also Menschen an einem Ort, während sie sich dabei filmen lassen und das Ergebnis gleich live an Menschen woanders auf der Welt schicken. Auch dieser Trend ist während der Pandemie nochmal größer geworden. Zumindest habe ich den Eindruck, dass gefühlt mein halber Instagram-Feed plötzlich voll ist mit allen möglichen Online-Kursen.

Reise-Fotograf und -Kameramann

Zu den schönsten Orten der Welt reisen, um diese bestmöglich in Szene zu setzen – der Fotografen-Beruf gehört bis heute zu den absoluten Reise-Traumjobs. Eine Möglichkeit ist auch hier natürlich die Freiberuflichkeit, allein von der selbstständigen Reisefotografie leben können aber nicht allzu viele. Einfacher ist es für festangestellte Fotografen und Kameramänner, die zusammen mit einem Team aus Redakteuren und Technikern für Produktionen ins Ausland reisen. Gerade Kameraleute dürften bei den vielen Auswanderer-Sendungen im deutschen TV recht gut gebucht sein. Gute Karten hat auch, wer gut mit einer Foto-Drohne umgehen kann.

Reiseblogger und Influencer

Viele machen es neben ihrem normalen Job oder nur wenn sie gerade auf Reisen sind: einen Reiseblog schreiben. Aber man kann das Ganze auch professionell angehen und damit Geld verdienen. Einnahmen generieren Reiseblogger etwa durch das Empfehlen von Produkten und Dienstleistungen, die sie auf ihren Reisen selbst verwenden, so genanntes Affiliate Marketing.

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Modell 2: Vor Ort arbeiten

Das ist das Modell, dass ich vor allem in Portugal wohnend immer vor der Nase hatte und das besonders an beliebten Urlaubsorten total normal ist: Zahlreiche Reiseliebende fahren irgendwohin und suchen sich da einen Job, der ihnen das nötige Reisegeld einbringt. Mehrere Freundinnen von mir leben zum Beispiel regelmäßig an verschiedenen Orten und arbeiten in Studios, Spas oder Gasthäusern als Yogalehrerinnen.

Im Grunde genommen können Sie so gut wie jede Arbeit, die Sie in Deutschland machen, auch an einem anderen Ort auf der Welt ausüben. Vielleicht ist ein bisschen Umlernen oder Kreativität gefragt, aber machbar ist es mit den meisten Berufen. Je nach Umfang, Dauer und Ort benötigen Sie dafür eventuell eine Arbeitserlaubnis.

Diese Jobs funktionieren gut im Ausland:

Surf-, Yoga- und Skilehrer

Wer Sportarten wie Surfen oder Skifahren liebt, kann seine Leidenschaft zum Beruf machen. So kann er oder sie ständig in den Wellen oder Bergen sein, muss je nach Jahreszeit mitunter aber mal den Ort wechseln. Als Yogalehrer ist es sogar noch einfacher, das geht überall off- und online.

Arzt und Krankenpfleger

Ärzte und Krankenpfleger werden überall gebraucht – besonders solche mit einer soliden Ausbildung. Wer die bereits durchlaufen, Lust auf einen Auslandsaufenthalt hat und dabei arbeiten möchte, kann sich direkt bei Krankenhäusern und Medizinstationen bewerben oder bei Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen” anfragen.

Au-pair

Nach der Schule erst einmal in ein anderes Land, bevor der Unialltag losgeht? Ein Klassiker ist der Job als Au-pair. Für die meisten bedeutet das, bei einer anderen Familie einzuziehen und sich dort um die Kinder und den Haushalt zu kümmern. Aber auch, wer schon ein paar Jahr älter ist, kann als Au-pair anheuern…

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Erntehelfer

Ein anderer Klassiker der Gap-Year-Jobs ist das Früchtepflücken in so aufregenden Ländern wie Australien und Neuseeland. Das nennt sich dann Work and Travel und beinhaltet oft auch gleichzeitig eine Unterkunft während der Arbeitszeit, etwa auf einer Farm.

Archäologe

Wer Geschichte und Reisen liebt und gerne nach Schätzen sucht, könnte Archäologe werden. Klar, Ausgrabungsstätten gibt es auch in Deutschland. Aber viel spannender sind doch antike Stätten in Griechenland oder Italien oder die Maya-Ruinen in Südamerika.

Geologe

Wer sich eher für die Entstehung der Erde, Vulkane und Plattentektonik interessiert, für den ist vielleicht der Beruf des Geologen spannend. Schon während des Studiums bereisen angehende Geologen die Welt, um allerlei gesteinstechnischen Mysterien auf den Grund zu gehen.

Reiseführer

In Ihrer Lieblingsstadt im Ausland leben, jede Ecke davon kennenlernen und Ihr (Insider)-Wissen an Urlauber aus der Heimat weitergeben: Für kommunikative Menschen kann der Job des Reise- oder Stadtführers genau das Richtige sein. Oder Sie heuern bei einem deutschen Reise-Veranstalter als Tour-Guide an und begleiten regelmäßig Touristen ins Ausland. Gute Chancen hat, wer das Zielland gut kennt und die Sprache spricht.

Arbeiten im Hotel, Hostel und Co.

In Touristen-Unterkünften wie Hotels und Hostels werden ständig Leute gesucht, die helfen, den Betrieb am Laufen zu halten. Da sitzt man dann an der Rezeption, macht Betten, putzt, kocht, wäscht Geschirr und so weiter.

Arbeiten in Restaurants und Cafés

Ähnlich wie in Unterkünften ist es auch in Gaststätten: Da gibt es immer wieder Bedarf an neuen Leuten, die den Gästen Speisen und Getränke bringen oder zubereiten oder das Geschirr spülen.

Strandtester

Um die Welt reisen und Strände testen – der schönste Job der Welt? Das Online-Portal Beach-Inspector.com sucht regelmäßig frei arbeitende Strandtester und Praktikanten für die verschiedensten Länder und Regionen. Mehr über das Leben einer Strandtesterin lesen Sie hier.

Hoteltester

Prüfen, wie viel Qualität ein Hotel und dessen Mitarbeiter bieten, das ist die Aufgabe eines Hoteltesters. Wie man das wird? Einen klassischen Ausbildungsweg dorthin gibt es nicht. Meist sind es Unternehmensberatungen, die von erstklassigen Hotels für Tests beauftragt werden. Hilfreich für Bewerber sind sicherlich ein Studium im Hotelmanagement oder eine Ausbildung im Hotel-Bereich. Der Begriff Hoteltester lässt sich im weitesten Sinne auch auf Redakteure und Autoren von Reiseführern, Reise-Zeitschriften oder Online-Reiseportalen anwenden, die Hotels testen und anschließend Rezensionen oder Empfehlungen dazu schreiben.

Restauranttester

Ähnlich wie der Beruf des Hoteltesters funktioniert auch der des Restauranttesters. Der probiert sich durch diverse Restaurants, kostet verschiedene Speisen, schaut aber auch, wie der Service ist und mitunter, wie es um die Hygiene bestellt ist. Auch Restaurantester arbeiten oft mit Magazinen zusammen. Einige verbinden ihre Leidenschaft fürs Essen auch gleich mit einem eigenen Food-Blog und/ oder Instagram-Account.

Sprach-Lehrer

In vielen Ländern sind Sprachkurse gefragt. Vor allem Englischlehrer werden gesucht, etwa in Spanien und Italien, aber auch in Afrika und einigen asiatischen Ländern. Um eine Sprache (oder zum Beispiel auch Musik oder IT) zu unterrichten, muss man nicht unbedingt ausgebildeter Lehrer sein und studiert haben. Infos und Angebote zum Beispiel über ProjectsAbroad oder über die Zen­tral­stel­le für das Aus­lands­schul­we­sen (ZfA) vom Bundesverwaltungsamt. Übrigens: Ähnlich und noch unabhängiger ist der Beruf als Online-Tutor.

Housesitter

Um die Welt jetten und auf die schönsten Luxus-Häuser und niedlichsten Tiere aufpassen: Diese angenehme Aufgabe übernehmen Housesitter. Dafür registriert man sich zum Beispiel bei „House Carers“, „Trusted Housesitters“ oder „Mind my House”. Da kann man sich dann auf entsprechende Gesuche bewerben oder sich selbst als Housesitter anbieten. Da man zwar keinen Cent fürs Wohnen in fremden Häusern bezahlt, allerdings auch nichts dabei verdient, ist Housesitting eher als Nebentätigkeit geeignet. Oder für Freelancer, die zum Arbeiten nur einen Laptop brauchen.

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Modell 3: Für den Job reisen

Ob als Freiberufler und Festangestellter, es gibt diverse Jobs, für die man mitunter auf Reisen geschickt wird. Das können regelmäßige Dienstreisen sein, um etwa mit Kooperationspartnern in anderen Ländern zusammenzukommen oder irgendwo anders einen neuen Firmenstandort aufzubauen. Das können auch temporäre Jobs sein, wie etwa Retreats, bei denen man als Lehrer/ Trainer, Coach oder Masseur arbeitet und eingeflogen wird. Oder es ist die Reise selbst, die der Job ist, wie zum Beispiel bei diesen:

Pilot und Flugbegleiter

Im Flugzeug um die Welt fliegen und fremde Länder bereisen ist für viele ein Traum, den sie sich in den Berufen des Pilots oder Flugbegleiters erfüllen. Mehr zur Piloten-Ausbildung erfahren Sie hier.

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Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff

Auf großen Kreuzfahrtschiffen arbeiten Dutzende Menschen in allen möglichen Bereichen: als Techniker, im Servicebereich, in der Küche oder als Animateure. Es gibt Friseure, Ärzte, Masseure, Bademeister und und und… Vielleicht ist ja auch für Sie das Richtige dabei und Sie können Ihren Beruf vom Land aufs Wasser verlagern.

Modell 4: Sabbatical

Das Modell Sabbatical habe ich vor ein paar Jahren bei meiner Mama erlebt. Sie arbeitet als Arzthelferin in einer Praxis und hatte riesige Lust, eine Weile in Nepal zu sein. Da wollte sie nicht nur reisen, sondern vor allem auch arbeiten. So hat sie es gemacht: Sie hat ein halbes Jahr zu Hause nur ungefähr die Hälfte ihres monatlichen Gehalts bekommen, die andere Jahreshälfte war sie in Nepal und wurde weiter bezahlt – mit der anderen Gehaltshälfte. In Nepal arbeitete sie dann ehrenamtlich in einer Medizinstation.

Sabbaticals werden seit einiger Zeit immer beliebter. Es gibt dabei verschiedene Modelle. Sie können es machen wie beschrieben oder sie nehmen sich unbezahlten Urlaub, wenn das Geld dafür reicht. Oder aber Sie suchen sich an dem Wunschort einen anderen Job. Eine Kollegin von mir macht ein klassisches Sabbatical mit aufgeteiltem Einkommen. Dabei reist sie ein bisschen und nimmt sich vor allem Zeit, ihr selbstständiges Coaching-Business aufzubauen, um im Anschluss vollkommen (orts-)unabhängig zu arbeiten.

Modell 5: Vorher sparen

Ein anderer Bekannter von mir macht es so: Erst arbeitet er ein komplettes Jahr zu Hause in Neuseeland und führt in der Zeit ein einigermaßen sparsames Leben. Dann nimmt er den ganzen angesparten Haufen Geld und fliegt nach Europa, Südamerika, Südostasien oder wo er gerade hinwill und bleibt, wo er sein will. Dadurch, dass er immer wieder zurückkommt und anscheinend in seinem Job gute Arbeit macht, erlaubt ihm sein Chef das immer wieder und zahlt inzwischen sogar riesige Bonuszahlungen, Flüge und so weiter, wenn er sich hin und wieder mal länger verpflichten lässt. Das scheint als Modell auch zu funktionieren.

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