1. Februar 2026, 7:40 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Das Cochamó-Tal im Norden der chilenischen Region von Patagonien ist ein entlegenes Naturparadies, das pro Jahr nur 15.000 Touristen besuchen dürfen. Bereits seit 2012 kämpft eine international aktive NGO immer wieder gegen Pläne, das Gebiet stärker für wirtschaftliche Interessen zu erschließen. Im Dezember 2025 konnte man das riesige Gebiet dank einer massiven Spendenkampagne kaufen. Pläne für die Zukunft sehen nun einen strikten Naturschutz und sanften Tourismus vor.
Im Norden des chilenischen Teils der riesigen Region Patagonien findet sich ein ursprüngliches Naturparadies, wie es wohl nicht mehr viele auf unserem Planeten gibt. Wegen seiner rauen, oft unwirtlichen Natur kaum von Menschen besiedelt, ist das Cochamó-Tal umso mehr ein Paradies für teils seltene oder gar endemische Tiere und Pflanzen. Ein Ort, der gerade erst vom Tourismus entdeckt wird, bereits seit Längerem aber wegen seiner schier unendlichen Ressourcen immer wieder Begehrlichkeiten von Akteuren aus der Wirtschaft geweckt hatte. Doch im Dezember 2025 ist einer internationalen NGO, die sich schon lange dem Schutz des Tals widmet, ein überwältigender Etappen-Sieg gelungen.
Denn die Conserva Puchegüín, bestehend aus lokalen wie auch global tätigen Organisationen, konnte das Cochamó-Tal für die Summe von 63 Millionen Dollar (gut 54 Millionen Euro) kaufen. Das Geld, insgesamt sogar 78 Millionen Dollar (67 Millionen Euro), war zuvor durch eine Spendenaktion gesammelt worden. Auf diese Weise konnte man laut dem „Guardian“ ein Fläche von insgesamt 133.000 Hektar erwerben. Das nun geschützte Ökosystem hat damit eine Fläche, die 385-mal so groß ist wie der New Yorker Central Park, und 800-mal so groß wie der Regent’s Park in London. Die offizielle Übergabe an die Conserva Puchegüín erfolgte demnach bereits am 9.Dezember 2025.
„Yosemite von Süd-Amerika“
Die Region, mitunter in Anlehnung an den legendären US-Nationalpark auch als „Yosemite von Süd-Amerika“ besungen, zeichnet sich aus durch ihren enormen Artenreichtum. Mehr als 10 Prozent der letzten weltweiten Bestände der Patagonischen Zypresse wachsen hier. Manche dieser Bäume trieben bereits um 1000 vor Christus aus, sind damit mehr als 3000 Jahre alt. Das gewaltige Areal des Cochamó-Tal ist durchzogen von Wäldern, Flüssen, Seen und Sümpfen und von mächtigen Gipfeln wie dem Cerro Trinidad gekrönt. Dieser erinnert wiederum in seiner Form an „El Capitan“, einen der berühmt-berüchtigtsten Kletterfelsen überhaupt, in Kalifornien. Tiere wie das Pudu, mit 40 Zentimetern Höhe die kleinste Hirschart der Welt, haben hier ein Refugium gefunden.
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Auch die seltenen Südandenhirsche, die sogar das chilenische Staatswappen zieren, leben hier. Farne, groß wie Strandschirme, wachsen in den Himmel. Wegen der bis zu drei Meter Regen, die hier pro Jahr fallen, ist das Naturparadies nie landwirtschaftlich erschlossen worden. Die nahezu vertikalen Hänge machen zudem Viehwirtschaft so gut wie unmöglich. Die wenigen Menschen, die hier leben, beziehen ihren Strom aus Solar- oder Windenergie. Und wer das Tal als Tourist besuchen möchte, muss vorab seinen Aufenthalt reservieren, denn es gibt ein jährliches Besucher-Limit von 15.000 Menschen. Doch wegen seiner größtenteils noch unerschlossenen Schätze war das Cochamó-Tal auch lange schon im Fokus von Spekulanten.
Strenger Schutz-Status
Alle Annäherungsversuche von deren Seiten konnten die Conserva Puchegüín respektive andere Initiativen zum Schutz des Cochamó-Tal aber stets erfolgreich zurück drängen. So gab es 2012 Pläne, hier für 400 Millionen Dollar ein Wasserkraftwerk zu bauen. Dies konnte genauso verhindert werden wie der Bau einer Luxus-Wohnanlage oder asphaltierter Straßen durch das Tal. Diese gibt es bis heute nicht. Der endgültige Triumph der Naturschützer ist aber der Kauf der Region, die sich nun in ein bereits geschütztes Gebiet von 1,6 Millionen Hektar in Patagonien einfügt. Dieses erstreckt sich grenzübergreifend von Chile auf Argentinien. Das Land könnte nun in die Obhut des chilenischen Nationalpark-Netzes gegeben werden.
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Dieses verfügt jedoch über ein vergleichsweise eher mageres Budget. Deswegen gibt es auch Überlegungen, die Region (vorerst) in den Händen der Conserva Puchegüín zu belassen. Ein erst kürzlich in Chile verabschiedetes Umwelt-Gesetz besagt, dass auch unter solchen Bedingungen der Schutz-Status erhalten bliebe. Mindestens 80 Prozent der Fläche sollen jedenfalls zukünftig einem strengen Naturschutz auf Nationalpark-Niveau unterstellt sein. Lediglich etwa 20 Prozent möchte man sukzessive für sanften Tourismus öffnen. Wandern, klettern und Fischen etwa sind schon jetzt bei den wenigen Besuchern beliebte Aktivitäten. Damit möchte man auch den wenigen Einheimischen im Cochamó-Tal die Chance gewähren, sich durch touristische Angebote etwas dazu zu verdienen.