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Ausflugsziel in Mecklenburg-Vorpommern

Das Rätsel um den Gespensterwald Nienhagen

Gespensterwald Nienhagen
Seltener Anblick: In Deutschland gibt es nur wenige Orte wie den Gespensterwald Nienhagen, wo die Bäume so dicht am Meer stehenFoto: Getty Images

Tagsüber kommen Familien mit Kindern und Spaziergänger her, um die frische Luft der Ostsee und die Natur zu genießen. Doch wenn die Dämmerung herein bricht, hüllt feiner Nebel die kahlen, moosbedeckten Bäume ein, deren Äste sich wie Schlangen um ihren Stamm ranken. Die Rede ist vom Gespensterwald Nienhagen in Mecklenburg-Vorpommern – ein Mischwald nur wenige Meter von der Ostsee entfernt.

Im Winter, wenn die Sonne flach über dem Horizont steht, wirkt der Gespensterwald Nienhagen wie eine Kulisse aus dem bekannten Horrorfilm „Blair Witch Project“. Seine Bäume stehen weit auseinander, doch am Ende des Weges kann man nichts als Dunkelheit erkennen.

Die kalten Stürme der Ostsee bringen den Wald in Bewegung und die lichten Baumkronen schütteln ihre Blätter in der Salzluft. In solchen Momenten kann man auf einmal verstehen, warum manche Menschen den pittoresken Ort für einen Treffpunkt von mystischen Wesen halten. Kein Wunder also, dass regelmäßig Maler und Fotografen den Wald aufsuchen, um den außergewöhnlichen Schauplatz als Inspiration für ihre Kunst zu nutzen. Doch warum ist der Gespensterwald so besonders?

Die Bäume fliehen vor der See

Der Wald besteht aus 90 bis 170 Jahre alten Eichen, Eschen und Buchen, die über viele Jahrzehnte hinweg vom Wind der salzigen Ostsee geformt wurden. Starke Stürme sind verantwortlich für die teilweise bizarre Neigung der Bäume, die auch als „Windflüchter“ bezeichnet werden, da es so aussieht, als würden sie versuchen, der rauen See und der Küste zu entfliehen.

Hinzu kommt, dass der hohe Salzgehalt in der Luft das Holz morsch und brüchig macht und dafür sorgt, dass wenig Grün im Gespensterwald wächst. Außer an besonders stürmischen Tagen muss man bei einem Spaziergang durch den Wald allerdings keine Angst vor umfallenden Bäumen haben.

Ganz im Gegenteil – das 180 Hektar große Naturschutzgebiet an der Ostseeküste zwischen Warnemünde und Bad Doberan eignet sich mit seinen breiten Wegen perfekt für einen Ausflug.

Gespensterwald Nienhagen
Manche Bäume wachsen schief, manche sind seltsam verformt und alle sind kahl – nichts ist normal im Gespensterwald NienhagenFoto: Getty Images

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Der beste Weg zum Gespensterwald Nienhagen

Am schnellsten ist der Wald mit dem Auto über den Parkplatz am Ortsausgang von Nienhagen zu erreichen. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, über den Europäischen Rad- und Wanderweg E9 zum Gespensterwald zu kommen. Dieser Weg führt direkt an der Küste entlang und bietet mehrere Startpunkte für ausgedehnte Spaziergänge oder Radtouren. Von dem ehemaligen Fischerdorf Warnemünde sind es etwa zehn Kilometer bis zum Gespensterwald, von der Hansestadt Rostock etwa 16 Kilometer.

Bedrohte Natur

Die Nähe zur Küste hat für den Gespensterwald Nienhagen aber leider auch einen großen Nachteil. Die Ostseewinde trocknen den Boden aus und entziehen ihm wichtige Nährstoffe, die die Bäume brauchen. Neben Hochwasser und Ungeziefer sind es jedoch vor allem die Menschen, die dem Wald zu schaffen machen.

Eine große Anzahl von Spaziergängern und Radfahrern sorgt jeden Tag dafür, dass sich der Waldboden immer weiter verdichtet. Dadurch können es nach Aussagen von Experten es zu einer Wasserüberstauung und infolgedessen zu einem Absterben der Wurzeln kommen, was wiederum die Stabilität der Bäume negativ beeinträchtige.

Wer also den Gespensterwald besucht, sollte darauf achten, immer auf den eingezeichneten Wegen zu bleiben.

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