21. Januar 2026, 10:40 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Die Scărișoara-Höhle im Nordwesten Rumäniens hält einen beeindruckenden Superlativ. Denn in ihrem Inneren befindet sich der größte unterirdische Gletscher auf der ganzen Welt. Und während überall sonst auf der Erde die Eismassen schwinden, wächst der Rekord-Gletscher im Apuseni-Gebirge – und das bereits seit mehreren tausend Jahren. Den Zauber der Höhle kann man bei einer geführten Tour erleben.
Es ist eine magische Welt, in die Besucher im rumänischen Apuseni-Gebirge nahe der Stadt Câmpeni hinabsteigen können. Denn in einer Höhe von mehr als 1000 Metern über dem Meeresspiegel befindet sich hier eines der faszinierendsten Naturwunder Europas. Und ein echter Rekordhalter, denn die Scărișoara-Höhle im Nordwesten des Landes beherbergt den größten unterirdischen Gletscher auf der ganzen Welt. Wenig überraschend ist die Scărișoara-Höhle einer der größten Besuchermagneten des Landes.
Forscher gehen laut der „Allgemeinen Deutschen Zeitung“ davon aus, dass die Scărișoara-Höhle bereits vor etwa einer Million Jahren entstand. Eine Pollenanalyse ergab auch, dass der größte unterirdische Gletscher der Welt vor etwa 3500 Jahren zu wachsen begann. Auf diese Zeit lassen sich die ältesten Schichten zurückdatieren, die man hier vorfand. Die Dimensionen des Weltrekord-Eisblocks sind wirklich erstaunlich: Bei einer Ausdehnung von 75.000 Kubikmetern ist sein Eis bis zu 26 Meter dick. Und er ist nur der Hauptdarsteller in einer erstaunlichen Parallel-Welt, die Besucher unter Tage erwartet. Diese kann man bei einer geführten Tour erkunden.
Bereits seit 1933 unter Schutz
Allein schon der Abstieg in die eisige Unterwelt ist abenteuerlich. Durch einen 50 Meter breiten und 48 Meter tiefen Zugang klettert man nämlich hinab in die Tiefe, und das mitunter auf stählernen Leitern und Treppen. Insgesamt 450 teils rutschige Stufen gilt es zu bewältigen, bevor man mit der „Großen Halle“ den ersten von zwei zugänglichen „Räumen“ in der Scărișoara-Höhle betritt. Der zweite ist die sogenannte „Kirche“ (rumänisch Biserica), 109 Meter lang und 78 Meter breit. Die anderen bekannten Aushöhlungen, Rezervaţia Mică, Rezervaţia Mare und Galeria Coman, sind alleine Forschern zugänglich. Man geht davon aus, dass die Scărișoara-Höhle nur ein Teilstück eines viel größeren Höhlensystems ist, welches sich unterirdisch über mehrere Ebenen erstreckt.
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Wann genau die das Naturwunder entdeckt wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Der rumänische Forscher Emil Racoviță aber war es, der die Scărișoara-Höhle 1921 bis 1923 als Erster nach wissenschaftlichen Maßstäben erkundete. „Travel Guide Romania“ zufolge gelang es ihm so, die Eishöhle 1933 unter Schutz stellen zu lassen. Dazu dürfte auch sein bereits sechs Jahre zuvor erschienener Bericht über seine Erkenntnisse beigetragen haben. Im Zeitraum von 1963 bis 1968 und auch von 1982 bis 1992 wurde der Hohlraum, der den Weltrekord-Gletscher beherbergt, jeweils noch eingehender erforscht. So fand man auch heraus, warum er einfach immer weiter wächst.
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Legenden um die Höhle
Die Scărișoara-Höhle ist nämlich nur über den Trichter, durch den man auch in sie hinabsteigt, mit der Oberfläche verbunden. Im Winter sinkt durch diesen kalte Luft in die Tiefe, während im Sommer die wärmere, leichtere Luft, einfach oben bleibt. Gelangt nun im Frühjahr Schmelzwasser durch die Öffnung in das Höhlen-Innere, friert dieses sofort. Dazu trägt auch der bereits bestehende Gletscher bei, der wie ein Kühlschrank die Kälte in dem Gewölbe speichert und potenziert. So nimmt der Gletscher jedes Jahr um eine Eisschicht zu. Faszinierend: Durch höhere Temperaturen im Gestein in einer Tiefe ab 90 Metern schmilzt gleichzeitig die jeweils unterste, also älteste und direkt auf dem Stein aufliegende Eisdecke. So verjüngt sich der Superlativ-Gletscher zudem auch noch.
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Kein Wunder also, dass sich um einen Ort wie die Scărișoara-Höhle auch zahlreiche Legenden ranken. Eine davon erzählt von einem Drachen, der einst hier gelebt haben soll. Demnach raubte dieser jedes Jahr wieder am 1. Januar ein Mädchen aus der Umgebung, das er dann in seinem Eis-Palast versteckte. Zusätzlich zu dem größten unterirdischen Gletscher der Welt kann man vor Ort auch noch andere bizarre Gebilde bewundern, die das Eis gebildet hat, darunter bis zu vier Meter hohe Stalagmiten und Stalaktiten. In der Höhle herrscht eine Jahresdurchschnittstemperatur von gerade einmal 5 Grad Celsius, weshalb sich ein Besuch in den wärmeren Monaten von Mai bis Juni empfiehlt.
„Ein echtes Naturwunder“
In dieser Zeit sind auch die unterirdischen Eisformationen größer als im Rest des Jahres. Für Besucher ist die Scărișoara-Höhle montags bis samstags von 10 bis 18 Ur geöffnet, sonntags schließt sie bereits eine Stunde früher. Der Eintritt kostet für einen Erwachsenen 11 Lei, umgerechnet gut zwei Euro. Ermäßigte Tickets zum Beispiel für Studenten kosten acht Lei, also knapp 1,60 Euro. Die Höhle ist nur im Rahmen einer geführten Tour zu besichtigen, weshalb es trotz der maximalen Gruppengröße von bis zu 30 Personen zu Wartezeiten kommen kann. Die Tour zum größten unterirdischen Gletscher der Welt dauert etwa 30-40 Minuten.
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Auf dem Portal Tripadvisor zeigen sich die User begeistert von der Scărișoara-Höhle. Einer schreibt: „Ein sehr schöner und interessanter Ort. Man sollte früh kommen, bevor der Andrang startet.“ Ein zweiter meint: „Ein echtes Naturwunder.“ Ein dritter ergänzt: „Absolut einen Besuch wert.“ Der rumänische Rekordhalter hat nicht nur den größten unterirdischen Gletscher der Welt, sondern ist auch insgesamt eine der größten Eishöhlen überhaupt. Weltweiter Spitzenreiter in dieser Hinsicht ist die österreichische „Eisriesenwelt“, deren Gänge sich unterirdisch auf über 40 Kilometern erstrecken.