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Von Forschern entwickeltes Tool

Interaktive Karte zeigt, wo Ihr Heimatort einst lag

Eine neue interaktive Karte kann die frühere geografische Lage Ihres Heimatorts rekonstruieren (Symbolbild)
Eine neue interaktive Karte kann die frühere geografische Lage Ihres Heimatorts rekonstruieren (Symbolbild) Foto: picture alliance / Visually | ManuelMata
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Laura Pomer
Freie Autorin

8. Mai 2026, 10:15 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Idyllisch am Waldrand oder urban mitten in der Großstadt – in einer Altbauwohnung oder einem Plattenbau: Ihr Zuhause wirkt vermutlich sehr „stabil“. Sie gehen heute Abend ins Bett und wachen morgen nicht plötzlich in einem anderen Stadtteil oder gar auf einem anderen Kontinent auf. Doch blickt man Millionen Jahre zurück, war genau das für die Erde ganz normal. Das Fleckchen Erde, das Sie heute Ihren Heimatort nennen, lag einst an einer völlig anderen Position auf dem Planeten. Bloß wo? Das lässt sich nun mit einer innovativen interaktiven Karte berechnen.

Weshalb Ihr Heimatort einst woanders gelegen hat

Dass Kontinente nicht immer an derselben Stelle liegen, hängt mit den sogenannten tektonischen Platten zusammen. Wie Sie wahrscheinlich wissen, besteht die Eroberfläche aus mehreren riesigen Gesteinsplatten, die auf heißem, zähflüssigem Material im Erdinneren „schwimmen“ und sich extrem langsam bewegen. Auf menschlichen Zeitmaßstäben ist das kaum wahrnehmbar – es sind nur wenige Zentimeter pro Jahr. Über Millionen von Jahren summiert sich diese Bewegung jedoch zu tausenden Kilometern.

Dadurch verändern sich ganze Ozeane und Kontinente: Meere öffnen und schließen sich, Landmassen driften auseinander oder kollidieren miteinander, und Gebirge entstehen dort, wo Platten aufeinandertreffen. So war etwa Indien einst eine isolierte Landmasse südlich des Äquators, bevor es auf Asien traf und dabei den Himalaya formte. Auch Europa und Nordamerika waren früher Teil eines zusammenhängenden Kontinents – der Atlantik existierte damals noch nicht.

Heißt natürlich auch: Ihr heutiger Heimatort war früher ganz woanders, so wie auch jeder andere Ort der Erde. Und Näheres dazu kann man nun mithilfe der Plattform Paleolatitude.org herausfinden.

So funktioniert das innovative Tool

Das neue Online-Tool kann berechnen, wo sich ein heutiger Ort vor Millionen von Jahren befand. Und, ganz wichtig: auf welchem Breitengrad. Dieser Wert ist entscheidend, weil er direkt mit dem Klima zusammenhängt. Er bestimmt, wie viel Sonnenlicht ein Gebiet erhält und ob dort eher tropische, gemäßigte oder polare Bedingungen herrschten. Damit lässt sich auch erklären, welche Tiere und Pflanzen dort leben konnten.

Technisch funktioniert das Tool, indem es den heutigen Standort eines Ortes mit einem geologischen Bewegungsmodell der Erdplatten verknüpft. Dieses Modell beschreibt, wie sich die Platten über Hunderte Millionen Jahre verschoben und gedreht haben. Im Prinzip wird die Zeit „rückwärts abgespult“: Aus der heutigen Position wird berechnet, wo dieser Punkt auf einer früheren Version der Erde gelegen hat.

Für uns ist das Ganze wohl vor allem eine nette Spielerei. Für die Forschung hingegen ermöglichen die verbesserten Rekonstruktionsmethoden ein deutlich genaueres Verständnis davon, in welchen Klimazonen Dinosaurier lebten oder warum bestimmte Arten nur in bestimmten Regionen vorkamen.

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Wie die interaktive Karte entwickelt wurde

Das neue Modell gilt dabei als deutlich präziser als frühere Ansätze. Es erlaubt erstmals eine detaillierte Rückverfolgung stark deformierter Regionen wie Gebirge oder Kollisionszonen. Detaillierte Informationen zu seiner Entwicklung haben die verantwortlichen Wissenschaftler in einer Facharbeit ausführlich beschrieben.

Eine zentrale Rolle spielt dabei demnach der Paläomagnetismus. Bestimmte Mineralien in Gesteinen speichern beim Entstehen die Richtung des damaligen Erdmagnetfelds – ähnlich wie ein „eingefrorener Kompass“. Da das Magnetfeld in etwa vom Äquator zu den Polen verläuft, lässt sich daraus ableiten, auf welchem Breitengrad ein Gestein entstanden ist.

Die Forscher kombinieren diese Informationen mit umfassenden Modellen der Plattentektonik sowie neuen geologischen Rekonstruktionen. Ein großer Fortschritt der aktuellen Version ist zudem, dass Unsicherheiten systematisch mitberechnet werden. Weder das Alter von Fossilien noch die genaue frühere Lage eines Gesteins lassen sich immer exakt bestimmen. Statt nur einen einzelnen Wert auszugeben, berechnet das Modell deshalb auch mögliche Abweichungen und macht die Ergebnisse statistisch belastbarer.

Für die Entwicklung wurde ein globales Modell der vergangenen rund 320 Millionen Jahre erstellt. Dabei rekonstruieren die Forscher nicht nur Kontinente und Ozeane, sondern auch verschwundene Meeresbecken, Mikro-Kontinente und alte Inselbögen, die heute in anderen Landmassen aufgegangen sind.

Was Nutzer von der interaktiven Karte erwarten dürfen

Sie sollten von dem Tool keine exakte historische Adresse erwarten. Es sagt also nicht, „hier lag früher eine bestimmte Stadt“, sondern ordnet einen Ort einer geologischen Position und vor allem einer Klimazone zu.

Wenn etwa ein Ergebnis eine Paläobreite von 20 Grad Nord angibt, bedeutet das nicht eine heutige Vergleichsstadt, sondern dass sich der Ort damals in einer deutlich wärmeren, oft subtropischen Zone befand. Der heutige Heimatort wird dabei als Referenzpunkt auf einer beweglichen tektonischen Platte behandelt. Das System rechnet die Reise dieser Platte im Zeitverlauf zurück, wodurch sich die frühere geografische Lage ergibt.

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