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Wie kommt es dazu?

Spektakuläres Naturschauspiel zweier Flüsse in Genf

Genf
Der Zusammenfluss von Rhone (links) und Arve kreiert ein großartiges Farbschauspiel, das man von der Pointe de La Jonction in Genf aus beobachten kannFoto: András Barta

In der Schweizer Stadt Genf kann man ein spektakuläres Naturschauspiel beobachten. Hier fließt die Arve in die Rhone. Doch während das geschieht, hat das Wasser unterschiedliche Farben. TRAVELBOOK sprach mit einem Experten und einem Einheimischen über das Phänomen.

Wer in der Schweizer Stadt Genf auf der Brücke Pointe de La Jonction steht, kann Zeuge eines einzigartigen Naturphänomens werden. Denn genau an diesem Punkt fließt die Arve in die Rhone. Besonders daran ist vor allem, dass das Wasser hier auf einer kurzen Fließstrecke unterschiedliche Farben zeigt. Das Schauspiel ist so berühmt, dass sogar der Stadtteil La Jonction danach benannt ist: Auf Deutsch bedeutet der Name „Der Zusammenfluss“.

Doch wie entsteht das einzigartige Farbenspiel? Warum sieht der Fluss an diesem besonderen Punkt so aus? „Die Rhone fließt aus dem Genfer See und führt daher klares, leicht grünliches Seewasser“, erklärt Dr. Martin Pusch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei auf TRAVELBOOK-Anfrage. „Ihr Wasser ist daher sehr sauber, weil sie nur wenige Schwebealgen aus dem See mit sich führt.“

Wie kommt es zu dem Naturschauspiel der beiden Flüsse in Genf?

Das Wasser der Arve hingegen sei trüb, weil diese als typischer Gebirgsfluss zahlreiche mineralische Schwebstoffe auf ihrer Reise nach Genf mitnimmt. Insbesondere bei Schneeschmelze oder Regen in ihrem Einzugsgebiet, das sich in Richtung des Mont Blanc erstreckt. Hierbei handele es sich um Gestein, das durch das Wasser langsam zerrieben werde, bis schließlich nur feiner Sand übrig ist. Dieser wird aufgewirbelt und färbt das Wasser der Arve dann braun. Doch warum sieht es beim Zusammentreffen der beiden Flüsse so wie oben in dem Foto aus?

„Wenn die beiden Flüsse aufeinandertreffen, mischen sie sich nicht sofort“, sagt Pusch. „Vielmehr entsteht scharfe Trennlinie zwischen den beiden Wasserkörpern, die auch daher rührt, dass die beiden Flüsse unterschiedlich schnell fließen.“ Der Hauptgrund aber sei die Bewegung des Wassers an sich: „Es fließt niemals einfach geradeaus, sondern vielmehr in Wirbeln und Spiralen. Diese sind normalerweise unsichtbar. Aber dadurch, dass sich hier in Genf die beiden Flüsse mit unterschiedlichen Wasserfarben vereinen, werden diese Verwirbelungen sichtbar.“

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Kein einmaliges Phänomen

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Das Naturschauspiel von Genf ist dabei laut Pusch zwar einmalig schön, aber keineswegs einzigartig: „Das berühmteste Beispiel weltweit ist wohl der Zusammenfluss des Rio Solimões mit dem Rio Negro in Manaus, Brasilien. Diese beiden vereinigen sich zum Amazonas, und auch hier kann man eine unterschiedliche Färbung des Wassers beobachten.“ In Deutschland ist das Phänomen Pusch zufolge oft in Koblenz am Rhein (Zufluss: Mosel) und Passau an der Donau (Zuflüsse Inn und Ilz) zu bewundern, insbesondere wenn die Zuflüsse Hochwasser führen.

Manaus
In Manaus fließen der Rio Negro und der Rio Solimões zusammenFoto: Getty Images

Der Fotograf András Barta, dem das obige Bild vom Zusammenfluss von Rhone und Arve gelang, lebt selbst in Genf. „Es ist ein schöner und ruhiger Ort“, sagt er TRAVELBOOK. Doch nicht immer: Sobald im Frühling die ersten Sonnenstrahlen erscheinen, erwachte gerade die linke Flussseite zum Leben. Da hier auch gerne gebadet wird, fänden sich dann stets viele Leute. Auch, um das Schauspiel zu beobachten, wie sich hier die beiden Flüsse vereinen. „Es gibt eine Bar, und die Stadt hat sogar öffentliche Duschen aufgestellt.“

Laut Barta sieht das Naturphänomen zudem nie gleich aus. „An manchen Tagen erkennt man eine klare Trennlinie zwischen den beiden Flüssen. Manchmal ist das Wasser aber auch ein einziges wirbelndes Chaos.“

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