Wegen Klimawandel

Ist das Tote Meer bald gestorben?

Blick auf das Tote Meer von Masada aus
Das Tote Meer in Israel führt immer weniger Wasser

Ein Bad im hochprozentigen Salzwasser des Toten Meers ist für viele Reisende das Highlight ihres Israel-Urlaubs. Wissenschaftler befürchten allerdings, dass es das Naturwunder in Zukunft nicht mehr geben wird. Schon jetzt sinkt der Wasserspiegel jedes Jahr um einen Meter.

Mehrere Stunden Autofahrt durch die Judäische Wüste im Westjordanland sind notwendig, bis man das Tote Meer erreicht. Bei dem Gewässer handelt es sich nur dem Namen nach um einen Ozean. In Wirklichkeit ist das Tote Meer ein rund 900 Quadratkilometer großer Salzsee mit rund 30-prozentiger Saline. Zum Vergleich: Das Mittelmeerwasser besteht nur zu ungefähr drei Prozent aus Salz.

. Zugleich birgt das Baden aber auch Gefahren, zum Beispiel wenn Badende Wasser verschlucken oder einatmen.

So gefährlich kann Baden im Toten Meer sein

Wasserspiegel das Toten Meers sinkt seit Jahren

Doch der Spaß könnte bald vorbei sein. Denn seit Jahren ist der Wasserspiegel rückläufig. „Das Tote Meer ist ein wirklich einmaliges Phänomen, das Entdecker und Wissenschaftler seit langer Zeit beschäftigt“, sagt Yehouda Enzel, Leiter des Fredy and Nadine Herrmann Institute des Earth Sciences an der Hebrew University in Jerusalem gegenüber der „New York Times“. „Aber jetzt wird sowohl die Landschaft um als auch unter ihm mehr und mehr freigelegt.“

Die Auswirkungen kann jeder Besucher sehen: Die Wege von den Parkplätzen zum Toten Meer werden immer länger; Hotels, die früher direkt am Wasser waren, sind mittlerweile gute hundert Meter von der Küste entfernt, an vielen Badestellen sieht man an den Ufern deutlich die freigelegten Schichten der letzten Jahrzehnte. Sollte das Wasser in gleichem Maße wie bisher zurückgehen, rechnen Umweltwissenschaftler sogar damit, dass das Tote Meer in gut 300 Jahren ausgetrocknet ist.

Als Gründe vermuten Wissenschaftler die allgemeine Wasserknappheit in der Region. Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen in der Judäischen Wüste. Nach Schätzungen des Hydrologie-Professors Marwan Al-Raggad von der University of Jordan werden sie Ende dieses Jahrhunderts im Schnitt fünf bis elf Grad höher sein als heute und der Niederschlag um 30 Prozent geringer, berichtet „NBC News“.

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Ausgang ungewiss

Ob das Tote Meer tatsächlich ganz verschwindet, darüber sind die Fachleute uneins. Einige gehen davon aus, dass der Salzsee, dessen Oberfläche jetzt noch rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, lediglich auf einen Bruchteil seiner jetzigen Größe zusammenschrumpft. Imposante Fotos von badenden Touristen, die  schwimmend Zeitung lesen, gehören dann möglicherweise der Vergangenheit an.

 

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