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Seine Dünen bestehen aus purem Gips-Sand

White Sands Nationalpark – die weiße Wüste in den USA

White Sands Nationalpark
Überirdisches Weiß: Der White Sands Nationalpark ist bekannt wegen seiner einzigartigen Gips-SanddünenFoto: Getty Images

Im US-Bundesstaat New Mexico liegt der White Sands Nationalpark. Er ist ein erstaunliches Naturwunder, denn seine Sand-Dünen sind schneeweiß. Doch ein Besuch hier ist nicht ungefährlich, immer wieder gibt es Todesfälle. Zudem ist der Park nicht immer für Besucher geöffnet – und das hat einen wahrhaft skurrilen Grund.

Auf einer Fläche von gut 700 Quadratkilometern erstreckt sich im US-Bundessstaat New Mexico eines der beeindruckendsten Naturwunder der USA. Die Rede ist vom White Sands Nationalpark. Wie der Name bereits anklingen lässt, handelt es sich hierbei um schneeweiße Sand-Dünen, inmitten einer wüstenartigen Landschaft. Der Grund für diese ungewöhnliche Färbung liegt in der geologischen Geschichte des Ortes.

Laut der offiziellen Seite des White Sands Nationalparks handelt es sich bei dem weißen Sand um Überreste von Gipsablagerungen, die hier bereits vor 280-250 Millionen Jahren erstmals entstanden. Demnach befand sich dort, wo heute der Nationalpark ist, früher ein flaches Ur-Meer. Auf dessen Boden lagerten sich über einen Zeitraum von 30 Millionen Jahren mineralischer Gips und andere Mineralien ab.

Vom Ur-Meer zu den weißen Gips-Dünen

White Sands Nationalpark
Der White Sands Nationalpark wurde 1934 eröffnet und ist seitdem eines der größten Besucher-Highlights im US-Bundesstaat New MexicoFoto: Getty Images

Doch es war erst nach dem Ende der letzten Eiszeit, als sich die weißen Gipsdünen im White Sands Nationalpark zu bilden begannen. Das Ur-Meer war längst verschwunden, an seiner Stelle hatte sich vor etwa 30 Millionen Jahren der sogenannte Otero-See gebildet. Einst weit über 4000 Quadratkilometer groß, lagerte sich der Gips nun auf dessen Grund ab, da er auch mit Regen und Schmelzwasser von den umgebenden San Andres- und Sacramento-Bergen eingetragen wurde.

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Vor etwa 12.000 Jahren begann dann der Otero-See aufgrund des immer wärmeren Klimas auszutrocknen, genauer gesagt, zu verdampfen. Zurück blieben Gips-Kristalle, und diese wurden im Laufe der letzten Tausenden von Jahren von Winden abgetragen. Und dabei sprichwörtlich aufgerieben, bis sie die Struktur von feinem, weißem Sand aufwiesen. Genau aus diesem Sand entstanden schließlich die Dünen, die heute den White Sands Nationalpark bilden.

Der Nationalpark wächst noch immer

Der Prozess ist auch heute noch nicht abgeschlossen. Denn wo einst der Otero-See war, bildete sich mit dessen Austrocknen ein deutlich kleineres Gewässer, der Lucero-See. Dieser existiert bis heute, und genau wie in seinem „Vorgänger“ lagert sich hier durch Regen- und Schmelzwasser-Einträge immer wieder Gips ab. Wenn nun das Gewässer austrocknet – was genauso regelmäßig passiert, wie er sich füllt – kommen die Gipskristalle zum Vorschein. Und werden wiederum vom Wind abgetragen.

Die Dünen des White Sands Nationalparks sind stets starken Winden ausgesetzt, so dass sie mitunter pro Jahr bis zu 10 Meter wandern können. Wurde hier im 19.Jahrhundert kurzzeitig versucht, den Gips industriell abzubauen, entdeckten schon bald Touristen die Schönheit der weißen Wüste. Nur zwei Jahre nach der Entstehung des benachbarten Ortes Alamogordo erschien im Jahr 1900 der erste Artikel über den ungewöhnlichen Ort. 1933 wurden die weißen Gips-Dünen vom damaligen US-Präsidenten Herbert Hoover zu einem National-Monument erklärt. Später wurde dann daraus der White Sands Nationalpark.

Frühes Touristenhighlight

White Sands Nationalpark
Etwa 600.000 Menschen besuchen pro Jahr den White Sands NationalparkFoto: Getty Images

Schon vor dieser Initiative war der Ort bei Touristen beliebt, so gab es hier bereits in den 1920er Jahren ein Motel mit acht Gästezimmern. Zur Eröffnung des White Sands Nationalpark am 29. April 1934 kamen 4000 begeisterte Gäste. Allein in seinem ersten Jahr hatten die weißen Dünen bereits 34.000 Besucher – heute sind es laut der Seite des Nationalparks jährlich 600.000. Bereits 1942 bekam der Nationalpark aber einen ungewöhnlichen „Nachbarn“, und zwar ein militärisches Testgelände für Raketen und andere Waffen.

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Die Alamogordo Bombing and Gunnery Range erlaubte es dem US-Militär fortan, auf dem Gelände des heutigen Nationalparks Panzer-Übungen durchzuführen. Verschiedene Typen von Raketen wurden auf der White Sands Missile Range getestet. Daher wurde der White Sands Nationalpark in der Vergangenheit regelmäßig gesperrt. Und auch heute noch kann dies vorkommen. 1963 kam dann noch ein neuer Nutzungszweck hinzu, als das Gelände rund um den Nationalpark auserkoren wurde, um hier NASA-Piloten zu trainieren. Spätestens 1982 ging der Ort endgültig in die Geschichte ein, als hier das Spaceshuttle Columbia nach seinem Flug in den Weltraum landete.

Wunderschön – und tödlich

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Heute ist der White Sands Nationalpark vor allem zum Wandern beliebt. Und bei den zahlreichen Gästen, die die weißen Gips-Dünen auf Schlitten hinuntersausen möchten. Diese kann man sogar im örtlichen Geschenkeladen kaufen, aber man darf auch sein eigenes Fahrzeug mitbringen. Dabei komme es aber laut der Nationalpark-Seite „erstaunlich oft“ zu Unfällen. Und auch sonst sollte man einen Besuch bei den weißen Dünen keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen.

Denn immer wieder müssen Rettungskräfte hier ausrücken, um erschöpfte, dehydrierte oder verletzte Touristen zu retten. Laut der Park-Seite geschieht dies Dutzende Male pro Jahr. Und auch zu Todesfällen ist es im White Sands Nationalpark bereits gekommen. Denn die Sandwüste bietet keinerlei Schatten, und tagsüber kann es sehr heiß werden. So kam hier 2015 laut „CNN“ ein französisches Pärchen ums Leben, ihr damals neun Jahre alter Sohn überlebte. Auch 2019 und 2021 kam es laut der Nationalpark-Verwaltung zu Todesfällen.

Diese rät daher Besuchern zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen: Mindestens vier Liter Wasser solle man pro Person mit sich führen, dazu genügend Essen. Zudem solle man je nach Jahreszeit auf die richtige Kleidung achten und immer Sonnencreme auftragen. Eine Karte des Parks gehöre genauso in jeden Rucksack wie eine Taschenlampe, ein Signal-Spiegel und ein Erste-Hilfe-Set. Um jederzeit Notfälle melden zu können, solle man stets ein voll aufgeladenes Telefon mitführen. Über sämtliche Vorsichtsmaßnahmen kann man sich auf der Seite des White Sands Nationalpark informieren.

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