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Wegen Tourismus vom Aussterben bedroht

Bodyguards müssen philippinische Koboldäffchen beschützen!

Ein Koboldmaki auf der Insel Bohol, Philippinen
Die auf den Philippinen lebenden Koboldmakis sind vom Aussterben bedrohtFoto: Getty Images

Philippinische Koboldäffchen gehören zu den niedlichsten ihrer Art – und genau das wird ihnen zum Verhängnis. Touristen belagern die Mini-Primaten regelrecht, um süße Fotos zu erhaschen. Einheimische halten sich die Tierchen mittlerweile sogar als Haustiere. Die Folge: Koboldmakis sind vom Aussterben bedroht und müssen jetzt bewacht werden.

Kugelrunde Augen, winzige Körper und lange Fingerchen – wer wird beim Anblick eines Koboldmakis nicht schwach? Die niedlichen Tarsiidaen, wie sie mit wissenschaftlichem Namen heißen, sind besonders sensible nachtaktive Tierchen und gehören zu den kleinsten Primaten. Trotz oder gerade wegen ihrer großen Beliebtheit stehen sie allerdings auf der roten Liste der bedrohten Tierarten.

In Gefangenschaft bringen sich Koboldmakis um

Reisen auf die philippinische Insel Bohol werden häufig unter dem Gesichtspunkt beworben, dass in den Wäldern die putzigen Äffchen hausen. Touristen ziehen also bei einem Besuch mit lauten Schritten und blitzenden Kameras durch den Dschungel, um ihr langersehntes Foto mit einem der Mini-Affen schießen zu können. Manchmal müssen sie gar nicht erst große Touren durch das Dickicht antreten, denn mittlerweile halten sich viele Einheimische die Lebewesen schon als Haustiere. Eine Katastrophe für das Tier, denn was viele nicht wissen: Koboldmakis sind extrem stressempfindlich.

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Tierschützer Carlito Pizarras des Koboldmaki Forschungs- und Entwicklungszentrums in Corella erklärte gegenüber dem „Deutschlandfunk“: „Die meisten Besitzer haben keinen blassen Schimmer, wovon sich der Koboldmaki überhaupt ernährt; von Insekten nämlich und Fröschen. Sie geben ihm Hühnerfleisch. Das verträgt er aber gar nicht. Sein Fell wird dadurch ganz trocken. Doch selbst bei artgerechter Ernährung geht er in Gefangenschaft früher oder später ein. Vor lauter Stress begeht er spätestens nach einem Monat Selbstmord.“

Koboldmakis in einem Zentrum in Bohol, Philippinen
Koboldmakis begehen in Gefangenschaft SelbstmordFoto: Getty Images

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Gesetz zum Schutz der bedrohten Tierart in Arbeit

Ein kleiner Erfolg des besagten Zentrums: Mitarbeiter sollen zusammen mit einigen Parlamentariern ein Gesetz zum Schutz der Äffchen auf den Weg gebracht haben: „Das Gesetz ist in Planung. Es soll sicherstellen, dass es zukünftig verboten ist, den Koboldmaki in Käfigen zu halten. Aber nun ja: Die Gesetzgeber kommen nicht so richtig voran.“

Bis das neue Gesetz endlich durchgesetzt werden kann, werde in dem Koboldäffchen-Zentrum in Bohols Stadtgemeinde Corella mithilfe von Tierschützern und Wissenschaftlern weiterhin für die Sicherheit der kleinen Affen gesorgt. In dem rund 167 Hektar großen geschützten Gebiet namens Philippine Tarsier and Wildlife Sanctuary sollen die kleinen Waldbewohner in Ruhe leben können. Touristen ist es dennoch möglich, Führungen zu bekommen – allerdings nur mit ausgiebiger Einweisung und mit Bodyguards, die für den Schutz der begehrten Fotomotive sorgen. Die Regeln bei einer Tour durch das Gebiet sind einfach: keine lauten Geräusche, kein Blitzlicht und mindestens ein Meter Sicherheitsabstand zu den meist schlafenden Tieren, die nicht geweckt werden dürfen.

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Affenhandel weltweit ein großes Problem

Koboldmakis sind nicht die einzige Affenart, die in manchen Ländern widerrechtlich als Haustiere gehalten werden. In einer einjährigen Investigation hatte „BBC News“ ein Netzwerk von Wildtierhändlern, das Babyschimpansen verkaufte, entlarven können. Ihre Kunden: reiche Haushalte sowie Betreiber von kommerziellen Zoos oder Tiershows, die extra viel Geld bezahlt hätten, um lästige Kontrollen zu umgehen. Für umgerechnet fast 11.000 Euro sollen ihnen die neugeborenen Primaten vermittelt worden sein.

Laut dem „UN-Umweltprogramm“ sollen etwa 3000 Menschenaffen, zu denen Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen gehören, jedes Jahr aus der freien Wildnis verschwinden, weil sie illegal gejagt werden würden. Im Anschluss würden sie entweder verkauft oder während der Jagd getötet werden – oder in Gefangenschaft verenden.