21. Juli 2026, 10:27 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Vor der kroatischen Küste ist erneut ein Rochen gesichtet worden. Ein Hobbytaucher entdeckte in der Adria einen Entenschnabelrochen – eine Art, die als vom Aussterben bedroht gilt. Für Forschende ist der Fund besonders spannend, denn er ist längst kein Einzelfall mehr. Seit einigen Jahren häufen sich in der nördlichen Adria die Sichtungen der imposanten Meerestiere.
Anfang Juli stieß der Taucher während eines Tauchgangs in der Valkane-Bucht bei Pula in Kroatien auf den Rochen. Zwar hatte er keine Kamera dabei, meldete seine Beobachtung jedoch umgehend dem Aquarium Pula, das den Fund später in einem Facebook-Beitrag veröffentlichte. Nach seiner Beschreibung hatte der Entenschnabelrochen, auch Gestreifter Adlerrochen genannt, eine Spannweite von rund 1,5 Metern und hielt sich in einer Tiefe zwischen vier und zehn Metern auf.
Rund zehn Minuten lang beobachtete der Taucher, wie das Tier den Meeresboden nach Muscheln und Krebstieren absuchte. Dabei wirbelte es Sand und kleine Organismen auf – ein gefundenes Fressen für zahlreiche kleinere Fische. Etwa 40 von ihnen folgten dem Rochen und nutzten die aufgewühlte Nahrung.
Gruppen von 50 Tieren vor Triest gezählt
Die Beobachtung vor Pula reiht sich in eine Entwicklung ein, die Forschende seit einigen Jahren in der nördlichen Adria vor Italien beobachten. Im Meeresschutzgebiet Miramare im Golf von Triest wurden in den vergangenen drei Jahren immer häufiger größere Gruppen von Adlerrochen dokumentiert. Zuletzt zählten Meeresbiologen dort erstmals mehr als 50 Tiere gleichzeitig – die bislang größte Ansammlung, die in dem Gebiet registriert wurde.
Ob zwischen dem Tier vor Pula und den Rochen im Golf von Triest ein Zusammenhang besteht, ist bislang unklar. Dass die Tiere innerhalb kurzer Zeit gleich mehrfach in der Region auftauchen, ist für Forschende ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig die nördliche Adria für die bedrohte Art geworden ist.
Muschelfarmen locken die Adlerrochen an
Warum derzeit ungewöhnlich viele Adlerrochen in der Region gesichtet werden, lässt sich bislang nicht eindeutig beantworten. Die Forschenden vermuten jedoch mehrere Gründe.
So halten sich die Tiere auffällig häufig in der Nähe von Muschelzuchten auf. Dort könnten sie nicht nur Nahrung finden, sondern die geschützten Gewässer möglicherweise auch zur Fortpflanzung nutzen. Um Schäden an den Muschelbeständen zu vermeiden, testen Verantwortliche im Golf von Triest inzwischen sogar magnetische Abschrecksysteme. Diese sollen die Rochen von den Zuchtanlagen fernhalten, ohne ihnen zu schaden.
Auch strengere Fischereivorschriften könnten zu den häufigeren Sichtungen beitragen. Gegenüber Euronews erklärte Saul Ciriaco, Leiter des WWF-Monitorings im Meeresschutzgebiet Miramare, dass strengere Regeln für den Fischfang die Fortpflanzung der Tiere begünstigt haben könnten. Gleichzeitig verändern steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel und verschobene Nahrungsketten das Ökosystem der Adria.
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Die nördliche Adria gilt als wichtiger Lebensraum
Dass die Sichtungen ausgerechnet in der nördlichen Adria zunehmen, überrascht Fachleute nicht. Das Gebiet wurde 2023 als Important Shark and Ray Area (ISRA) ausgewiesen – ein international anerkanntes Schutzgebiet von besonderer Bedeutung für Haie und Rochen. Ausschlaggebend sind unter anderem geeignete Laichgebiete, geschützte Aufwuchsbereiche für Jungtiere und ein großes Nahrungsangebot.
Trotz Sichtungen bleibt die Art stark bedroht
Die aktuellen Beobachtungen sind zwar ein positives Signal für die Forschung, bedeuten aber nicht automatisch, dass sich die Bestände bereits erholen. Der Entenschnabelrochen steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion und gilt als vom Aussterben bedroht. Nach Einschätzung der Organisation ist seine weltweite Population in den vergangenen rund 50 Jahren um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Als wichtigste Ursachen gelten Überfischung und Beifang.