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Weltweite Plage

Versauen uns Quallen bald jeden Strand-Urlaub?

Überfischung, Erwärmung der Ozeane – darüber freuen sich vor allem Quallen, die sich rasant vermehren. Besorgniserregend ist die Situation vor allem an französischen und spanischen Küsten. Problem: Einige der Quallen sind hochgiftig. TRAVELBOOK sagt, was Sie tun müssen, wenn Sie mit einer in Kontakt gekommen sind.

Im Science-Fiction-Thriller „Der Schwarm“ von Frank Schätzing belagern gigantische Scharen giftiger Quallen die Küsten, greifen Schwimmer und Taucher an. Glaubt man neuen Experten-Studien, ist das Horror-Szenario aus Schätzings Buch von der Realität gar nicht so weit entfernt…

„Quallen und Tourismus sind kein gutes Gespann“, warnte die US-Forscherin Dr. Lisa-Ann Gershwin jetzt in einem Interview mit CNN. In ihrem Buch „Stung! On Jellyfish Blooms and the Future of the Ocean“ (dt. „Genesselt! Über Quallenschwärme und die Zukunft der Ozeane“) beschreibt die Meeresbiologin, wie sich die glibbrigen Tiere immer mehr in den Weltmeeren ausbreiten und auch beliebte Urlaubsregionen bedrohen.

„Die französische und spanische Küste, Chesapeake Bay, das Great Barrier Reef, Hawaii – einige der Zahlen sind erschütternd“, sagt Gershwin. Allein im Inselparadies Hawaii seien in den vergangenen Jahren teilweise bis zu 800 bis 1000 Menschen täglich von Quallen gestochen worden. In Spanien und Florida habe es bis zu einer halben Million Touristen pro Saison erwischt.

Im Juni erreichten uns aus Mallorca Meldungen von einer regelrechten Quallenplage. Hunderte Feuerquallen wurden an einigen Stränden der beliebten Baleareninsel angeschwemmt und Tausende im Meer gesichtet.

Beunruhigend auch ein Vorfall aus Schweden: Anfang Oktober legte dort ein riesiger Quallenschwarm einen der größten Atomreaktoren der Welt in Oskarshamn lahm. Die Glibbertiere verstopften die Rohre, die Kühlwasser in die Turbinen der Anlage leiten. Die Tiere zwangen den Betreiber dazu, den Reaktor 3 für mehrere Tage abzustellen.

An vielen Stränden in Australien, aber auch auf Hawaii oder den Philippinen stehen bereits Schilder, die Badende vor Quallen warnen oder Tipps für den Fall der Fälle geben.

Der Mensch ist schuld

Die Gründe für das rasante Wachstum der Quallenpopulationen sieht US-Wissenschaftlerin Gershwin unter anderem in gestiegenen Wassertemperaturen, zunehmender Verschmutzung und Überfischung. Das Problem: Fehlen die natürlichen Feinde und Nahrungskonkurrenten der Quallen, steht einer ungehinderten Ausbreitung nichts mehr im Weg. Die Lieblingsnahrung der Quallen, Plankton, ist außerdem wegen der Verschmutzung im Überfluss vorhanden.

Mehr als 2000 Quallenarten gibt es auf der Welt. Wenige Arten sind hochgiftig oder, wie die sogenannte Seewespe, für den Menschen sogar tödlich. Die meisten Quallen sind harmlos, aber die Berührung mit ihren Tentakeln kann äußerst schmerzhaft sein und – bei falscher Behandlung – sogar Narben zurücklassen.

Quallen haben auf ihrem Körper und in den Tentakeln giftige Nesselzellen. Bei Kontakt schießen sie damit Giftpfeile ab. Quallen töten damit normalerweise ihre Beute, beim Menschen löst das Quallengift mitunter schwere Verbrennungen aus, Schwindel, Übelkeit und Brechreiz können hinzukommen.

Bitte nicht draufpinkeln!

Eines sollte man jedenfalls auf keinen Fall tun: Auf die betroffene Hautstelle pinkeln. Seit der Ausstrahlung einer Episode der beliebten US-Sitcom „Friends“ im Jahr 1997 glauben offenbar einige Fans hartnäckig, dass man Quallengift am besten mit Urin zu Leibe rückt. Doch das kann die Sache eher noch verschlimmern. Besser: Mit Essig oder Zitronensäure abspülen und desinfizieren. Mehr Tipps im Kasten rechts.

Gibt es ein Zurück?

Die Prognosen der Meeresbiologin Dr. Lisa-Ann Gershwin sind beunruhigend: „So traurig es ist, gehöre ich zu einer wachsenden Gruppe von Leuten, die glauben, dass es für eine Umkehr der Dinge zu spät ist.“ Durch die Überfischung der Weltmeere und andere menschengemachte Faktoren seien bereits zu viele Meeresbewohner in extrem geringer Zahl vorhanden oder vom Aussterben bedroht. „Ihre ursprüngliche Zahl wiederherzustellen, ist schlicht unmöglich“, sagt die Wissenschaftlerin.

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