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So schlimm steht es immer noch um den Regenwald im Amazonas

Hier kämpft ein Feuerwehrmann gegen die Feuerwalze
Foto: dpa picture alliance

Die Medienberichte über die verheerenden Brände im Amazonas-Regenwald sind seit Ende September stark zurückgegangen. TRAVELBOOK hat mit Experten darüber gesprochen, wie die aktuelle Lage im Amazonas einzuschätzen ist.

Feuer im Amazonas

Im August 2019 war der Höhepunkt der Feuerkatastrophe im Amazonas
Foto: Getty Images

Die Brasilianerin Erika Berenguer ist Expertin für den Amazonas-Regenwald und Senior Research Fellow am „Enviromental Change Institute“ an der Universität Oxford. Dort erforscht sie die Auswirkungen der Brände auf das gewaltige Ökosystem des südamerikanischen Tropenwaldes. Wochenlang kam sie kaum hinterher mit all den Nachfragen, die sie täglich von Journalisten erhielt. Nun aber hat die internationale Berichterstattung stark nachgelassen. Hat sich die Situation im Amazonas stabilisiert?

„Die alleinige Hauptursache für die Brände ist die Abholzung des Regenwaldes. Das bedeutet, so lange die Rodung des Amazonas-Gebietes anhält, wird es weiter Brände geben“, erklärt die Ökologin. „Laut der Satellitenbild-Auswertung des INPE (portugiesisch: Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais, das brasilianische Institut für Weltraumforschung, Anm. d. Red.) hat es allein in der ersten Oktoberwoche 2019 1500 Brände gegeben. Im August, dem trockensten Monat, waren es insgesamt 30.000 Brände, im September 19.000.“

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Die Feuer halten weiter an

Die Feuer halten demnach weiter an, die Anzahl ist jedoch beträchtlich zurückgegangen. Das liegt laut Berenguer jedoch allein an dem Beginn der natürlichen Regenzeit, nicht an politischen Gegenmaßnahmen: „Die Regierung tut nichts, um die Brände zu verhindern, im Gegenteil: Präsident Bolsonaro kürzt die Budgets für die Umweltbehörden weiter dramatisch. Seine Politik und seine Rhetorik befürworten die Abholzung. Das einzige, was man tun kann, um Brände zu verhindern, ist den Umweltschutz zu fördern und die Abholzung zu bekämpfen. Es gibt keine natürlichen Feuer im Tropenwald, sie sind zu hundert Prozent von Menschen verursacht.“ Seit dem Ausbruch der Großbrände hat Bolsonaro bereits den Leiter von INPE und mehrere bedeutende Klimaforscher im Land entlassen.

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Nächstes Jahr im August werden wir wieder dieselben Bilder sehen, wenn nichts geschieht“

Die geringere Anzahl an Feuer ist laut Berenguer allein dadurch zu erklären, dass der September, im Regelfall der Höhepunkt der brasilianischen Trockenzeit, nicht halb so trocken war, wie erwartet. „ Auch Oliver Salge, der Leiter der internationalen Kampagne für den Schutz des Regenwaldes bei Green Peace, bestätigt diese Aussagen.

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Salge zu TRAVELBOOK: „Die Regierung tut so, als wäre der Rückgang der Feuer ein Verdienst ihrer Politik, aber es wurde rein gar nichts getan. Es wurden 89 Soldaten in ein Gebiet geschickt, das so groß wie Westeuropa ist, um die Feuer zu löschen. Der einzige wahre Feuerlöscher ist der Regen, der nun langsam in den Wäldern einsetzt. Es wird aber noch etwa drei Wochen dauern, bis die wirkliche Regenzeit beginnt. Bis dahin wird die Umwelt und vor allem der Lebensraum der brasilianischen Indigenen weiterhin langfristig zerstört. Der Wald wird bis zu hundert Jahre benötigen, um sich zu regenerieren, Arten sind vom Aussterben bedroht und vielen indigenen Einwohnern fehlt die Lebensgrundlage für Jagd, Fischerei und sauberes Trinkwasser.“

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