Zum Inhalt springen
logo Deutschlands größtes Online-Reisemagazin
News Alle Themen
Sie dürfte eigentlich nicht existieren

Forscher finden gigantische Struktur unter Bermuda

Unter Bermuda befindet sich ein gigantisches Gesteinsmassiv
Seismologen haben eine mächtige Gesteinsschicht unter Bermuda entdeckt – diese könnte vieles erklären Foto: Getty Images
Artikel teilen
Laura Pomer
Freie Autorin

16. Dezember 2025, 15:50 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Seit den 1950er-Jahren gilt das sogenannte Bermuda-Dreieck als rätselhaft. Zahlreiche Mythen ranken sich um die Frage, warum Schiffe und Flugzeuge in einer bestimmten Region des Atlantiks verschwunden sein sollen. Doch auch unabhängig davon ist Bermuda aus geologischer Sicht von besonderem wissenschaftlichen Interesse. Die Forschung beschäftigt sich seit Langem mit der Frage, warum diese Insel mitten im Atlantik überhaupt existiert. Und in diesem Zusammenhang hat sie nun einen bemerkenswerten Fund unter Bermuda gemacht.

Mächtige Gesteinsschicht unter Bermuda

Als ozeanische Kruste wird die dünne, dichte Schicht der Erdkruste bezeichnet, die die Meeresböden bildet. So ist es etwa bei „Planet Schule“ nachzulesen, der anerkannten Wissen-Online-Plattform des deutschen Schulfernsehens von SWR und WDR. Jene Kruste besteht hauptsächlich aus dem vulkanischen Gestein Basalt, normalerweise haben sie eine Dicke von zwischen 5 und 8 Kilometern. Bei Bermuda sieht der Fall etwas anders aus. Dort sind die Seismologen William Frazer und Jeffrey Park auf eine Anomalie gestoßen, die sie in einer Forschungsarbeit dokumentierten. Sie registrierten unter dem Inselterritorium im Nordatlantik eine zusätzliche Zone, die sich in puncto Struktur und Zusammensetzung deutlich vom umliegenden Gestein unterscheidet. „Diese unterplattierte Schicht ist etwa 20 Kilometer dick“, schreiben die Autoren, also „etwa doppelt so dick, wie es bei vielen anderen intraplattischen Ozeaninseln beobachtet wurde.“

Diese mächtige Gesteinsschicht dürfte an dieser Stelle eigentlich nicht existieren. Derartige Strukturen entstehen nämlich typischerweise durch Vulkanismus, also Vorgänge, die mit dem Aufstieg von Magma aus dem Erdinneren zusammenhängen. Bermuda liegt auf einer topografischen Aufwölbung des Ozeanbodens und zeigt seit mehr als 30 Millionen Jahren keine vulkanische Aktivität mehr, wie die Forscher betonen. Die Aufwölbung hätte längst abgesunken sein müssen – und die kürzlich entdeckte Struktur könnte eine Erklärung dafür sein, warum dies nicht geschehen ist. Sie wirkt demnach wie ein stabilisierendes Fundament innerhalb der Erdplatte – eine Art Floß, sozusagen – und hält den Bereich dauerhaft angehoben.

Mehr zum Thema

Erklärungsansätze für die mysteriöse Struktur

Frazer und Park vermuten, dass bei der letzten vulkanischen Phase große Mengen geschmolzenen Gesteins nicht bis zur Oberfläche aufgestiegen, sondern in der Erdkruste steckengeblieben sind. Nachdem es abgekühlt war, entwickelte sich das Magma zu jener ungewöhnlichen, floßartigen Gesteinsplatte. Aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Dichte leitet die Struktur seismische Wellen ab – dies hat letztendlich zu ihrer Entdeckung geführt. Wie die Forscher ausführen, haben sie Erdbebenwellen aus großer Entfernung analysiert. Als diese den Untergrund von Bermuda durchquerten, änderten sie ihr Verhalten. Dies deuteten sie als klaren Hinweis auf Material mit ungewöhnlichem Aufbau.

Erst im Jahr 2019 erregte eine wissenschaftliche Untersuchung Aufsehen, bei der Gestein unter Bermuda geochemisch analysiert wurde. Die verantwortlichen Forscher hielten damals die Vermutung fest, dass die Entstehung dieser Struktur mit der Aufspaltung des Superkontinents Pangäa vor rund 300 Millionen Jahren zusammenhängen könnte. Genauer gesagt könnte sie mit dem Beginn der Öffnung des Atlantischen Ozeans zusammenhängen. Die Analysen zeigten einen ungewöhnlich niedrigen Siliziumgehalt im Gestein sowie besondere chemische Signaturen. Diese sollen darauf hindeuten, dass das Magma aus einem besonders tiefen oder andersartigen Bereich des Erdmantels stammt. Seither geht die Forschung davon aus, dass Bermuda kein klassischer Vulkan-Hotspot wie beispielsweise Hawaii ist, sondern etwas Besonderes – möglicherweise sogar einzigartig auf der Erde.

Weitere Forschung zum Verständnis der Bermuda-Anomalie

Doch bislang ist unklar, ob Bermuda wirklich ein geologischer Einzelfall ist. Es sei möglich, wie Studienautor Frazer dem Portal „Live Science“ erklärt, dass ähnliche Strukturen auch unter anderen Inseln existieren. Um dies herauszufinden, seien weitere Untersuchungen geplant.

Die enorme Bedeutung dieses Fundes steht jedoch außer Frage. Frazer betont, wie wichtig die genaue Untersuchung extremer Orte wie Bermuda ist, um auch solche mit weniger extremen Bedingungen zu verstehen. „So bekommen wir ein Gefühl dafür, welche Prozesse auf der Erde eher normal und welche eher extrem sind.“

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.