4. März 2026, 11:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Nahe der saarländischen Hauptstadt Saarbrücken befindet sich ein deutschlandweit wohl einzigartiges Naturphänomen: der sogenannte Brennende Berg. Ihren Namen hat die Felsformation daher, dass in ihrem Inneren bereits seit Jahrhunderten ein unterirdischer Kohleflözbrand schwelt. Mitunter steigt daher auch heute noch Rauch aus der Erde auf, was den Ort zu einem kleinen Touristenmagnet gemacht hat. Den Anstoß dazu könnte ein großer deutscher Dichter gegeben haben.
Wer sich um Saarbrücken herum zwischen dem Bezirk Dudweiler und der Stadt Sulzbach auf eine Wanderung begibt, kann Zeuge eines deutschlandweit wohl einzigartigen Naturphänomens werden. Denn auf der Strecke eines gut ausgeschilderten Themenweges befindet sich hier der Brennende Berg. Er trägt diesen Namen, weil in seinem Inneren bereits seit mehreren Jahrhunderten ein unterirdischer Kohleflözbrand schwelt. Wie es einst zu diesem Ereignis kam, vermag heute niemand mehr zu sagen. Doch mitunter sehen Besucher hier aus dem Inneren der Erde immer noch schwefligen Rauch aufsteigen. Und wer seine Hand an den Fels hält, kann vielleicht sogar die Wärme spüren, die von dem immer noch aktiven Brand ausgeht.
Diverse Quellen im Netz, wie zum Beispiel die offizielle Tourismusseite von Saarbrücken, nennen die Mitte des 17. Jahrhunderts als wahrscheinlichsten Ausgangszeitpunkt für den Beginn des unterirdischen Brandes. Mitunter ist auch konkreter davon die Rede, der Brennende Berg habe sich im Jahr 1668 entzündet. Der Überlieferung nach könnte das Feuer eines Hirten, der mit seiner Herde in der Nähe lagerte, schließlich zu der Entzündung und dem Schwelfeuer geführt haben, das nachweislich bis zum heutigen Tag aktiv ist. Seinen Namen erhielt der Ort demnach wegen der mindestens ein Jahrhundert lang sehr starken Rauchentwicklung, die dieses hervorrief. Durch Spalten im Fels konnte man damals wohl auch die subterrane Glut sehen.
Hoher Besuch
Anfangs versuchte die Bevölkerung noch, das schwelende Feuer im Erdinneren zu löschen. Doch schon bald erwies sich der Brennende Berg im wahrsten Sinne des Wortes als Schatzkammer. Denn die Schieferschichten, die auf dem brennenden Kohleflöz auflagen, wurden durch die Hitze auf natürliche Weise geröstet. Und dadurch wiederum entstand Alaun, ein sehr viel wertvollerer Rohstoff als Schiefer. Es war zur damaligen Zeit zum Beispiel in der Medizin, zur Papierherstellung sowie zur Gerberei und Färberei von Bedeutung. Seine Gewinnung dauerte demnach bis fast in die Mitte des 19. Jahrhunderts an. Heute kann man Alaun auf künstliche Weise herstellen.
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Dass der Brennende Berg schon früh eine Art Touristenmagnet war, zeigt der Besuch einer hohen Herrschaft im Jahre 1770. Kein Geringerer als Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe stattete dem Phänomen, das heute als Naturdenkmal geschützt ist, damals einen Besuch ab. Über seine Eindrücke vor Ort schrieb er unter anderem: „Wir traten in eine Klamme und fanden uns in der Region des brennenden Berges. Ein starker Schwefelgeruch umzog uns; die eine Seite der Höhle war nahezu glühend, mit rötlichem, weißgebranntem Stein bedeckt; ein dicker Dampf stieg aus den Klunsen hervor und man fühlte die Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen.“
Führungen zum Brennenden Berg
1990 brachte man zur Erinnerung an den Goethe-Besuch vor Ort eine Plakette an. Wer jedoch auf seiner Tour eine Art Berg sucht, wird an dem Naturphänomen vermutlich vorbeilaufen. Denn tatsächlich ist der Brennende Berg eigentlich eine etwa 500 Meter lange Schlucht (mit Goethe „Klamme“) von bis zu 20 Metern Tiefe. Noch immer lässt sich hier vor Ort übrigens der schwefelhaltige Dampf beobachten, der aus der Erde emporsteigt. Dies soll besonders an Tagen mit feuchter Witterung gut zu beobachten sein. Auch der Austritt von durch das Feuer erwärmter Luft soll an manchen Felsspalten noch zu spüren sein. Als Naturdenkmal ist der Brennende Berg heute ein beliebtes Ausflugsziel.
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Bei der Stadt Saarbrücken gibt man sich dennoch überrascht ob der TRAVELBOOK-Anfrage zum Brennenden Berg: „Danach hat hier noch nie ein Tourist gefragt“, sagt eine Mitarbeiterin belustigt. Sie verweist dann aber an einen Einheimischen, der regelmäßig Führungen zu dem Naturwunder anbietet. Delf Slotta kennt den Ort wie seine Westentasche, sagt: „Ich habe mich irgendwann einfach in die Industriegeschichte meiner Heimat Saarland verliebt. Und dazu gehört eben auch der Brennende Berg.“ 2003 habe er sogar dabei geholfen, das Beschilderungs- und Wegesystem zu installieren, das Besucher heute dort hinleitet. Auf seiner Webseite kann man ab März 2026 auch wieder Führungen buchen.
Der Brennende Berg erinnert im Übrigen an eine ähnlich spektakuläre, aber sehr viel dramatischere Geschichte. Die der verlorenen US-Stadt Centralia. Auch hier geriet vor über 60 Jahren durch ein Feuer ein unterirdisches Kohleflöz in Brand, das bis heute schwelt. Die Auswirkungen auf Umwelt und Bewohner waren hier jedoch so heftig, das Centralia heute eine Geisterstadt ist. Durch die Hitze riss der Straßen-Asphalt auf, Krater bildeten sich im Erdboden und verschluckten einmal sogar fast einen Jungen. Durch die starke Bildung von Kohlenmonoxid wurde die Stadt, die einst 2000 Einwohner zählte, auf Dauer unbewohnbar. Das Feuer hier könnte noch 250 Jahre weiter brennen.