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Evakuierte Orte, Flugverkehr, Entschädigung

Was Urlauber nach dem Vulkanausbruch auf La Palma wissen sollten

Vulkanausbruch „Cumbre Vieja“ auf La Palma auf den Kanaren
Erstmal seit 50 Jahren ist an der Bergkette „Cumbre Vieja“ ein Vulkan ausgebrochen – Lavaströme fließen in Richtung umliegender DörferFoto: REUTERS/Borja Suarez

Der am 19. September erstmals auf der Kanaren-Insel La Palma ausgebrochene Vulkan kommt nicht zur Ruhe. Lavafontänen, Aschewolken, riesige Rauchsäulen: Mittlerweile wurden mehr als 6000 Menschen in Sicherheit gebracht und die Behörden rufen die Bevölkerung noch immer zu extremer Vorsicht auf. TRAVELBOOK weiß, worauf Urlauber jetzt achten sollten.

Auf der beliebten kanarischen Urlaubsinsel La Palma ist es an der Vulkankette „Cumbre Vieja“ erstmals seit 50 Jahren zu einem Ausbruch gekommen. Nach einer lauten Explosion riss am 19. September die Erde der Gebirgskette auf und die Krater spuckten Feuer und glühende Gesteinsbrocken. Hunderte Meter hoch schleuderte der Vulkan Lava in den Himmel. Seitdem fließen Lavaströme die Hänge hinunter Richtung Küste und setzen Häuser sowie Wälder in Brand. Zerstörte Häuser, Notunterkünfte, dramatische Folgen für die Landwirtschaft – die Auswirkungen des Vulkanausbruchs sind verheerend. Aber auch Touristen sind betroffen, gilt die kanarische Insel La Palma doch als beliebter Urlaubsort. TRAVELBOOK gibt einen Überblick, was Sie jetzt wissen sollten.

Die aktuelle Situation auf La Palma

Bereits am Tag des Vulkanausbruchs brachte man 5000 Menschen in Sicherheit und rund 500 Touristen in andere Hotels. War zunächst das Dorf El Paso besonders gefährdet, wurde bis zum Morgen des 21. Septembers das Viertel Tacande Alto geräumt, nachdem ein neuer Lavastrom aus einem anderen Riss am Hang der Vulkankette „Cumbre Vieja“ geflossen ist.

Und der Vulkan kommt noch immer nicht zur Ruhe: Am Donnerstag, den 23. September, spuckte er erneut Lava in den Himmel, während auf die umliegende Gegend ein giftiger Ascheregen niederging. Das Magma bahnte sich weiter seinen Weg Richtung Meer, wenn auch etwas langsamer als in den vergangenen Tagen. Auf seinem Weg hat es bereits etwa 300 Häuser sowie Schulen und Bananenplantagen zerstört.

Mittlerweile mussten mehr als 6000 Menschen der 80.000 Menschen, die auf der Insel leben, ihre Häuser verlassen, um der Glut zu entkommen, wie der staatliche Sender TVE berichtete. Die meisten wurden in Notunterkünfte und Kasernen gebracht – einige übernachten im Wohnmobil. Die Lage ist weiterhin dramatisch.

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Wichtige Informationen für Urlauber zum Vulkanausbruch auf La Palma

Es scheint, als gäbe es derzeit zwei Welten auf La Palma: Befindet sich die eine Seite der Insel im katastrophalen Ausnahme-Zustand, geht das Leben auf der anderen Seite normal weiter. In dem dünn besiedelten Gebiet um die Vulkankette „Cumbre Vieja“ sind zwar viele Häuser und Straßen gesperrt oder zerstört, andere Regionen auf La Palma sind jedoch kaum betroffen und ein Urlaub ist möglich. Trotzdem rät das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen nach La Palma ab.

Ist der Flugverkehr eingeschränkt?

Da der Flughafen auf La Palma an der Ostküste und die Vulkankette im Süden liegt, ist der Flugverkehr noch weitestgehend unbeeinträchtigt. Dennoch sollten sich Reisende informieren, ob ihr Flug stattfindet. Das Auswärtige Amt schließt nicht aus, dass der Flughafen auf La Palma doch schließen muss.

Kann eine bereits gebuchte Reise kostenfrei storniert werden?

Ob Urlauber eine Reise oder Flug kostenfrei stornieren können, hängt davon ab, ob es sich um eine Pauschal- oder eine Individualreise handelt.

Pauschalreise

Im Gespräch mit TRAVELBOOK erläutert Rechtsanwalt Jan Bartholl, dass ein Vulkanausbruch am Urlaubsort außergewöhnliche Umstände darstellt, die die Reise erheblich beeinträchtigen: „Reisende können daher kostenfrei von der Reisebuchung zurücktreten. Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, den vollständigen Reisepreis zu 100 Prozent „innerhalb von 14 Tagen nach dem Rücktritt zu erstatten.“ Das gilt jedoch nur, wenn der Urlaubsort im Süden der Insel La Palma liegt. Bartholl empfiehlt Urlaubern, ihre Reiseveranstalter zu kontaktieren und sich nach der Situation vor Ort zu erkundigen.

Auch der Zeitpunkt der Reise ist relevant: „Des Weiteren gilt die kostenfreie Stornierung nur, wenn der Urlaub unmittelbar bevorsteht. Wer erst in einigen Wochen oder Monaten anreist, muss die Entwicklung vor Ort abwarten“, so Jan Bartholl.

Individualreise

Organisieren Urlauber ihre Reise selbst, gelten andere Regel als bei der Pauschalreise, so Jan Bartholl zu TRAVELBOOK: „Individualreisende müssen sich nach dem jeweiligen Landesrecht richten. Danach richten sich die Kündigungsmöglichkeiten eines Beherbergungsvertrages bzw. Mietvertrages (Hotelbuchung). Flugbuchungen können nicht kostenfrei gekündigt werden, da der Flughafen vor Ort meines Wissens nach nicht beeinträchtigt ist und Flüge durchgeführt werden.“

Welche Regionen sind betroffen?

Auf der Seite des Auswärtigen Amtes heißt es: „Für Personen, die sich in Ortsteilen der Gemeinden El Paso, Los Llanos de Aridane, Mazo, Fuencaliente und Tazacorte aufhielten, wurde die Evakuierung angeordnet, da Lavaströme zahlreiche Straßen und Wege unpassierbar machen und die Gefahr besteht, eingeschlossen zu werden.“ 

Worauf muss vor Ort geachtet werden?

Die Behörden warnen die Menschen davor, ungewaschenes Obst und Gemüse zu essen: Wenn Lava ins Meer fließt, entstehen giftige Dämpfe. Es wird damit gerechnet, dass sich in den kommenden Stunden eine Schwefeldioxidwolke nach Osten über den Rest des Kanarischen Archipels in Richtung der iberischen Halbinsel und das Mittelmeer bewegt. Ausflüge in die Region der Vulkankette sind zu unterlassen: Die Gefahren sind zu groß und Behörden haben das Gebiet weiträumig abgeriegelt. Das Auswärtige Amt warnt vor erheblicher Waldbrandgefahr.

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Unklar ist, wie lange der Ausbruch dauert

Der seismologische Leiter des Nationalen Instituts für Geologie in Spanien, Itahiza Dominguez, teilte laut WELT dem Sender RTVC mit, dass noch nicht gesagt werden könne, wie lange die Eruptionen weitergehen. Frühere Eruptionen auf den Kanaren hätten aber Wochen oder sogar Monate gedauert, sagte er. Laut der „Global Times“ schätzt das vulkanische Institut „Involcan“, dass der Ausbruch noch mindestens 24 Tage, wenn nicht sogar 84 Tage dauern wird.

Die letzte Eruption auf La Palma fand im Jahr 1971 statt. Auch mit den früheren Ausbrüchen auf La Palma gingen stärkere Erdstöße einher.

Quellen: