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Evakuierte Orte, Flugverkehr, Entschädigung

Vulkanausbruch auf La Palma – was Urlauber jetzt wissen sollten

Vulkanausbruch „Cumbre Vieja“ auf La Palma auf den Kanaren
Erstmals seit 50 Jahren ist an der Bergkette „Cumbre Vieja“ ein Vulkan ausgebrochen – Lavaströme fließen in Richtung umliegender DörferFoto: REUTERS/Borja Suarez

Der auf La Palma ausgebrochene Vulkan kommt nicht zur Ruhe. Lavafontänen, Aschewolken, riesige Rauchsäulen: Seit über einem Monat wütet der Vulkan. Zahlreiche Orte mussten bereits evakuiert werden, nun bedroht der Lavastrom eine weitere Gemeinde. TRAVELBOOK gibt einen Überblick, was Sie jetzt wissen sollten.

Auf der kanarischen Urlaubsinsel La Palma ist es am 19. September an der Bergkette „Cumbre Vieja“ seit 50 Jahren erstmals wieder zu einem Vulkanausbruch gekommen. Seitdem spucken die Krater Feuer, glühende Gesteinsbrocken und schleudern Magma Hunderte Meter hoch in den Himmel. Lavaströme fließen die Hänge hinunter Richtung Küste und setzen Häuser sowie Wälder in Brand – Behörden warnen vor giftigen Dämpfen. Nachdem bereits fast 2000 Gebäude zerstört und mehr als 7000 Menschen evakuiert wurden, ist nun mit La Laguna eine weitere Gemeinde akut von der Lava bedroht.

Die aktuelle Situation auf La Palma

Zerstörte Häuser, Notunterkünfte, dramatische Folgen für die Landwirtschaft – die Auswirkungen des Vulkanausbruchs sind für La Palma verheerend. Ein Ende der Eruptionen und der zahlreichen Erdbeben mit Stärken bis zu 4,8 können die Vulkanologen nicht vorhersagen. Laut der „Global Times“ schätzte das vulkanische Institut „Involcan“, dass der Ausbruch noch einen Monat andauern könnte.

Welche Orte sind evakuiert worden?

Aktuell bedrohen die Lavaströme die Gemeinde La Laguna, berichtet der Spiegel unter Bezug auf den staatlichen Fernsehsender RTVE. Die Lava hat bereits eine Tankstelle und einen Supermarkt knapp außerhalb des Orts erfasst, wie Aufnahmen des Vulkanoligischen Instituts auf Twitter zeige. Strömt die Lava wie aktuell weiter, könnten Hunderte Häuser, eine Kirche und die Schule zerstört werden.

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Die etwa 1650 Bewohner La Lagunas waren bereits in der vergangenen Woche evakuiert worden. Weitere Regionen, die evakuiert wurden, sind: El Paso, Tacande Alto, Los Llanos de Aridane, Mazo, Fuencaliente und Tazacorte.

Worauf muss nach dem Vulkanausbruch auf La Palma geachtet werden?

Es scheint, als gäbe es nach dem Vulkanausbruch zwei Welten auf La Palma. Befindet sich eine Seite der Insel im katastrophalen Ausnahme-Zustand, geht das Leben auf der anderen Seite weitestgehend normal weiter. Trotzdem rät das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen nach La Palma ab.

Die lokalen Behörden warnen die Menschen davor, ungewaschenes Obst und Gemüse zu essen. Wenn über 1000 Grad heiße Lava in Meerwasser fließt, verdampfen Teile des Wassers sofort und es gibt zusätzliche chemische Reaktionen: Giftige Chlordämpfe, Salzsäuren und Glaspartikel können in die Luft gelangen. Deswegen gibt es immer wieder Warnungen und Ausgangssperren für unterschiedliche Regionen.

Zudem sollte man in den betroffenen Regionen wegen des Ascheregens und der Magma-Splitter nach Möglichkeit nicht ins Freie gehen. Es handelt sich beim „Ascheregen“ nicht um Asche, sondern um kleine Splitter erkalteten Magmas, die der Vulkan ausgespuckt hat und die sich auf der Haut wie kleine Nadelstiche anfühlen.

Sollte sich das jedoch nicht verhindern lassen, wird empfohlen, unter freiem Himmel eine Schutzbrille sowie eine FFP2-Maske tragen. Ausflüge in die Region der Vulkankette sind zu unterlassen: Die Gefahren sind zu groß und Behörden haben das Gebiet weiträumig abgeriegelt. Das Auswärtige Amt warnt vor erheblicher Waldbrandgefahr.

Immense Schäden

Die Lava zerstörte bereits Hunderte Häuser sowie weite Landstriche und giftige Asche regnete auf umliegende Gegenden. Mittlerweile mussten mehr als 7000 Menschen der 80.000 Menschen, die auf der Insel leben, ihre Häuser verlassen. Die meisten wurden in Notunterkünfte und Kasernen gebracht, einige übernachten im Wohnmobil.

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Kann eine bereits gebuchte Reise kostenfrei storniert werden?

Ob Urlauber eine Reise oder Flug kostenfrei stornieren können, hängt davon ab, ob es sich um eine Pauschal- oder eine Individualreise handelt.

Pauschalreise

Im Gespräch mit TRAVELBOOK erläutert Rechtsanwalt Jan Bartholl, dass ein Vulkanausbruch am Urlaubsort außergewöhnliche Umstände darstellt, die die Reise erheblich beeinträchtigen: „Reisende können daher kostenfrei von der Reisebuchung zurücktreten. Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, den vollständigen Reisepreis zu 100 Prozent „innerhalb von 14 Tagen nach dem Rücktritt zu erstatten.“ Das gilt jedoch nur, wenn der Urlaubsort im Süden der Insel La Palma liegt. Oder wenn die Reise aufgrund des geschlossenen Flughafens nicht angetreten werden kann. Bartholl empfiehlt Urlaubern, ihre Reiseveranstalter zu kontaktieren und sich nach der Situation vor Ort zu erkundigen.

Auch der Zeitpunkt der Reise ist relevant: „Des Weiteren gilt die kostenfreie Stornierung nur, wenn der Urlaub unmittelbar bevorsteht. Wer erst in einigen Wochen oder Monaten anreist, muss die Entwicklung vor Ort abwarten“, so Jan Bartholl.

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Individualreise

Organisieren Urlauber ihre Reise selbst, gelten andere Regel als bei der Pauschalreise, so Jan Bartholl zu TRAVELBOOK: „Individualreisende müssen sich nach dem jeweiligen Landesrecht richten. Danach richten sich die Kündigungsmöglichkeiten eines Beherbergungsvertrages bzw. Mietvertrages (Hotelbuchung).“