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Nahrungsmittelknappheit, Stromausfälle, Ausgangssperren...

Worauf Urlauber sich in Sri Lanka derzeit einstellen müssen

Sri Lanka
Die Wirtschaftskrise in Sri Lanka löst anhaltende Proteste und auch gewaltsame Unruhen ausFoto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Eranga Jayawardena

Sri Lanka im Indischen Ozean ist ein Urlaubsparadies. Der Sinharaja Regenwald, Bananen- und Teeplantagen, eine riesige Artenvielfalt, traumhafte Strände und eine Jahrtausende alte Kultur: All das hat die „Schöne Insel“, wie Sri Lanka übersetzt heißt, zu bieten. Aktuell steht der Inselstaat jedoch im Schatten der schweren Wirtschaftskrise, die sich auch auf den für das Land wichtigen Tourismus auswirkt. TRAVELBOOK hat mit Reise-Experten und Urlaubern gesprochen und weiß, was Urlauber jetzt bedenken müssen.

Stundenlange Stromausfälle und ein Mangel an Nahrungsmitteln sowie Medikamenten. Dazu anhaltende Proteste in der Hauptstadt Colombo, landesweite Ausgangssperren sowie knappes Benzin und Gas. Seit Wochen ist Sri Lanka im Krisenmodus. Das hoch verschuldete Land kann viele zu importierende Waren nicht bezahlen. Grund ist unter anderem eine starke Abwertung der Landeswährung, wodurch die Importe erheblich teurer wurden. Worauf Urlauber im krisengeschüttelten Sri Lanka jetzt achten müssen.

FAQ

Ich habe ein Touristen-Visum für Sri Lanka. Kann ich derzeit überhaupt einreisen?

Sie können einreisen. Die Regierung hat kein Einreiseverbot für Touristen ausgesprochen. Sie sollten sich jedoch bei Ihrer Unterkunft nach der Lage vor Ort erkundigen und abwägen, ob Sie die Reise antreten möchten. Kontaktieren Sie auch die für ihre Reise relevanten Transportunternehmen und fragen Sie, ob die Anbieter regulär operieren.

Zudem müssen Sie die Corona-Einreiseregeln und die Maßnahmen vor Ort beachten, die Sie auf der Seite des Auswärtigen Amts nachlesen können.

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Ist es aktuell sicher, in Sri Lanka Urlaub zu machen?

Zwar besteht keine Reisewarnung für Sri Lanka, dennoch mahnt das das Auswärtige Amt zur Vorsicht. Es könne jederzeit zu gewaltsamen Ausschreitungen kommen. Bei Unruhen können der Ausnahmezustand auch kurzfristig ausgerufen oder Ausgangssperren über die betroffenen Gebiete verhängt werden. Daher heißt es auf der Seite des Auswärtigen Amtes:

  • Informieren Sie sich über die lokalen Medien.
  • Meiden Sie Demonstrationen, politische Kundgebungen und größere Menschenansammlungen weiträumig.
  • Befolgen Sie Anweisungen von Sicherheitskräften.

Aufgrund der Anschläge auf Kirchen und Hotels in Colombo, Negombo sowie in Batticaloa am 21. April 2019 mit zahlreichen Todesopfer und Verletzten ist die Sicherheitslage laut Auswärtigem Amt noch immer angespannt und es bestehe noch immer die Gefahr von weiteren Terroranschlägen.

Ich möchte meinen gebuchten Urlaub nach Sri Lanka stornieren. Ist das möglich?

Ob Sie einen Sri-Lanka-Urlaub kostenfrei stornieren können, hängt zunächst davon ab, ob Sie eine Pauschal- oder eine Individualreise gebucht haben.

Pauschalreise

Im Gespräch mit TRAVELBOOK erläutert Rechtsanwalt Jan Bartholl, dass Reisende kostenfrei von der Reisebuchung zurücktreten können, „wenn am Bestimmungsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise erheblich beeinträchtigen“ (vgl. § 651 h Abs. 3 BGB). „Diese kostenfreie Stornierungsmöglichkeit gilt zur Zeit für Sri Lanka noch nicht“, so Jan Bartholl weiter. Daher rät er: „Am besten ist es, Reisende kontaktieren ihren Reiseveranstalter und fragen nach der Situation vor Ort in ihrem Zielgebiet in Sri Lanka.“

Individualreise

Organisieren Urlauber ihre Reise selbst, gelten andere Regel als bei der Pauschalreise, so Jan Bartholl zu TRAVELBOOK: „Individualreisende müssen sich nach dem jeweiligen Landesrecht richten. Danach richten sich die Kündigungsmöglichkeiten eines Beherbergungsvertrages bzw. Mietvertrages (Hotelbuchung).“

Ich möchte nach Sri Lanka reisen. Worauf muss ich achten?

Beachten Sie, dass eventuell verhängte Ausgangssperren auch ihre Flugzeiten betreffen können und Sie gegebenenfalls spontan umbuchen oder stornieren müssen. Stellen Sie sich auf Stromausfälle ein und rechnen Sie damit, dass Hotels aufgrund der Lebensmittelknappheit nicht den gewohnten Service bieten können oder dass die Fortbewegung vor Ort wegen der Treibstoff-Knappheit erschwert ist.

Mein Urlaub entspricht nicht den Erwartungen. Habe ich ein Recht auf Reisepreisminderung?

Stundenlange Stromausfälle und ein Mangel an Lebensmittel und Treibstoff. Einige touristische Unternehmen in Sri Lanka können trotz aller Bemühungen nicht den gewohnten Service bieten. In Bezug auf eine Entschädigung gilt es wieder, zwischen Individual- und Pauschalreise zu unterscheiden, wobei in beiden Fällen Verständnis für die Situation vor Ort aufgebracht werden sollte.

Pauschalreise

„Liegt eine Pauschalreise vor, haben Reisende einen Anspruch auf Reisepreisminderung für die Dauer der Beeinträchtigungen (Stromausfall, etc.), siehe § 615 m BGB“ erklärt Jan Bartholl. Und fährt fort: „Sind die Stromausfälle über die gesamte Reisedauer festzustellen, können Reisende im Einzelfall einen Anspruch auf Rückzahlung des gesamten Reisepreises plus Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit haben.“

Für Pauschalreisende schätzt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) die Lage gegenüber TRAVELBOOK ein: „Der Vorteil einer Pauschalreise ist, dass die Veranstalter sich um die Gäste kümmern, sie aktiv über die Entwicklungen informieren und in einem ständigen Austausch mit den Reiseleitern beziehungsweise mit den Verantwortlichen vor Ort stehen. Die Hotels der Veranstalter sind zudem zumeist an eine eigene Notstromversorgung angeschlossen. Sollte es zu Einschränkungen kommen, werden die Reiseprogramme – etwa Rundreisen – entsprechend angepasst. Bei weitreichenden Einschränkungen halten die Reiseveranstalter zwecks Rückreise oder Umbuchung Rücksprache mit den Kunden. Sicher ist: Für die Veranstalter hat die Sicherheit der Reisenden oberste Priorität. Auch im Falle von Ausgangssperren, die in die Rückreisezeit fallen, versucht der Veranstalter alles, damit die Gäste vorzeitig – und damit rechtzeitig – zum Flughafen gelangen und so ihre Heimreise antreten können.“

Individualreise

Im Gegensatz zu Pauschalreisenden können sich Individualreisende nicht auf § 651 m BGB berufen. Individualreisende müssen sich auch hier nach dem jeweiligen Landesrecht richten. Jan Bartholl weiß: „Für Individualreisende ist es weitaus schwieriger, Entschädigungen wegen erheblicher Beeinträchtigungen (Stromausfall, etc.) geltend zu machen und insbesondere durchzusetzen.“

Urlauber berichten aus Sri Lanka

Yannick Benthin ist zusammen mit seiner Partnerin, zwei Kindern und den Schwiegereltern einen Monat durch Sri Lanka gereist und seit Samstag, dem 2. April, wieder zurück. Tamara Bezold ist aktuell noch in Sri Lanka, in Kalutara, circa 40 Kilometer von Colombo entfernt. Beide haben mit uns gesprochen:

TRAVELBOOK: Haben Sie die Auswirkungen der Krise auf den Tourismus mitbekommen?
Yannick Benthin
: „Klar haben wir das mitbekommen. Lange Schlangen an den Tankstellen oder bei der Gasausgabe: Wir als Touristen hatten keinen Nachteil, außer dass sehr viele Restaurants geschlossen waren. Unsere Fahrten haben wir frühzeitig arrangiert. Wir wurden auch als Touristen an den Tankstellen vorgelassen, was wirklich sehr unangenehm für uns war.“
Tamara Bezold: „Die Lebensmittelknappheit haben wir bisher nicht mitbekommen – wir werden jederzeit gut versorgt. Im Hotel ist ungefähr zwei- bis dreimal am Tag Stromausfall, allerdings immer nur für wenige Sekunden. Das WLAN und vor allem die Sozialen Medien wurden kurzzeitig stark beschränkt. Im Hotel merkt man aber nicht viel – auf den Straßen ist das anders: Man sieht an den Tankstellen bis zu 200 Meter lange Schlangen und wir waren in Läden, in denen wir uns nur mit Taschenlampen bewegen konnten. Bei unserem Ausflug nach Kosgoda haben wir in den Abendstunden auch Proteste mitbekommen. Da war mir schon etwas unwohl, weil die Menschen mit Schildern und Fackeln auf der Straße standen. Unser Fahrer meinte aber, dass wir uns keine Sorgen machen müssen.“

TRAVELBOOK: Haben Sie Einschränkungen im Hotel erlebt und wie sind Sie damit umgegangen?
Yannick Benthin
: „Unsere Fahrer oder die Menschen in der Unterkunft haben uns informiert, wann der Stromausfall ist. Wir waren fast nur in kleinen Hotels – dementsprechend hatten wir auch kein Notstromaggregat. Wir hätten auf keinen Fall Preisminderung oder Erstattung verlangt: Den Leuten geht es nicht gut mit der Situation. Warum sollten wir noch anfangen, zu verhandeln? Wir sind damit gut zurechtgekommen. Lebensmittelknappheit haben wir gar nicht wahrgenommen und wir waren nur außerhalb essen.“
Tamara Bezold: „Ich fühle mich total wohl und würde mich auch bei stärkeren Einschränkungen nicht beschweren, da ich die Bevölkerung verstehen kann.“

TRAVELBOOK: Haben Sie sich sicher gefühlt?
Yannick Benthin: „Wir haben uns immer sicher gefühlt. Die Situation war auch eine schwierige für die Locals und wir können es verstehen, dass die Leute auf die Straße gehen.“
Tamara Bezold: „Abgesehen von den Protesten auf den Straßen fühle ich mich sicher. Das ist schon eine ungewohnte Situation, so viele wütende Menschen zu sehen – auch wenn das nicht gegen uns als Touristen geht.“

TRAVELBOOK: War Ihnen die Situation dort bewusst als Sie a) gebucht haben und b) bevor Sie losgereist seid?
Yannick Benthin: „Wir haben nur die Flüge gebucht. Zu dem Zeitpunkt wussten wir nichts von der aktuellen Lage. Wir haben erst kurz vor Abflug gelesen, dass einige Sachen knapp geworden sind – das hat uns aber nicht abgehalten. Wir haben die Leute als sehr dankbar wahrgenommen uns gegenüber und wir würden wieder nach Sri Lanka reisen.“
Tamara Bezold: „Mir war die Situation vor Abflug nicht bewusst. Dennoch: Unser Urlaub war super. Wir sind in der ersten Woche rumgereist, waren in Colombo, in den Teeplantagen zwischen Kandy und Nuwara Eliya und im Yala-Nationalpark. Höhlentempel, Tiere, Natur: Es war traumhaft! Und trotzdem würde ich bei einem anstehenden Urlaub wahrscheinlich aktuell abwarten, bis sich die Situation vor Ort beruhigt.“

Die aktuelle Lage in Sri Lanka

Die Regierung hat bereits die parlamentarische Mehrheit verloren. Nur einen Tag nach der Auflösung des Kabinetts erklärten am Dienstag, dem 5. April mindestens 41 Abgeordnete ihren Rückzug aus der Regierungskoalition. Gleichzeitig trat der neue Finanzminister Ali Sabry zurück – unmittelbar vor wichtigen Gesprächen mit dem Internationalen Währungsfonds über ein dringend benötigtes Kreditprogramm. Die Opposition fordert den Rücktritt von Präsident Gotabaya Rajapaksa und dessen Bruder, Ministerpräsident Mahinda Rajapaksa – beide sehen sich seit Wochen mit regelmäßigen Protesten konfrontiert, zum Teil begleitet von Gewalt.

Am Sonntag, dem 3. April, sind wenige Stunden nach Beginn einer landesweiten Ausgangssperre soziale Platformen im Internet blockiert worden. „Die Sperre der sozialen Medien ist vorübergehend und wurde wegen besonderer Anweisungen des Verteidigungsministeriums verhängt“, sagte der Chef der Kommission zur Regulierung der Telekommunikation, Jayantha de Silva, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Sie wurde im Interesse des Landes und der Bevölkerung verhängt, um die Ruhe aufrechtzuerhalten.“ In der Hauptstadt Colombo überwachten Soldaten mit Sturmgewehren und Kontrollposten der Polizei die Einhaltung der bis Montag, den 4. April, geltenden Ausgangssperre.

Mit Material von Reuters

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