Deutschlands schöne Insel im Check

Darum lohnt sich eine Reise nach Borkum auch im Winter

Kilometerlang sind die Strände von Borkum – und im Winter ziemlich leer. Im Vordergrund: die Stadt Borkum.
Foto: Getty Images

Borkum ist die westlichste deutsche Insel und liegt weit draußen in der Nordsee. Im Winter ist es dort ziemlich ruhig. Abwarten und Tee trinken ist aber das falsche Motto.

Kurz nach Sonnenaufgang sind über der Promenade von Borkum schon einige Möwen zu sehen. Und vor allem zu hören. Der eine oder andere steht oben an der Promenadenmauer und guckt auf die Nordsee. Und am Spülsaum, da wo die Wellen auf Land treffen, sind schon einige Spaziergänger unterwegs, die für den besonderen Moment des ersten Lichts an Borkums Strand früh aufgestanden sind.

Frühstück mit Nordsee-Blick

Oben in den Hotels in der ersten Reihe sitzen die meisten Gäste noch beim Ostfriesentee am Frühstückstisch. Im Idealfall können sie durchs Fenster auf die Nordsee schauen. Etliche der Häuser mit neoklassizistischer Fassade stammen aus Borkums touristischer Boomphase – im Deutschen Kaiserreich. Damals kamen die gut betuchten Gäste allerdings ausschließlich im Sommer.

Auch heute ist Deutschlands westlichste Insel vor allem für den Badeurlaub von Juni bis September gefragt. Aber die Zahl der Urlauber in der kalten Jahreszeit steigt.

Strandspaziergänge

Borkum lockt auch im Winter – zum Beispiel mit atmosphärischen Strandspaziergängen
Foto: Foto: Andreas Heimann/dpa-tmn

Insel der Walfänger

In der Zeit der Walfänger im 18. Jahrhundert war es auf Borkum im Frühjahr und Sommer eher ruhig. „Die Bevölkerung wuchs im Winter erheblich an“, sagt Gregor Ulsamer. Denn ein großer Teil der Männer ging im April an Bord eines Hamburger oder Amsterdamer Walfangschiffes, war dann monatelang im Nordpolarmeer unterwegs und im Herbst wieder zu Hause. Wenn alles gut ging.

Ulsamer ist Experte für die Inselgeschichte, die im Dykhus präsentiert wird, das einst einem Walfänger gehörte. Im Erdgeschoss des Inselmuseums ist das Skelett eines Pottwals ausgestellt. Borkum war die einzige ostfriesische Insel mit Walfangtradition.

Ihr widmet sich auch der Borkumer Walpfad. Er führt unter anderem zum Haus von Roelof Gerrits Meyer, der als erfolgreichster Kommandeur in holländischen Diensten fast 300 Grönlandwale gefangen hat. Kapitäne wie er brachten sich oft Walknochen mit nach Hause, um daraus Zäune zu bauen. Vor seinem Haus sind sie noch zu sehen.

Heimatmuseum

Pottwahl-Skelett im Heimatmuseum auf Borkum: Der Walfang hat die Geschichte der Insel geprägt
Foto: Foto: Nordseeheilbad Borkum GmbH/dpa-tmn

Seefahrt war auf Borkum immer wichtig

Mit Landwirtschaft hatten die Borkumer nie viel am Hut, mit Seefahrt umso mehr – auch lange nach der Zeit der Walfänger, die um 1800 zu Ende ging. In den Dünen stehen noch heute Seezeichen wie das Große Kaap, das Schiffen das Navigieren erleichtern sollte.

Zur neueren Seefahrtsgeschichte gehört das Feuerschiff „Borkumriff“. Bis 1988 lag es 30 Kilometer nordwestlich der Insel vor Anker in der Nordsee. „Es war ein schwimmender Leuchtturm“, sagt Klaas Weber, Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender des örtlichen Fördervereins. „Heute ist es ein technisches Kulturdenkmal, weitgehend im Originalzustand.“

Inzwischen ist die „Borkumriff“ eine Touristenattraktionen – auch im Winter. Besucher bekommen zumindest einen Eindruck, wie die Besatzung auf dem Feuerschiff gelebt hat. Regelmäßig sticht das Feuerschiff noch in See und fährt etwa zum Hafengeburtstag nach Hamburg.

Was macht Borkum zur schönsten Insel Deutschlands?

Kilometerlange Strände

Am späten Nachmittag wird es im Winter allerdings schnell stockdunkel. Die Strandsegler sind verschwunden, der Spielplatz an der Promenade verwaist. Dafür gehen dort die Lampen wieder an.

 

Das Lichtsignal des 60 Meter hohen Neuen Leuchtturms ist ebenfalls gut zu erkennen. Er steht seit 1879 auf einer Düne mitten im Ort. Borkum kennt aber keine Lichtverschmutzung. Bei klarem Himmel sind bald auch die Sterne über der Insel zu sehen.

Muschelsuche

Unterwegs auf Muschelsuche: Auch im Winter zieht es viele Urlauber auf Borkum ans Wasser
Foto: Andreas Heimann/dpa-tmn

Anreise nach Borkum

Mit dem Auto oder mit der Bahn bis Emden. Vom Außenhafen aus geht es per Fähre (135 Minuten) oder Katamaran (60 Minuten) auf die Insel und dann mit der Kleinbahn in den Ort. Man kann auch ab Emden fliegen. Im Winter sind Fähr- und Flugverbindungen eingeschränkt.

Borkum

Borkum ist die westlichste der deutschen Inseln – und liegt besonders weit draußen.