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Überblick

Rekord-Dürre in Südeuropa – so ist die Brand- und Wetterlage in beliebten Urlaubsländern

Waldbrände
Die Waldbrände in Portugal reißen nicht ab – im rund 35 Kilometer von Lissabon entfernten Marfa ist am 30. Juli ein weiteres Feuer ausgebrochenFoto: REUTERS

In Italien, Spanien, Portugal und anderen Ländern im Süden Europas ist aktuell Hauptreisezeit – doch stöhnen viele beliebte Urlaubsländer unter Trockenheit, Hitze und Waldbränden. Vielerorts ist die Lage mitunter lebensgefährlich, diverse Urlaubsorte wurden bereits evakuiert. Ein Überblick über die dramatischen Wetterextreme im Süden Europas.

Mit Baden-Württemberg und Bayern sind am Wochenende die letzten Bundesländer in die Sommerferien gestartet. Für viele heißt es daher gerade: Ab in den Urlaub! Doch Nachrichten über brennende Wälder wegen Trockenheit oder Hitzewellen in beliebten Reiseländern trüben die Urlaubsfreude. Während sich die Lage etwa in Spanien und Griechenland zwischenzeitlich entspannt hat, sieht es in Frankreich, Portugal und Italien weiter kritisch aus. Wie extrem ist die Dürre aktuell im Süden von Europa? Und worauf müssen sich Urlauber einstellen? TRAVELBOOK gibt einen Überblick.

Dürre und Waldbrände im Süden von Europa

Spanien und Portugal

Nach langen Hitzewellen und verheerenden Waldbränden erlebten die beiden Urlaubsländer zuletzt ruhigere Tage. Nun ist am Sonntagnachmittag in Portugal, nahe der Kleinstadt Marfa, erneut ein großes Feuer ausgebrochen, wie die Zivilschutzbehörde laut „Tagesschau“ mitteilte. Rund 400 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen, die jetzt wieder weitgehend unter Kontrolle seien, wie Marfas Bürgermeister, Helder Sousa Silva, erklärte. Laut Medienberichten sind in ganz Portugal derzeit noch acht Waldbrände aktiv. Seit Jahresbeginn sind nach vorläufigen Daten des Naturschutzinstituts ICNF bereits mehr als 58.000 Hektar Land durch die Flammen zerstört worden.

Für Spanien ist das Jahr 2022 bereits das verheerendste Waldbrand-Jahr seit Beginn der Erfassungen, berichtete der „Tagesspiegel“. Alleine in den ersten sieben Monaten dieses Jahres hätten die Flammen bereits mehr als 197.000 Hektar Wald zerstört, erklärte der staatliche TV-Sender RTVE laut „Tagesspiegel“. Durch die lang anhaltende Dürre ist die Landschaft auf Mallorca wie in ganz Spanien völlig ausgetrocknet – schon der kleinste Funke reicht, um verheerende Brände auszulösen. Daher sind Bevölkerung wie Touristen aufgerufen, höchste Vorsicht walten zu lassen.

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Frankreich

Auch in Frankreich sind erneut Feuer ausgebrochen – bei einem Brand im südostfranzösischen Département Gard wurden am Sonntag nach Angaben der Feuerwehr vier Einsatzkräfte verletzt, einer von ihnen schwer. Die Flammen konnten inzwischen gelöscht werden. Auch das Feuer nahe Marseille, das sich am Sonntag auf rund 35 Hektar ausgebreitet hatte, konnte mittlerweile wieder eingedämmt werden.

Die großen Feuer südlich von Bordeaux sind unter Kontrolle und die beliebte Wanderdüne Dune du Pilat ganz in der Nähe von einem der Brände soll wieder zugänglich sein. Vorsicht ist dennoch weiterhin geboten: Frankreich steht eine erneute Hitzewelle bevor. Für Montag, den 1. August, werden im Süden das Landes 35 bis 39 Grad erwartet. 

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Griechenland

Zu den aktuell am stärksten von der Dürre betroffenen Ländern in Europa zählt Griechenland. Dort herrschen Meteorologen zufolge noch mindestens bis Anfang August sehr hohe Temperaturen und Trockenheit. Örtlich kann das Thermometer auf über 40 Grad klettern. Das Waldbrandrisiko wird von der Feuerwehr aktuell in weiten Teilen des Landes als hoch bis sehr hoch eingeschätzt. Betroffen sind auch Urlaubsinseln – so brannte es zuletzt auf Lesbos, Kreta und Samos. In der südlichen Ägäis sind es vor allem die für die Jahreszeit typischen Winde, die Brandherde weiter anfachen und vorantreiben. Die Behörden rufen dazu auf, jegliches Hantieren mit Feuer, Glut und Funken im Freien zu unterlassen. Besteht akute Gefahr und muss etwa eine Ortschaft evakuiert werden, erhalten die Menschen eine Warn-SMS – auch Touristen aus dem Ausland, sofern sie über ein Smartphone verfügen.

Italien

Auch in Italien toben noch immer Waldbrände. Besonders betroffen ist die beliebte Urlaubsregion Friaul-Julisch Venetien im Norden des Landes. Laut der Behörden vor Ort sei die Lage mittlerweile jedoch zumindest entschärft. In den vergangenen Tagen mussten wegen der Brände immer wieder Teile der Autobahn A4 gesperrt werden und auch der regionale Bahnverkehr kam teilweise zum Erliegen.

In den Dolomiten warnten die Behörden vor neuen Gefahren an der Marmolata, wo bei einem Gletscherabbruch am 3. Juli elf Menschen ums Leben gekommen waren. Die Sperrzone am höchsten Berg der Dolomiten wurde ausgeweitet.

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Kroatien

Im Süden Kroatiens stand am Sonntag, dem 31. Juli, ein Kiefernwald nahe der Adriaküste und des beliebten Urlaubsortes Dubrovnik in Flammen. Der Brand konnte noch im Laufe des Sonntags gelöscht werden – ein Feuerwehrmann starb bei dem Einsatz.

Im beliebten Urlaubsland an der Adria ist es heiß und sehr trocken. An der Küste werden Temperaturen um die 33 Grad gemessen, den Prognosen zufolge soll es in den nächsten Tagen dabei bleiben. Wegen der anhaltenden Trockenheit besteht fast überall und immer Brandgefahr. Kleinere, lokale Brände bringen die Einsatzkräfte in der Regel rasch unter Kontrolle.

Slowenien

Mit seiner nur 46 Kilometer langen Adriaküste ist das Land am Alpensüdrand nicht nur eine Destination für Badegäste, sondern auch für Naturfreunde und Wanderer. Eines ihrer Zielgebiete, der slowenische Karst, war bis zum letzten Sonntag Schauplatz des wahrscheinlich schwersten Großbrandes in der Geschichte des Landes. Derzeit gehen die Einsatzkräfte noch gegen kleinere Restbrände vor. Grundsätzlich bereitet ihnen aber die anhaltende Trockenheit Sorge.

Dürre-Lage im Süden von Europa wird sich weiter verschärfen

Die Weltorganisation für Meteorologie warnte vor Kurzem, dass sich die Hitzewelle in weiten Teilen Europas ausbreite und verstärke. Einem UN-Bericht vom Februar 2022 zufolge werde die Zahl von extremen Waldbränden in den nächsten 28 Jahren wegen des vom Menschen verursachten Klimawandels um 30 Prozent zunehmen.

Auch eine Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ veröffentlicht wurde, zeichnet ein düsteres Bild. Sie besagt, dass Teile von Spanien und Portugal so trocken sind wie seit mehr als 1000 Jahren nicht mehr. Grund sei eine durch den Klimawandel ausgelöste Veränderung des Azoren-Hochdruckgebiets im Atlantik. Im Normalfall sorgt das Azorenhoch dafür, dass im Sommer heiße, trockene Luft nach Portugal und Spanien kommt und im Winter Niederschläge. Diese hätten sich jedoch im vergangenen Jahrhundert dramatisch reduziert, die Winter im westlichen Mittelmeerraum seien trockener geworden. Laut der Forscher seien „diese Veränderungen des nordatlantischen Klimas innerhalb des letzten Jahrtausends beispiellos“. Ursache sei eindeutig der menschengemachte Klimawandel.

Die Lage werde sich zudem noch verstärken. Laut den Forschern sollen die Niederschläge auf der Iberischen Halbinsel bis Ende des Jahrhunderts voraussichtlich um weitere zehn bis 20 Prozent sinken. Das hätte vor allem verheerende Folgen für die Landwirtschaft, die Weinanbaugebiete und die Olivenernte.

Mit Material von dpa und Reuters

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