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Bahn-Reisen trotz Lockdown – worauf sollte ich achten?

Bahnfahren während des Lockdown in Deutschland
In Deutschland gibt es wegen der Corona-Pandemie weiterhin einen Lockdown – was gilt derzeit für Bahnreisen?
Foto: dpa picture alliance

Nach den Lockerungen an den Weihnachtsfeiertagen gilt wieder der harte Lockdown. Das bedeutet auch, dass auf private Reisen verzichtet werden soll. Doch was gilt für alle, die dennoch mit der Bahn verreisen wollen oder müssen? Wie kann man sich im Zug am effektivsten vor Corona schützen? Und kann man ein Zugticket eigentlich noch stornieren? TRAVELBOOK hat die Antwort.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten in Deutschland weiterhin Reisebeschränkungen, von nicht notwendigen Reisen wird dringend abgeraten.

Zudem werden die Länder in Landkreisen mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern lokale Maßnahmen ergreifen „zur Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer um den Wohnort, sofern kein triftiger Grund vorliegt“, heißt es in dem Beschluss. Tagestouristische Ausflüge seien diesbezüglich „explizit“ kein triftiger Grund.

Weitere Informationen zu den aktuellen Maßnahmen in Deutschland finden Sie hier

Doch was gilt, wenn ich dennoch mit der Bahn verreisen möchte oder muss? TRAVELBOOK klärt die wichtigsten Fragen zum Bahnfahren während des Corona-Lockdowns.

Gibt es eine Reservierungspflicht?
Wie kann ich mich vor Corona schützen?
Gibt es mehr Züge?
Kann ich kostenlos stornieren?

Wie viele Sitzplätze sind aktuell bei der Bahn reservierbar?

Die Reservierbarkeit der Sitzplätze ist beschränkt. „Für die Wintermonate sind grundsätzlich nur noch alle Fensterplätze buchbar“, heißt es. Die Gangplätze würden im Reservierungssystem größtenteils geblockt und seien dann nicht mehr reservierbar.

In allen Zügen sei grundsätzlich nur noch ein Sitzplatz pro Doppelsitz reservierbar. Bei Sitzgruppen mit Tisch können nur noch die diagonal gegenüberliegenden Sitzplätze gebucht werden. In Abteilen mit sechs Sitzplätzen sind nur noch zwei Sitzplätze reservierbar. Für gemeinsam reisende Kunden sollen Bereiche vorgesehen werden, in denen auch nebeneinander liegende Sitzplätze reserviert werden können.

Eine Reservierungspflicht, mit der sich die Fahrgast-Verteilung im Zug möglicherweise besser steuern ließe, lehnt nicht nur die Deutsche Bahn ab. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie der Fahrgastverband Pro Bahn sind dagegen. Während die EVG vor allem auf die Mehrbelastung verweist, die eine solche Pflicht für die Zugbegleiter bedeute, will die Bahn vermeiden, dass Pendler ohne Reservierung auf den Regionalverkehr umsteigen und diesen zusätzlich belasten.

Wie kann ich mich auf der Bahnfahrt vor Corona schützen?

Nicht dann fahren, wenn alle fahren

Natürlich ist nicht jeder bei der Wahl eines Zuges flexibel. Aber eine großzügige Handhabung von Homeoffice-Arbeit macht es vielleicht doch möglich, Stoßzeiten zu meiden.

Bei der Wahl eines möglichst wenig frequentierten Zuges hilft die Auslastungsanzeige der Deutschen Bahn, die zum Beispiel auf der Bahn-Webseite für jede Verbindung abrufbar ist. Derzeit werden Züge bei einer Auslastung von 50 Prozent als voll eingestuft, erklärt Detlef Neuß, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, zu bedenken. Dann lässt sich online kein Ticket mehr buchen.

Auch wenn die Auslastungsanzeige vielleicht nicht immer optimal ist, können sich Reisende an ihr orientieren. „Man kann schon erkennen, ob ein Zug sehr voll sein wird oder eher nicht“, sagt Neuß – und dann kann man eventuell auf einen anderen Tag oder eine andere Uhrzeit ausweichen. Eine Reservierungspflicht gibt es bei der Bahn nicht.

Sich und andere mit einer Maske schützen

Trotz aller Bemühungen um einen leeren Zug und einen einsam gelegenen Platz kann es passieren, dass man am Ende doch in einem vollen Wagen sitzt. Dann hilft nur: konsequent Maske tragen.

Partikelfiltrierende Halbmasken (FFP2/FFP3) schützen Reisende am besten vor Aerosolen. Allerdings fällt mit diesen Masken das Atmen schwerer, was für manche Menschen auf mehrstündigen Zugfahrten quer durch Deutschland ein Problem sein kann. „Man sollte sich gut überlegen, welchen Typ Maske man wählt“, rät Pro-Bahn-Experte Neuß.

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Wie wird in der Bahn die Maskenpflicht kontrolliert?

Wie schon bisher, will die Bahn verstärkt kontrollieren, dass sich alle Fahrgäste an die Maskenpflicht halten. „In bis zu 50 Prozent aller Fernzüge sind Sicherheitsteams an Bord, die darauf achten“, sagte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.

Zusätzlich hat die Deutsche Bahn Ende 2020 mitgeteilt, dass man nun hart gegen Maskenverweigerer vorgehe. Gemäß der Eisenbahnverordnung könne ein Beförderungsausschluss „bei drohender Gefahr präventiv ausgesprochen werden“, erklärte ein Bahnsprecher „Welt am Sonntag“. Bei weiterer Weigerung werde man zukünftig zudem die Bundespolizei rufen und eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch stellen.

Muss die Bahn bei einem Verbot von touristischen Reisen Zugtickets erstatten?

Die klare Antwort: Nein. Rechtsanwalt Jan Bartholl erklärt TRAVELBOOK: „Grundsätzlich gilt, dass die Bahn keinen touristischen, sondern einen Beförderungsvertrag hat. Das heißt: Wenn das Ziel Ihrer Reise wegfällt, die Bahn aber Ihren Teil, nämlich die Beförderung, trotzdem ermöglicht, ist sie nicht dazu verpflichtet, den Ticketpreis zu erstatten.“

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Welche Stornierungsregelungen gelten wegen Corona aktuell bei der Deutschen Bahn?

Bislang wurden trotz der neuen Beschränkungen die geltenden Fahrgastrechte in Bezug auf Corona nicht angepasst. Das heißt, aktuell gelten folgende Regeln:

Flexpreise und Sparpreise bei der Deutschen Bahn

Sowohl die Flexpreise als auch die Sparpreise sind im Rahmen der regulären Tarifkonditionen stornierbar. Sparpreis-Tickets sind bis zum ersten Geltungstag gegen eine Gebühr von 10 Euro stornierbar, Flextickets können bis zum ersten Geltungstag kostenlos storniert werden. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn teilte TRAVELBOOK mit: „Wir empfehlen seit dem Frühjahr aktiv die Buchung eines stornierbaren Angebots.“

Super-Sparpreise bei der Deutschen Bahn

Bei den Super-Sparpreisen ist die Stornierung ausgeschlossen. „Darauf weisen wir im Buchungsprozess – etwa auf bahn.de – explizit hin“, teilte die Bahn TRAVELBOOK mit.

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Welche Stornierungsregeln gelten bei Flixtrain?

Bei Flixtrain können alle Tickets storniert werden. Bei einer Stornierung von mehr als 30 Tagen vor Abfahrt fällt keine Gebühr an. Ansonsten hängt die Höhe der Gebühr davon ab, wie viele Tage vor der Fahrt die Buchung storniert werden soll. Bei Stornierungen zwischen 14 und 29 Tagen vor Abfahrt zahlen Kunden 1 Euro, bei Stornierungen zwischen 3 und 13 Tagen vor Abfahrt 3 Euro und bei Stornierungen weniger als 3 Tage vor Abfahrt 5 Euro.

Kunden, die ihr Ticket stornieren, erhalten von Flixtrain einen Gutschein.