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Sauftourismus an der Playa de Palma

„Sie steigen schon besoffen aus den Fliegern, kotzen auf die Straße“  

Bierkönig Sauftourismus Playa de Palma
Der Sauftourismus an der Playa de Palma ist zurück: Hier vergnügt sich das Partyvolk im Bierkönig Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Augst / Eibner-Pressefoto

Ein Zeichen gegen den Sauftourismus: Die Verantwortlichen der Initiative Palma Beach setzen sich für Qualitätstourismus an der Playa de Palma auf Mallorca ein. Noch im Mai rechneten die Unternehmer mit einer beständigen Aufwertung. Nun erklären sie diese für gescheitert. Die Sauftouristen sind zurück und feiern, als gäbe es kein Morgen mehr.

Die Playa de Palma: Der sechs Kilometer lange Strand ist seit Jahrzehnten „berühmt“ für den Sauftourismus. Unzählige Bars, Hotels und Diskotheken reihen sich hier aneinander. Und mittendrin „thront“ der berühmte Balneario 6, besser bekannt als Ballermann.

Zwischen Oberbayern, Megapark und Bierkönig feiern Partytouristen exzessiv. Der angestrebte Imagewandel der Inselregierung, die kürzlich eingeführten Benimmregeln und Maßnahmen scheinen nicht zu wirken. Partytouristen, die betrunken und grölend durch die Straße ziehen – alles scheint beim Alten.

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„Die Saison ist gelaufen“

„Der Sauftourismus ist zurück, die Saison ist gelaufen“. Das beklagten der Präsident von Palma Beach, Juan Miguel Ferrer, und sein Geschäftsführer Pedro Marín laut „Mallorca Magazin“. Die Partytouristen haben wieder übernommen: „Sie steigen schon besoffen aus den Fliegern, grölen herum, kotzen auf die Straße und wecken mit ihren von Straßenhändlern gekauften Megaphonen ganze Wohnblocks auf”, so beide weiter.

Die Urlauber buchten in der Regel zehn Tage im Voraus und blieben etwa drei oder vier Nächte. Dabei würden sie pro Tag nur 30 bis 40 Euro ausgeben, das meiste für Alkohol, klagte Ferrer gegenüber „Última Hora“. Zum Teil lassen Urlauber ihre volltrunkenen Freunde einfach auf der Straße liegen.

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Das sagen die Urlauber

„Das war echt nicht schön, „Nur Sauferei“ oder „Besser als vor Corona“ heißt es in den Kommentaren zu einem Post in der Facebook-Gruppe „El Arenal Ballermann Mallorca“. In dem Beitrag vom 14. Juni fragte ein User, wie es den Urlaubern dieses Jahr an der Playa de Palma gefällt.

„Dieses Jahr war es extrem. Betrunkene, die in Horden lauthals rumgegrölt haben, teilweise kotzend, einer, der sich dafür hat feiern lassen, vor allen ins Meer gepinkelt zu haben, und Müll, wohin man auch geschaut hat“, äußerte ein Urlauber seinen Unmut bei Facebook. Andere wiederum feiern den Partytourismus: „Die Stimmung, die Menschen – es ist einfach ausgelassener denn je“, schreibt ein User.

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Im Megapark feiern die Partytouristen wie vor Corona-Zeiten – laut der Unternehmer von Palma Beach ist der Sauftourismus sogar noch schlimmer als vor der Pandemie

Geltende Maßnahmen und Benimmregeln

Doch all das Chaos wollte man ja eigentlich vermeiden. Seit den letzten Jahren strebt die Inselregierung zunehmend einen Imagewandel an: Mallorca soll weg vom Party-Image und hin zu mehr hochwertigem Tourismus. Dafür wurde bereits eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt. So dürfen etwa All-Inclusive-Hotels schon seit zwei Jahren nicht mehr unbegrenzt Alkohol ausschenken, und das Trinken ist nur noch in Lokalen erlaubt, nicht aber am Strand und auf der Straße. Nachdem auch bereits Sangria-Eimer verboten wurden und strenge Raucher-Regeln galten, gibt es nun weitere Benimmregeln:

Wie unter anderem mdr.de berichtete, dürfen Besucher nicht mehr barfuß in die Lokale gelassen werden. Feiern mit nacktem Oberkörper ist ebenfalls nicht mehr erlaubt. Auch dürfen Personen, die bereits zu betrunken erscheinen, von den Lokalen abgewiesen werden – der Drogenkonsum in den Partylokalen ist streng verboten. Zudem wollen die Lokalbetreiber in Zukunft ein besonderes Augenmerk auf die Tätowierungen ihrer Gäste legen. Enthalten Tattoos rassistische oder rechtsradikale Symbole, kann der Einlass verwehrt werden. Weiter sind Megafone, Kostüme und Sex in der Öffentlichkeit, im Auto und am Hotelfenster verboten – genau wie Wildpinkeln, Anpöbeln, aufblasbare Sexpuppen, das Anbieten von Massagen am Strand oder Handtücher mit anzüglichen Bildern.

Auf die Regeln hat sich ein Verband der Lokale geeinigt: Asociación Balear de Ocio y Entretenimiento, kurz Abone. Dazu zählen laut „Mallorca Magazin“ Lokale zwischen Can Pastilla und S’Arenal. Viele davon werden hauptsächlich von deutschen Touristen besucht, zum Beispiel Bamboleo, Rutschbahn, Megapark, Showarena, Bierkönig, Las Palmeras, Oberbayern und Bolero. Das Regelwerk soll zur kommenden Saison greifen.

Härteres Eingreifen der Polizei gefordert

Was läuft also schief, dass trotz Maßnahmen und Benimmregeln der Sauftourismus boomt? Vor Ort ist man sich einig. Die Polizei müsse die strengeren Regeln auf den Straßen schlicht durchsetzen. „Wer gegen die Benimmregeln verstößt, sollte direkt vor Ort zur Kasse gebeten werden. Im Zweifel sollen ihn die Beamten bis an den Geldautomaten begleiten“, fordert Ferrer.

Vor einigen Wochen hatte sich Ferrer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur noch optimistisch geäußert. Corona habe wie ein Katalysator für die eigenen Bemühungen gewirkt und einen neuen Typ Urlauber angezogen. Dieser wolle Dinge wie gutes Essen mit lokalen Produkten und einen umweltfreundlichen Nahverkehr.

Diese positive Entwicklung sei leider mit dem 10. Mai zu Ende gegangen. „Kaum waren die großen Partytempel wieder geöffnet, wurde dieser neue Typ Urlauber vom alten Feierpublikum verdrängt“, bedauert Ferrer.

Mit Material von dpa

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