29. September 2026, 10:09 Uhr |
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Verspätete oder gestrichene Flüge sorgen weiterhin für Frust bei Reisenden. Wer eine Entschädigung geltend machen will, benötigt oft Geduld: Häufig vergehen mehrere Monate, bis Airlines zahlen. Zwar ist die Zahl der Klagen in Deutschland erstmals seit fünf Jahren gesunken. Doch für die Gerichte bleibt die Belastung hoch.
Weniger Verfahren an deutschen Flughäfen
An den Amtsgerichten der 20 größten deutschen Flughafenstandorte wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr als 53.000 Klagen wegen verspäteter oder stornierter Flüge registriert. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch knapp 66.000 Verfahren. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf eine Auswertung des Deutschen Richterbunds.
Die meisten Klagen entfielen auf das Amtsgericht Köln mit rund 12.600 Verfahren. Dahinter folgen Frankfurt/Main mit etwa 8300 Fällen sowie das Amtsgericht Königs Wusterhausen, das für den Flughafen Berlin Brandenburg zuständig ist, mit rund 8100 Verfahren.
Richterbund sieht weiterhin hohe Belastung
Trotz des Rückgangs sieht der Deutsche Richterbund keinen Anlass zur Entwarnung. Nach Angaben des Verbands liegt die Zahl der Verfahren noch immer etwa doppelt so hoch wie 2021.
Richterbund-Geschäftsführer Sven Rebehn sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Sollte sich die Entwicklung aus dem ersten Halbjahr fortsetzen, muss die Justiz 2026 erneut mehr als 100.000 Fluggastklagen bewältigen.“
Für betroffene Passagiere bedeutet das weiterhin lange Wartezeiten. Nach Angaben im Bericht müssen Fluggäste im Durchschnitt vier bis fünf Monate auf eine Entschädigung warten. In strittigen Fällen kann sich die Bearbeitung sogar auf bis zu zehn Monate verlängern. Viele dieser Fälle landen schließlich vor Gericht.
Um die Gerichte zu entlasten, fordert der Richterbund einen stärkeren Einsatz von künstlicher Intelligenz. Zwar werden an einigen Standorten bereits KI-Anwendungen genutzt, nach Einschätzung des Verbands fehlt bislang jedoch eine flächendeckend einsetzbare Lösung, die die Bearbeitung deutlich beschleunigt.
Am Amtsgericht Frankfurt/Main wurde mit „FraUKe“ der „Frankfurter Urteils-Konfigurator elektronisch“ entwickelt. Das System unterstützt Richter bei Fluggastrechteverfahren, indem es etwa Flugdaten aus Klageschriften ausliest und auf Grundlage richterlicher Vorgaben Formulierungsvorschläge für Tatbestand und Urteilsbegründung erstellt. Die Entscheidung trifft weiterhin der Richter.
Systeme in Frankfurt und am BER im Einsatz
Auch am Amtsgericht Königs Wusterhausen kommt seit Februar 2025 mit „KAI“ eine spezielle KI-Anwendung zum Einsatz. Sie analysiert Massenverfahren aus dem Fluggastrecht und soll relevante Informationen schneller verfügbar machen.
Wie auch in Frankfurt/Main ersetzt die Software weder die juristische Prüfung noch die Entscheidung durch den zuständigen Richter. Sie dient ausschließlich als Unterstützung bei der Bearbeitung der zahlreichen Verfahren.
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