13. September 2025, 7:26 Uhr | Lesezeit: 11 Minuten
Wenn man an Australien denkt, dann wohl zuerst an: das ganze Jahr Sonnenschein, giftige Tiere überall – und Surfen bis zum Gehtnichtmehr. Dass viele solcher Vorstellungen nur einem Klischee entsprechen, könnte so einige überraschen. Unsere Autorin Delia Krumhaar lebte für acht Monate in Down Under und weiß, worauf es ankommt, um den Aufenthalt am anderen Ende der Welt so reibungslos wie möglich zu gestalten. Manche dieser Empfehlungen und Warnungen könnten dabei überraschen oder sogar zum Schmunzeln anregen. Welche hilfreichen Tipps es gibt und was Sie besser vermeiden sollten – das erfahren Sie hier.
Australien ist eines der beliebtesten Reiseziele weltweit. Ob endlose Traumstrände, Nationalparks voller einzigartiger Tiere und Pflanzen, hippe Städte, das wüstenartige Outback oder das faszinierende Great Barrier Reef – hier warten unvergessliche Erlebnisse. Durch die enorme Entfernung bleibt Down Under für viele ein Traum, während andere es bereits als Fernreiseziel auf der Liste haben. Wer nach Natur, Freiheit und Abenteuer sucht, ist hier goldrichtig – sollte jedoch einiges beachten. TRAVELBOOK deckt 13 Dinge auf, die Reisende in Australien unbedingt vermeiden sollten.
Übersicht
- 1. Mit stets sommerlichen Temperaturen rechnen
- 2. Keinen vernünftigen Sonnenschutz auftragen
- 3. Paranoia vor giftigen Tieren haben
- 4. Ohne Ticket in die öffentlichen Verkehrsmittel steigen
- 5. Die Legende des „Drop Bears“ glauben
- 6. Das Outback unterschätzen
- 7. Surfen oder Schwimmen, ohne auf Warnschilder zu achten
- 8. Kängurus für (nur) niedlich halten
- 9. Lebensmittel bei der Einreise einführen
- 10. Entfernungen für überschaubar halten
- 11. Kostenlos grillen wollen – ohne Manieren zu zeigen
- 12. Vegemite kritisieren
- 13. Alles zu wörtlich nehmen
1. Mit stets sommerlichen Temperaturen rechnen
Australien und Winter? Der Kontinent bietet sommerliche Temperaturen das ganze Jahr über – denken zumindest viele. Das ist jedoch ein Irrtum, denn auch hier gibt es Jahreszeiten. Diese sind, durch die Lage auf der Südhalbkugel, nur umgekehrt zu unseren europäischen: Der Sommer geht von Dezember bis Februar und der Winter von Juni bis August. Hohe Temperaturen das ganze Jahr über bieten zumindest aber die Gebiete im Norden Australiens, wie Queensland oder Northern Territory. Hier herrscht im Winter sogar Trockenzeit mit Durchschnittstemperaturen von 25 Grad.
Melbourne wiederum liegt ganz im Süden von Australien. Hier sinken die Durchschnittstemperaturen vom Sommer (25 bis 30 Grad) stark zum Winter (6 bis 15 Grad). Das ist zwar nicht so kalt wie der deutsche Winter, dennoch sind die australischen Gebäude nicht auf tiefe Temperaturen ausgelegt, weshalb es selbst drinnen kühl sein kann. In der Umgebung von Melbourne ist es im Winter sogar möglich, Ski zu fahren!
2. Keinen vernünftigen Sonnenschutz auftragen
Wer denkt, dass die australische Sonne mit unserer Strahlung zu vergleichen ist, liegt falsch – denn in Australien ist die UV-Strahlung vergleichsweise enorm hoch. Dies liegt vor allem an der dünneren Ozonschicht über der Südhalbkugel. Daher wird sogar in den Geschäften und Supermärkten ausschließlich Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor 50 verkauft. Das macht auch Sinn, denn seinen restlichen Aufenthalt in Australien mit Sonnenbrand zu verbringen, macht keinem Urlauber Spaß und sollte vermieden werden.
3. Paranoia vor giftigen Tieren haben
Und jetzt ein Satz, den ich vor meinem Aufenthalt wohl am häufigsten gehört habe: Du gehst nach Australien? Würde ich niemals – bei all den giftigen Tieren!
Zugegeben: Diese Denkweise wird durchweg weitergegeben. Dass die Wirklichkeit allerdings anders aussieht, könnte verblüffend erscheinen. Denn während meines ganzen Aufenthaltes, der auch einige Reisen, Wandertouren und Camping-Übernachtungen einschloss, habe ich genau ein Mal eine große Spinne gesehen. Und diese hing relativ harmlos in einem Netz bei einer Wanderung durch den Regenwald. Gerade in den australischen Städten fehlt von den angeblich gefährlichen Tieren jegliche Spur – wer in ländlichere Regionen geht, könnte da schon von anderen Erfahrungen berichten. In der Realität beheimatet Australien zwar einige der giftigsten Tiere der Welt, diese sind aber scheu und meiden sowohl im Wasser als auch an Land die Menschen – zumindest im Regelfall. Außerdem sind sie oft nachtaktiv und leben in spezifischen Habitaten. Kritische Begegnungen sind zudem saisonabhängig, beispielsweise mit Quallen.
Was meine persönlichen Eindrücke angeht, habe ich die Tierwelt ganz im Gegenteil wahrgenommen: faszinierend. Schon beim Ankommen in Australien hört man Vogellaute, die einen wissen lassen: Hier herrscht ein besonderes Ökosystem.
4. Ohne Ticket in die öffentlichen Verkehrsmittel steigen
Gerade in Australien ist das Verhältnis von Ticket- zu Strafpreis deutlich größer, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Der Preis für eine Fahrt selbst variiert erheblich zwischen den Bundesstaaten und fängt bei ungefähr 30 Cent in Queensland an, geht aber bis zu 3 Euro in Victoria und New South Wales. Wer sich ohne Ticket erwischen lässt, muss allerdings eine hohe Buße zahlen, denn diese beträgt umgerechnet zwischen 110 und 220 Euro. Damit ist die Strafe vier bis sechs Mal teurer als in Deutschland und wirklich abschreckend für jeden Backpacker oder Touristen!
5. Die Legende des „Drop Bears“ glauben
Die Geschichte des „Drop Bears“ (deutsch: „Fallbär“) ist wohl die absurdeste, die in Australien kursiert. Stellen Sie sich einen kleinen, süßen Koala vor, der in Eukalyptusbäumen hängt. Er ist harmlos, schläft die meiste Zeit des Tages und ernährt sich von Eukalyptusblättern. Jetzt öffnet er plötzlich gefährlich sein Maul und fletscht die Zähne. Dabei ist er groß wie ein Leopard und Fleischfresser. Besonders gerne hält er Ausschau nach Menschen mit ausländischem Akzent, um sich dann von den Bäumen auf die Beute fallen zu lassen und sie mit seinen scharfen Krallen anzugreifen.
Klingt beängstigend? Diese Vorstellung ist in Wirklichkeit nur eine fiktive Geschichte eines Fabelwesens, die Australier gerne erzählen, um Touristen abzuschrecken und sich über sie lustig zu machen. Laut „National Geographic“ gab es während der Eiszeit tatsächlich den
„Beutellöwen“, einen fleischfressenden Verwandten des Koalas, der jedoch nichts mit der Legende des „Drop Bears“ zu tun hatte. Dieser Mythos entstand erst im 20. Jahrhundert. Vor den Drop Bears sollte man sich also in Australien nicht fürchten müssen – vor den Märchen erzählenden Australiern allerdings schon.
6. Das Outback unterschätzen
Das australische Outback macht stolze 70 Prozent der Landesfläche aus und ist praktisch unbewohnt. Etwa 85 bis 90 Prozent der Menschen dort leben nämlich in Städten. Das Outback besteht aus einer Mischung aus Wüsten- und Halbwüstengebieten mit Übergängen zu Busch- und Grasland. Wer das Landesinnere Australiens bereisen möchte, sollte so einiges beachten und sich gut vorbereiten:
- Hitze und Temperaturschwankungen: Da es sich um eine Wüstenlandschaft handelt, steigen die Temperaturen hier gerade im Sommer auf bis zu 50 Grad an. Nachts kühlt es kaum ab und bleibt bei ungefähr 30 Grad. Auf ausreichend Wasser und Versorgung sollte daher geachtet werden. Im Winter dagegen sind die Temperaturen tagsüber oft noch bei bis zu 25 Grad, nachts kühlt es aber stark ab auf bis zu 0 Grad.
- Tanken: Tankstellen im Outback können oft hunderte Kilometer auseinanderliegen. Wer nicht früh genug nachfüllt oder keinen Reservekanister dabeihat, bleibt wortwörtlich in der Wildnis stecken.
- Handynetz: Schon wenige Kilometer außerhalb der Städte gibt es keinen Handyempfang mehr. Zur Orientierung auf längeren Routen benötigt man daher ein Satellitentelefon oder UHF-Funkgerät.
7. Surfen oder Schwimmen, ohne auf Warnschilder zu achten
Australien hat so einige paradiesische Strände, die zum Schwimmen und Surfen einladen. Allerdings sollte man darauf achten, sich am Strand möglichst bei überwachten Schwimmbereichen aufzuhalten, die durch Fahnen gekennzeichnet sind. Sonst können einige Gefahren drohen, wie die sogenannten Rip-Strömungen. Diese starken Brandungsrückströme können einen ins offene Meer ziehen. Auch Haie, Krokodile oder Quallen können je nach Saison eine Gefahr darstellen. Es ist daher wichtig, immer auf umliegende Schilder zu achten und sich im Vorfeld zu informieren. Die australischen Behörden legen dabei hohen Wert auf Schutz im Wasser und informieren online über die Sicherheit an Stränden.
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8. Kängurus für (nur) niedlich halten
Obwohl das Klischee der giftigen Tiere, die an jeder Ecke lauern, übertrieben ist, sind in Australien auch die scheinbar harmlosen Tiere nicht zu unterschätzen. Zu den bekanntesten Tieren zählen die Kängurus. Sie wirken zwar friedlich und süß – einige können aber bis zu 1,80 Meter groß werden! Gerade die Männchen kämpfen mit Tritten und Boxschlägen, weshalb man ihnen nicht zu nahe kommen sollte. Für den Autoverkehr stellen sie eine noch größere Gefahr dar, weil sie bei Dämmerung und in der Nacht aktiv werden. Auch Wombats, welche in Australien und Tasmanien leben, sind eine Gefahr im Verkehr. Die pummeligen Bärchen sind robuster, als man denken könnte – daher überleben sie Autounfälle häufiger als Kängurus und verursachen erheblichen Schaden am Auto.
Dass „Drop Bears“ nur ein Mythos sind, wissen wir jetzt. Koalas sind von ihrer Natur aus eher zurückgezogen, passiv und ungefährlich. Trotzdem sollte man sie nicht reizen, da sie bei Bedrohung schon mal beißen können – und dabei auch Krankheiten, wie Chlamydien, übertragen.
9. Lebensmittel bei der Einreise einführen
Richtig gehört – wer in Australien landet und einreist, muss die strengen Regeln zur Einfuhr von Essen einhalten. Damit will die australische Regierung die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt schützen und vor Schädlingen, Krankheiten oder invasiven Arten bewahren. Vor allem unverarbeitete, tierische und pflanzliche Produkte wie Obst, Fleisch und Nüsse sind verboten oder müssen deklariert werden. Ansonsten drohen hohe Strafen. Die australische Grenzschutzbehörde gibt Auskunft darüber, welche Lebensmittel erlaubt sind und welche nicht.
10. Entfernungen für überschaubar halten
Australien ist mit seinen rund 7,7 Millionen Quadratkilometern das sechstgrößte Land der Welt und ganze 21 Mal größer als Deutschland. Nur ein kleiner Teil der Landesfläche – nämlich gerade einmal rund 2 bis 3 Prozent – ist bewohnt, was dazu führt, dass zwischen den Städten mitunter große Entfernungen herrschen, welche leicht unterschätzt werden können. Wer also einen Roadtrip plant, sollte sich auf lange Fahrten einstellen. Natürlich hat Down Under einiges an Schönheit zu bieten, weshalb sich auch während der Strecken sehenswerte Stellen offenbaren. Wer zum Beispiel „mal eben“ von Melbourne nach Sydney fährt, ist stolze 9 bis 10 Stunden unterwegs.
11. Kostenlos grillen wollen – ohne Manieren zu zeigen
Ja, richtig gehört: Australien bietet in Parks und an Stränden kostenlose, elektrische Barbecue-Platten im Freien! Diese sind sehr beliebt und werden sogar von der Stadtverwaltung gereinigt und gewartet. Luxus pur! Aber das heißt noch lange nicht, dass man sich vollkommen zurücklehnen darf. Denn auf eine grob saubere Platte ohne Essensreste sollte dennoch geachtet werden. Es sollte auch vermieden werden, die Grillplatten in Australien stundenlang zu blockieren, wenn die nächsten Gruppen schon warten. Ansonsten: Guten Appetit!
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12. Vegemite kritisieren
Vegemite ist eine typisch australische, dunkle und streichfähige Paste, die einen sehr starken, salzigen und leicht bitteren Umami-Geschmack hat. Sie wird oft als intensive Geschmackserfahrung beschrieben. Vor allem Außenstehende sind überrascht über den außergewöhnlichen Geschmack, der sich stark von süßen Brotaufstrichen unterscheidet. Für Australier ist dieser Aufstrich aber quasi Teil der nationalen Identität, und wer ihn verurteilt, tritt in das Klischee des ahnungslosen Touristen. Der erste Fehler passiert oft schon beim Bestreichen – denn hier reicht eine hauchdünne Schicht für eine Toastscheibe mit Butter. Auf keinen Fall sollte das mit einer dicken Nutella-Schicht verglichen werden. Zumindest, wenn man auf den Würgereiz verzichten möchte.
13. Alles zu wörtlich nehmen
Der Aussie-Humor ist extrem trocken und sarkastisch. Australier sind sehr entspannte Menschen, die ein Talent dafür haben, Witze über alles zu machen. Gerne trifft es hierbei auch die ahnungslosen Touristen, die falsche Vorstellungen von Australien haben. Mit einem
„Hey Mate, wassup?“ ist man aber nie verkehrt. Wer also nicht alles zu ernst nimmt, wird mit Sicherheit eine unvergessliche Zeit in Down Under haben!