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Wallfahrtsstätte in Murcia

Caravaca de la Cruz – Spaniens Pilgerort, den kaum jemand kennt

Ausblick von der Real Basílica de la Vera Cruz auf Caravaca de la Cruz – die Stadt feiert 2017 ein Heiliges Jahr
Ausblick von der Real Basílica de la Vera Cruz auf Caravaca de la Cruz – die Stadt feiert 2017 ein Heiliges JahrFoto: dpa Picture-Alliance

Den Jakobsweg kennt jeder. Hierzulande kaum bekannt ist hingegen der spanische Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz. Und 2017 feiert er sogar ein Heiliges Jahr.

Seit Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ pilgern jährlich nicht mehr nur tausende Christen zum Pilgern auf den Jakobsweg, sondern auch mehr und mehr unreligiöse Menschen, die Ruhe und Meditation suchen. Doch gerade, weil der Pfad so beliebt ist, hat er an Anziehungskraft verloren.

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Nur fünf Pilgerorte weltweit dürfen ein heiliges Jahr feiern

Die mittelalterliche Kleinstadt in der südspanischen Mittelmeerregion Murcia gehört neben Jerusalem, Santo Toribio de Liébana, Rom und Santiago de Compostela zu den einzigen fünf Pilgerorten der Welt, die ein Heiliges Jahr feiern dürfen. Pilgert man in solch einem Jahr mit mindestens zwei anderen Menschen zu der Relique des Pilgerorts, werden einem alle Sünden erlassen. Erst 1998 erhielt die Ortschaft Caravaca von Papst Johannes Paul II. das Privileg, ab 2003 alle sieben Jahre ein solches Jahr auszurufen – 2017 ist es wieder so weit.

Ein Blutstropfen des heiliggesprochenen Papst Johannes Paul II. in der El-Salvador-Kirche ist der neueste Reliquien-Zugang in Caravaca de la Cruz
Ein Blutstropfen des heiliggesprochenen Papst Johannes Paul II. in der El-Salvador-Kirche ist der neueste Reliquien-Zugang in Caravaca de la Cruz. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmnFoto: Manuel Meyer/dpa-tmn

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„Obwohl Caravaca unter den heiligen Stätten des Christentums noch eine Art Newcomer ist, gehen die Ursprünge als Wallfahrtsort auf das 13. Jahrhundert zurück, als ein Holzstück des Jesus-Kreuzes in die Stadt gelangte“, erklärt Priester Emilio Andrés Sánchez Espin. Er ist Rektor der Real Basílica de la Vera Cruz, in der heute die Reliquie aufbewahrt wird, die die Stadt zum Pilgerort gemacht hat.

Das Reliquien-Kreuz von Caravaca de la Cruz
Das Reliquien-Kreuz von Caravaca de la Cruz. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmnFoto: Manuel Meyer/dpa-tmn

Wie Caravaca de la Cruz zum Pilgerort wurde

Wie der erste Holzsplitter im 13. Jahrhundert nach Caravaca kam, ist nicht ganz klar. Eine irdische Version besagt, der damalige Bischof von Jerusalem habe das Kreuz 1231 nach Caravaca gebracht. Der religiösen Legende nach gelangte das Kreuz jedoch in jenem Jahr durch ein Wunder auf die maurische Festung, wo heute hoch über der Stadt die barocke Basilika thront.

Anlaufpunkt nicht nur im Heiligen Jahr: die Real Basílica de la Vera Cruz
Anlaufpunkt nicht nur im Heiligen Jahr: die Real Basílica de la Vera Cruz. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmnFoto: Manuel Meyer/dpa-tmn

Damals herrschte noch der muslimische König Abu-Zeid im Süden Spaniens. Er forderte den gefangenen Priester Chirinos auf, ihm eine christliche Messe zu zeigen. Ohne das Symbol des Heiligen Kreuzes könne er dies nicht machen, entgegnete Chirinos dem maurischen Herrscher. In diesem Moment sollen zwei Engel vom Himmel herabgestiegen sein, um ihm das Lignum Crucis zu geben. Von der wunderbaren Erscheinung überwältigt, ließ sich Abu-Zeid taufen und konvertierte zum Christentum. Tatsache ist: Die Nachricht über die Heilige Reliquie verbreitete sich in Windeseile. Schon wenige Jahre später besetzten die Tempelritter Caravaca, um das Kreuz vor den muslimischen Feinden zu schützen.

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Attraktion für Kulturtouristen: Caravaca de la Cruz hat seinem berühmten Weinpferde-Fest sogar ein Museum gewidmet
Attraktion für Kulturtouristen: Caravaca de la Cruz hat seinem berühmten Weinpferde-Fest sogar ein Museum gewidmet. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmnFoto: Manuel Meyer/dpa-tmn

Nur wenige Pilger zieht es nach Caravaca

Die meisten Touristen kommen im Mai nach Caravaca, um das über 600 Jahre alte Weinpferde-Fest und das Mauren-und-Christen-Fest zu sehen, bei dem die alten Religionsschlachten nachgespielt werden. Doch nur wenige tausend echte Pilger verirren sich jährlich nach Caravaca. Massenaufläufe wie in Santiago de Compostela sind hier selbst im Heiligen Jahr nicht zu erwarten. Priester Sánchez Espin holt zu den Pilgermessen sogar die Reliquie aus dem Schrein, damit jeder Gläubige sie küssen kann, so gering ist der Andrang noch.

Die Landschaft in Südspanien ist oft von kargen Felsen, rotem Sand und Olivenbäumen geprägt
Die Landschaft in Südspanien ist oft von kargen Felsen, rotem Sand und Olivenbäumen geprägt. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmnFoto: Manuel Meyer/dpa-tmn

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Bis zu neun Pilgerwege sollen neu erschlossen werden

Die Pilgerrouten zur Basilica sind zahlreich, aber noch wenig gekennzeichnet: Um Caravaca als Pilgerort attraktiver zu machen, sollen in den kommenden Jahren bis zu neun verschiedene Pilgerrouten in der Region Murcia wieder gekennzeichnet werden. Darunter ist der 900 Kilometer lange Camino de la Vera Cruz, der Weg zum Wahren Kreuz, der in Nordspanien bei Roncesvalles vom Jakobsweg abzweigt und bis tief in den Süden nach Caravaca führt.

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Eine Alternative ist der Camino del Levante, der über 120 Kilometer von Orihuela nach Caravaca verläuft. D

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In einem Kloster in Mula sind Jesus-Reliquien ausgestellt

Ein obligatorischer Stopp für alle Pilger und Reliquien-Touristen ist Mula. Im Kloster de la Encarnación hüten die Ordensschwestern neben einem Splitter des Jesus-Kreuzes, einer Kordel, mit der Christus ans Kreuz gebunden wurde, und einem Stein vom Kreuzigungsort sogar einen Dorn von der Dornenkrone Jesu.

Ein Dorn von der Dornenkrone Jesu und andere Reliquien gibt es im Kloster de la Encarnación in Mula zu sehen
Ein Dorn von der Dornenkrone Jesu und andere Reliquien gibt es im Kloster de la Encarnación in Mula zu sehen. Foto: Manuel Meyer/dpa-tmnFoto: Manuel Meyer/dpa-tmn

Bis vor Kurzem zeigten die Schwestern ihren Schatz nur ein einziges Mal im Jahr. Doch mit dem Heiligen Jahr konnte man die Nonnen überzeugen, die Reliquien permanent für die Caravaca-Pilger auszustellen. Vielleicht darf sich ja auch Mula schon bald in die Liste der Heiligen Stätten einreihen.

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