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Thomas Mack im TRAVELBOOK-Interview

Europa-Park-Chef: »Die Menschen sehnen sich immer mehr nach echten Erlebnissen

Europa-Park Interview
Europa-Park-Chef Thomas Mack über neue Highlights, persönliche Tipps und die Zukunft der Freizeitparks Foto: Europa-Park GmbH & Co Mack KG
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Sarah Bachmann
Volontärin

4. November 2025, 15:01 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Freizeitparks sind längst mehr als Orte für Achterbahnen – das zeigt der Europa-Park in Rust. Deutschlands größter Freizeitpark wird in achter Generation von der Familie Mack geführt und feiert 2025 sein 50-jähriges Jubiläum. Thomas Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Parks, verrät im Gespräch mit TRAVELBOOK, warum Freizeitparks heute echte Reisedestinationen sind, wie sich der Park ständig verändert und was Gäste beim nächsten Besuch nicht verpassen sollten.

TRAVELBOOK: Herr Mack, der Europa-Park ist der größte Freizeitpark Deutschlands, hat unzählige Attraktionen, Themenwelten und Shows. Wenn Sie selbst einen Tag inkognito hier verbringen könnten, wo würde man Sie am ehesten finden?  

Thomas Mack: „Inkognito unterwegs zu sein, ist mittlerweile echt schwierig geworden. Was ich wahnsinnig genieße, ist, abends mit dem Hund durch den Park zu laufen. Wenn keine Gäste mehr da sind, ist das ein unheimlich magischer Ort. Wir sind alle im Park groß geworden, da kommen viele Kindheitserinnerungen hoch, und das genieße ich am meisten. Abends bin ich außerdem gerne in unseren Hotels, eigentlich in allen. Es gibt wunderschöne Bars und Restaurants. Eine besonders tolle Bar ist die Bar Buena Vista Club im Castillo Alcazar, von dort hat man einen Blick über alle anderen Hotels im Park.“ 

Ihre Familie wird oft als „die deutschen Disneys“ bezeichnet – können Sie mit diesem Vergleich etwas anfangen?

„Disney war in den 70er-Jahren ein großes Vorbild für uns. Wir kommen ja aus dem klassischen Achterbahn- und Wagenbau, haben in den 1780ern angefangen und sind mittlerweile die achte Generation im Familienunternehmen. Das heißt, wir hatten schon immer einen engen Bezug zu Schaustellern und Zirkusleuten. Mein Vater und Großvater waren damals bei Walt Disney, um eine Achterbahn zu verkaufen – auf dem Heimweg entstand die Idee, nach diesem Vorbild einen eigenen Freizeitpark zu bauen. Insofern ist der Vergleich ein schöner.

Wir sind aber natürlich einen anderen Weg gegangen: Wir haben zuerst den Freizeitpark gebaut und bringen jetzt zum Beispiel einen eigenen Kinofilm heraus. Disney kam aus der Filmbranche und hat dann den Themenpark gebaut. Heute ist natürlich vieles anders. Disney ist inzwischen ein großer Konzern, ein Multiplayer mit mehreren Parks an verschiedenen Standorten. Wir dagegen konzentrieren uns auf unseren Standort hier.“

»Unser Fokus liegt immer auf der Familie

Viele sehen den Europa-Park ja nicht nur als Freizeitpark, sondern auch als Kurzurlaub. Was macht den Europa-Park für Sie zu einer echten Destination?  

„Ich versuche immer wieder bewusst zu machen, dass wir deutlich mehr sind als nur ein Freizeitpark. Der Park ist ohne Frage ein wichtiges Zugpferd, aber mittlerweile haben wir mit unseren Hotels das größte Hotelresort Deutschlands und sind der umsatzstärkste Gastronomiebetrieb des Landes an einem Standort. Wir bieten weit mehr als nur Achterbahnfahren. Deshalb bin ich überzeugt, dass unser Angebot inzwischen so groß und vielfältig ist, dass wir zu einer echten Kurzreisedestination geworden sind. 

Das ist auch meine Vision, dass die Gäste noch länger bei uns bleiben. Mit der Wasserwelt ‚Rulantica‘ haben wir einen zweiten Park geschaffen, der ganzjährig geöffnet ist. Und mit dem ‚Ammolite‘ haben wir als einziger Freizeitpark weltweit ein Zwei-Sterne-Restaurant. Außerdem bieten wir mit ‚Eatrenalin‘ ein neuartiges, multisensorisches Restauranterlebnis. Mit ‚Traumatica‘ (Horror-Event, Anm. d. Red.) haben wir ein komplett anderes Format, eher für die junge oder jung gebliebene Zielgruppe, nicht für Kinder. So versuchen wir, jeden in der Familie abzuholen. Unser Fokus liegt immer auf der Familie – die Enkelin soll genauso Spaß haben wie der Opa oder der Teenager. Das war auch unserem Großvater immer wichtig: dass die Balance stimmt. Wenn eine große Achterbahn gebaut wurde, konnte man davon ausgehen, dass im nächsten Jahr wieder in Kinder- und Familienattraktionen investiert wurde.“

»Am besten ist es, wenn man hier eine Nacht verbringt

Gibt es Ecken oder Erlebnisse im Park, die Sie als echte Geheimtipps bezeichnen würden – gerade für alle, die zum ersten Mal hier sind? 

„Das ist wie die Frage: Was essen Sie am liebsten? Tatsächlich würde ich empfehlen, eine Nacht zu bleiben und auch die Themenhotels mitzunehmen. Man taucht einfach in eine andere Welt ein, wenn man abends in einem thematisierten Hotel übernachtet.

Natürlich lohnt es sich auch, einfach nur durch den Park zu spazieren. Vielleicht am ersten Tag ein bisschen die Stimmung aufsaugen oder erst ein paar Bahnen fahren und dann genießen. Man kann bei uns Europa nicht nur architektonisch, sondern auch kulinarisch erleben – also sich einfach mal durchprobieren. Ich bin auch ein riesiger Fan unserer Shows. Wir haben über 300 Künstler im Europa-Park, das heißt, es wird überall etwas geboten. Es gibt unter anderem Eisshows, eine Rittershow und eine große Parade. Am besten ist es wirklich, wenn man hier eine Nacht verbringt. Das Angebot ist einfach so groß, dass man sonst zu wenig Zeit hat. Wer den Menschenmassen ein bisschen entgehen möchte, sollte den Park antizyklisch erleben – also vielleicht im hinteren Bereich starten, etwas früher Mittag essen und dann zur Mittagszeit wieder mehr Zeit für die Attraktionen haben.“

Europa-Park
TRAVELBOOK-Autorin Sarah Bachmann war im Europa-Park vor Ort Foto: TRAVELBOOK

Was sollten Besucher beim nächsten Mal im Park auf keinen Fall verpassen? 

 „Im nächsten Jahr eröffnen wir den neuen Themenbereich Monaco – dort ist allerdings keine neue Attraktion geplant, stattdessen entsteht typisch monegassisches Flair. Letztes Jahr haben wir mit ’Voltron Nevera‘ unsere neueste Achterbahn eröffnet, die unglaublich erfolgreich gestartet ist. Momentan bauen wir außerdem mit der Riverside Western Lodge ein Gästehaus mit 119 Zimmern, das wir im nächsten Jahr eröffnen – in der Silver Lake City. Dort wird die Westernstraße komplettiert. Das ist ein tolles Areal geworden, unter anderem mit eigener Brauerei, Gastronomie, mehreren Restaurants, Blockhütten und eben dieser neuen Unterkunft, die wir im nächsten Jahr eröffnen. Auch im Bereich der Attraktionen haben wir noch einiges vor. Mit Sally, der Koch- und Back-Influencerin, haben wir eine Kooperation – da starten wir im kommenden Jahr ein neues gastronomisches Angebot.“

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»Je digitaler unsere Welt wird, desto mehr sehnen sich die Menschen nach echten Erlebnissen

Glauben Sie persönlich, dass Freizeitparks in Zukunft noch stärker das klassische Reisen ersetzen können?  

„Ich glaube, es wird immer eine Kombination sein. Wir bieten Europa an einem Tag – nicht das echte Europa, sondern ein Abbild, die Atmosphäre der unterschiedlichen Länder. Das versuchen wir so authentisch wie möglich umzusetzen: mit Küche, Kultur und Folkloregruppen. Wir möchten, dass es sich so echt wie möglich anfühlt. Aber ich würde nicht sagen, dass das eine echte Reise ersetzt. Es ist vielmehr ein Zusatzangebot. Ich glaube, wir konkurrieren tatsächlich eher mit Kurzreisedestinationen – also weniger mit anderen Freizeitparks, sondern eher mit der Kurzreise nach Mallorca oder dorthin, wo die nächste Airline hinfliegt.  

Ich bin aber überzeugt, dass Freizeitparks eine große Zukunft haben. Je digitaler unsere Welt wird, desto mehr sehnen sich die Menschen nach echten Erlebnissen als Familie. Es gibt nichts Schöneres, als den Vater auf der Achterbahn leicht ängstlich zu sehen oder die Oma, die Freudentränen in den Augen hat, weil es dem Enkel auf der Traktorfahrt so gut gefällt. Diese emotionale Verbundenheit, die Freizeitparks schaffen, und dieses Mehrgenerationen-Erlebnis, das ist etwas ganz Besonderes. Viele Erwachsene, die als Kinder schon hier waren, kommen heute mit ihren eigenen Kindern zurück.“ 

»Irgendwann ist auch die physische Größe des Parks erreicht

Der Europa-Park wächst seit Jahren – gibt es irgendwann eine Grenze? Oder soll wirklich einmal ganz Europa im Park abgebildet sein? 

„Das Gute ist ja, dass Europa in den letzten Jahren immer größer geworden ist. Wir haben mittlerweile 17 europäische Themenbereiche, und der 18. ist schon in Planung beziehungsweise im Bau. Nächstes Jahr werden wir Monaco eröffnen – zur Eröffnung wird auch Prinz Albert II. dabei sein. Ich finde Osteuropa sehr spannend. Dort sind wir bisher noch relativ wenig vertreten. Kroatien haben wir ja bereits gebaut, aber Länder wie Polen oder Tschechien könnten interessant sein. Das Schöne ist, dass wir den Europa-Park nach und nach weiterentwickeln. Auf der anderen Seite muss man sagen: Irgendwann ist natürlich auch die physische Größe des Parks erreicht. Ganz Europa werden wir wahrscheinlich nicht abbilden können.“

Welches Reiseziel inspiriert Sie persönlich – auch mit Blick auf neue Ideen für den Europa-Park? 

„Ich liebe Reisen – ich finde Reisen extrem spannend. Ich bin auch niemand, der einfach entspannt liegen kann, da bin ich ganz schlecht drin. Jede Reise ist für mich eine Gelegenheit, etwas über das Land, die Menschen und die Kultur zu lernen. Ich liebe authentisches Essen. Italien ist vielleicht mein Lieblingsland, dort bin ich oft. Aber ich finde auch Asien unglaublich spannend, da würde ich gerne noch öfter hin. Generell freue ich mich immer, neue Destinationen kennenzulernen. Ich bin nicht jemand, der immer ins gleiche Hotel oder ins gleiche Land fährt, sondern schaue bewusst, wo ich noch nicht war. So suchen wir uns auch unsere Reiseziele aus. Natürlich ist Europa für uns als Europa-Park eine wichtige Destination. Aber gerade, was Foodtrends angeht, lerne ich auf Reisen weltweit sehr viel und versuche, das dann im Park zu implementieren.“

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