Tiere sollen hier fast 1000 Menschen getötet haben

Ramree Island – Myanmars Insel des Grauens

Ramree Island vor Myanmar
Auf Ramree Island vor Myanmar passierte 1945 eine Tragödie, die später als „das größte an Menschen verübte Unglück durch Tiere“ ins Guinnessbuch der Rekorde einging
Foto: Maps4News

Aus Kriegen kennt man diese grausamen Geschichten, in denen sich Menschen gegenseitig abschlachten, ganze Hundertschaften massakrieren, auslöschen bis auf den letzten Mann. Auch diese Geschichte von Ramree Island vor Myanmar beginnt zunächst wie eine dieser furchtbaren Kriegsgeschichten. Nur sind es am Ende keine Menschen, die das Massaker anrichteten.

Februar 1945. Eine landnahe Insel vor Myanmar, das damals Burma hieß und im 19. Jahrhundert unter britische Herrschaft gefallen war. Im Zweiten Weltkrieg hatten jedoch die Japaner das Land okkupiert und natürlich auch die strategisch günstige Insel besetzt: mit 1200 Soldaten und einem kleinen Militärflughafen – und zwar bis zu jenem verhängnisvollen 19. Februar.

An diesem Tag gelang britischen und indischen Truppen, die Besatzer einzukreisen: Aus Osten und vom Festland aus rückten sie immer näher – die Ramree-Inseln als Startpunkt der Rückeroberung Burmas erlangten damit historische Bedeutung – und den einzigen Ausweg, den die kapitulationsunwilligen Japaner in dieser Situation sahen, führte: des nachts durch die Mangrovensümpfe.

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Das Massaker von Ramree: Von 1000 Japanern überlebten nur 20

16 Kilometer lang war die Strecke bis zum Strand. Doch von den etwa 1000 Japanern überlebten den Trip gerade einmal 20. Der Grund: In den Sümpfen lauerten neben zahlreichen Moskitoschwärmen, Kettenvipern und giftigen Skorpionen – Hundertschaften hungriger Leistenkrokodile. Indische Soldaten berichteten von markerschütternden Schreien der Japaner und dem lauten Klatschen der Krokodilschwänze auf dem Wasser.

Als „Massacre of Ramree“ ging der Vorfall in die britische Militärgeschichte ein. Das Guinessbuch der Rekorde notierte ihn als „größtes Desaster, was Tiere unter Menschen jemals angerichtet haben“. Und Zoologen verweisen in dem Zusammenhang gern auf die wohl zuweilen unterschätzte Gefährlichkeit des Salzwasserkrokodils, das übrigens auch liebevoll „Saltie“ genannt wird und dessen Verbreitungsgebiet von Ostindien über Südostasien bis nach Nordaustralien reicht und die gesamte ozeanische Inselwelt umfasst.

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Leistenkrokodil springt aus dem Wasser

Männliche Leistenkrokodile werde bis zu 5,2 Meter lang, die Weibchen bis 3,40 Meter
Foto: Getty Images

Allerdings: So mancher bezweifelt den Wahrheitsgehalt der Geschichte aus Ramree Island und verbannt sie ins Reich der modernen Mythen („urban myth“). Schließlich gebe es keinen wirklichen Nachweis für die Historizität des Vorfalls: weder eine Notiz in den britischen Militärberichten noch verifizierte Aussagen lokaler Zeitzeugen.

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Heute fließen über Ramree Öl und Gas nach China

Wie dem auch sei, ein spannender Ort ist Ramree Island auch so. Nicht nur, weil Touristiker hier an den Stränden reichlich Potential für ein kommendes Urlaubsparadies sehen (noch aber sind Ausländer so selten, dass sie von den Einheimischen neugierig bestaunt werden), sondern auch, weil wieder einmal andere Mächte die Insel für ihre Zwecke nutzen. Die Chinesen sind es diesmal. Und es geht um Öl und Gas.

Denn auf Ramree Island wurde ein Tiefwasserhafen gebaut und Pipelines verlegt, über die die Rohstoffe nach China transportiert werden. Das hat die gesamte Inselstruktur verändert. Die Böden wurden unbrauchbar für die Landwirtschaft, Abwässer vergifteten Fische und Pflanzen – und der größte Feind des Menschen war einmal mehr: der Mensch selbst.

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