4. November 2025, 6:53 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Forest City in Malaysia sollte einst eigentlich eine Vorzeigestadt der Zukunft werden, in der bis zu 700.000 Menschen in der Nähe des Stadtstaates Singapur ein Zuhause finden würden. 2014 mit großen Ambitionen und Milliarden-Budgets gestartet, ist von dem Traum heute allerdings nicht mehr viel übrig. Und nicht nur die Investitionen stocken, auch Umweltschützer kritisieren das Mega-Projekt als ökologischen Albtraum. TRAVELBOOK stellt die skurrile Geisterstadt vor.
Wer die offizielle Website der Stadt Forest City besucht, sieht vor allem eines: Hochglanzbilder und Visionen einer Stadt von morgen für die Menschen von heute. Auf einer Fläche von 14 Quadratkilometern mit vier künstlich vom Meer abgerungenen Inseln sollte sie Heimat für bis zu 700.000 Menschen werden. Erbaut wurde Forest City mit einem Milliardenbudget von Chinas größtem Immobilienentwickler und einer vom malaysischen Staat unterstützten Firma, in die sogar der heutige König des Landes investierte. Vom Mega-Projekt, das 2014 noch ambitioniert begann, ist heute nicht mehr viel übrig. Forest City ist mittlerweile quasi eine Geisterstadt.
Der Traum von einer grünen Metropole mit Internationaler Schule, zwei Golfplätzen, Büros, Restaurants und Luxus-Appartements scheint gescheitert. Gerade einmal etwa 20.000 Menschen leben laut „ARD“ aktuell in Forest City, viele der vertikal begrünten Wolkenkratzer stehen nahezu vollständig leer. Dabei schien das 100-Milliarden-Dollar-Projekt anfangs durchaus ein Erfolg zu werden. Täglich kamen mehr als ein Dutzend Busladungen von potenziellen Investoren an, die Mehrzahl von ihnen aus China. Hochklassige Hotels sollten betuchte Touristen beherbergen, der Kauf einer Wohnung galt gar als sichere Investition in eine bessere Zukunft.
Krise und Pandemie als Show-Stopper
Doch bereits 2017 kam das Mega-Projekt Forest City ins Stocken, als der chinesische Staat per Gesetz den Geldfluss ins Ausland beschnitt. Dadurch kam auch der Strom von Devisen in den Ausbau der Stadt zum Erliegen. Auch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Reisebeschränkungen lähmten laut der asiatischen Nachrichtenseite „CNA“ das Interesse. Zudem drohte der ehemalige malaysische Premierminister Mahathir Mohamad ausländischen Käufern mit erschwerten Visa-Bedingungen. Ursprünglich wollte er sogar den Kauf von Immobilien durch Investoren aus dem Ausland ganz unterbinden.
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Die ersten Käufer verspekulierten sich so mit ihren vermeintlichen Traum-Immobilien als Wertanlage und verloren mitunter hunderttausende von Dollar. Heute kommen viele Besucher nur, weil Forest City eine zollfreie Zone ist, in der man günstig einkaufen kann. Da sich das auch auf alkoholische Produkte bezieht, ist die Stadt aber auch zu einem zweifelhaften Mekka für Trinker geworden. Und aufgrund der wenigen Menschen, die dort leben, auch zu einem beliebten Treffpunkt für Menschen aus dem nahen Singapur mit ihren Affären.
97 Prozent an Wert verloren
Und auch als Kulisse für Film und Fernsehen diente die Geisterstadt Forest City bereits. So drehte Netflix dort die Reality-Serie „Der Maulwurf“. Chinas größter Immobilienentwickler steckte 2024 aber in einer Krise, der Handel mit den Aktien der Firma war sogar vorübergehend ausgesetzt. Sie hat aktuell 97 Prozent ihres ursprünglichen Wertes eingebüßt. Und auch Umweltschützer kritisieren das Mega-Projekt, sprechen in der „ARD“ von einem „Gotham City“. Denn für die erste von ursprünglich vier Inseln, die geplant waren, zerstörte man im Südchinesischen Meer große Areale von Seegraswiesen. Und damit die Brutstätten für viele Arten von Fischen und Meeresfrüchten.
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Aktuell gibt es dennoch wieder zarte Hoffnungen, dass sich das Mega-Projekt Forest City erholen könnte. Im Januar 2025 wurde die Sonderwirtschaftszone Johor-Singapur eingerichtet, die den Handel zwischen Malaysia und dem Stadtstaat ankurbeln soll. Das könnte dazu führen, dass sich mehr Menschen zum Arbeiten in der Region Johor niederlassen, zu der eben auch die momentane Geisterstadt gehört. Der Plan könnte auch beinhalten, Forest City dank eines Steuersatzes von null Prozent zu einem Paradies für Unternehmen und wohlhabende Privatiers zu machen. Dort gelten schon jetzt dank einer weiteren Sonderregelung lockere Bedingungen für Firmen und Finanzregulierungen.
Ein Problem: Momentan sind die Quadratmeterpreise in Forest City trotz der Krise für viele Einheimische viel zu hoch. Die chinesischen Käufer, die 70 Prozent der bislang verkauften Flächen in der Stadt erwarben, haben aktuell scheinbar das Interesse an dem Projekt als Investment verloren. Von den geplanten vier Inseln ist nur eine überhaupt gebaut. Und wegen seiner anhaltenden Krise kommt der Hauptinvestor des Projektes wohl vorerst nicht mehr infrage. Die malaysische Firma, die 40 Prozent an dem Projekt hält, könnte diese Lücke unter Umständen füllen. Mit erleichterten Visa-Bedingungen hofft man zudem, neue Interessenten locken zu können. Ob das ausreichen kann, um Forest City eine Zukunft zu geben, ist aber ungewiss.

