Legendäre Flugpionierin vor 80 Jahren verschollen

Kämpfte Amelia Earhart auf dieser einsamen Insel ums Überleben?

Insel Nikumaroro / Amelia Earhart
Die unbewohnte Insel Nikumaroro liegt mitten im Pazifik und gehört zum Inselstaat Kiribati. Das keline Foto zeigt die 1937 verschollene US-Flugpionierin Amelia Earhart.
Foto: Getty Images / dpa Picture Alliance

Vor 80 Jahren verschwand die legendäre US-amerikanische Pilotin Amelia Earhart über dem Pazifik und wurde für tot erklärt. Manche sagen, dass sie beim Sturz in den Ozean starb, andere, dass sie von japanischen Soldaten gefangen genommen wurde. Ein Mann ist überzeugt, dass Earhart auf der kleinen Südseeinsel Nikumaroro notlanden konnte und dort eine Zeit überlebte. Für diese Theorie gibt es nun neue Beweise.

Amelia Earhart war die erste Frau, die den Atlantik in einem Flugzeug überquert hat und schon zeitlebens ein Idol der US-amerikanischen Frauen. 1937, im Alter von nur 39 Jahren, wollte sie als erste Frau die Erde im Flugzeug umrunden. Earharts Route führte von Miami über Puerto Rico, Venezuela und Brasilien. Von dort ging es, zusammen mit ihrem Navigator Fred Noonan, über den Atlantik nach Senegal, weiter über den Sudan, Äthiopien, Indien, Myanmar und Papua Neuguinea, immer am Äquator entlang.

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Ihre letzen Funksprüche waren verzweifelt: Sie und Noonan fanden die Koordinaten der Insel nicht, der Sprit ging aus, der Funkkontakt brach ab. Als es keinem Schiff im Umkreis gelang, den Kontakt wieder herzustellen, wurde umgehend eine riesige Schiffflotte auf die Suche nach Earhart geschickt. Damals war es die teuerste und aufwendigste Rettungsaktion in der Geschichte der US-Navy, mit dutzenden Kriegsschiffen und Flugzeugen im Einsatz. Doch vergeblich. Wenige Wochen später wurde Earhart von ihrem Ehemann für tot erklärt. Die wahrscheinlichste Todesursache: Das Flugzeug stürzte in den Pazifik und die beiden Piloten starben beim Aufprall oder durch Ertrinken. Einige, abenteuerliche Theorien gehen davon aus, dass Earhart und Noonan von japanischen Soldaten gefangen genommen wurden. (1937 herrschte bereits der Pazifikkrieg.) Dafür gibt es jedoch keinerlei wirklichen Anhaltspunkte. Die dritte Theorie geht davon aus, dass Earhart und Noonan notlanden konnten: und zwar auf der Insel Nikumaroro.

Amelia Earhart

Amelia Earhart 1936 im Cockpit eines Flugzeugs des Bureau of Air Commerce, ein Jahr, bevor sie verscholl
Foto: DPA Picture Alliance

Der größte Verfechter dieser Theorie ist Ric Gillespie von der International Group for Historic Aircraft Recovery (TIGHAR). Seit Jahrzehnten rekonstruiert der Historiker und ehemalige US-Soldat den Tag, an dem Earhart verschollen ist und die drauf folgende Woche. Er sammelt Beweise und führt Expeditionen, um die letzten Tage im Leben der Pilotin zu ergründen. Gillespies Theorie: Amelia Earhart ist nicht in den Ozean gestürzt, sondern konnte auf Nikumaroro notlanden, dass nicht weit von Howland Island entfernt liegt.

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Das Atoll liegt nur ganz knapp über dem Meeresspiegel, es ist nur 6 Kilometer lang und 2 Kilometer breit. Am weißen Sandstrand wuchert ein Dschungel aus Palmen. Der Urwald umringt eine innere Lagune mit flachem, strahlend blauen Wasser. Die kleine Insel wird vollständig von einem Korallenriff umringt, dass es vor den Meereswellen schützt. Nach Gillespies Theorie landete Earhart auf diesem Riff, schaffte es an Land zu kommen und dort ein paar Tage zu überleben. Nachts, wenn die Ebbe kam, schwamm sie zum Flugzeug und versuchte mehrere Tage lang, Notfunksprüche abzusenden.

Das Flugzeug versinkt immer mehr im Ozean

Diese Sprüche sind keine Spekulation Gillespies, sondern wurden nachweislich auf mehreren US-amerikanischen Militärstationen empfangen und nach dutzenden Berichten auch im US-amerikanischen Radio gehört. So berichteten mehre Frauen, mitten in einer Radioübertragung zuhause im Wohnzimmer auf einmal Earharts Hilferufe gehört zu haben. Bei den Behörden gingen damals über 120 solcher Meldungen aus Privathaushalten und den offiziellen Suchtrupps ein, von denen mehr als die Hälfte als glaubwürdig eingeschätzt werden und sich inhaltlich decken. Von allen gehörten Funksprüchen gibt es sorgfältige, schriftliche Transkriptionen. Mehrere der Militärstationen gingen damals davon aus, dass die Sprüche von Nikumaroro – das damals noch Gardner Island hieß – ausgingen. Gillespie hat alle Sprüche über die Jahre gesammelt und aufwendig analysiert. Den Bericht zu seinen Funden hat er online frei zugänglich gemacht.

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Die Funksprüche zeichnen ein Bild von Earharts verzweifelter Lage: In einem Funkspruch berichtet sie, wie das Wasser um das Flugzeug steigt und steigt, und dass sie nicht mehr lange durchhalten könne. In einem anderen erklärt sie, dass ihr Navigator Noonan schwer verletzt sei und dringend medizinische Hilfe benötige. In einem anderem Funkspruch hat Earhart angeblich sogar ihre Koordinaten durchgegeben. Die Hörerin, die dies zufällig aufschnappte, soll den Zettel aber verloren haben.

Gillespie ordnet die Sprüche in seinem Bericht an und kommt zu dem Schluss, dass der Wechsel aus den Intervallen, in denen Earhart stumm blieb und denen, in denen sie funkte, darauf hinweist, dass Earhart immer nur während der Ebbe die Maschinen des Flugzeugs anschaltete, um funken zu können. Außerdem beschrieben die Sprüche, die in den ersten paar Tagen durchgegeben wurden, das Flugzeug als „von Wasser umgeben“, während die nächsten Sprüche bereits Hilferufe sind, in denen Earhart davon berichtet, dass das Flugzeug halb an Land, halb unter Wasser sei. In den letzten registrierten Funksprüchen wird bezeugt, dass das Flugzeug fast vollständig im Ozean versunken sei.

Französischer Likör und ein zerrissener Damenschuh

Es gibt neben den Funksprüchen noch andere Indizien, die für Gillespies Theorie sprechen: Eine Woche nach dem Abbruch des Funkkontakts durchsuchten Navy-Piloten von der der USS Colorado aus Nikumaroro und fanden mehrere Anzeichen dafür, dass erst vor Kurzem jemand an der Küste sein Lager aufgeschlagen haben musste. Darüber hinaus fanden sie jedoch keine Teile vom Flugzeug.

Ein Jahr nach Earharts Verschwinden besiedelte eine kleine Gruppe von Briten das bis dahin unbewohnte Eiland Nikumaroro. 1940 fanden diese Siedler Teile eines Damenschuhs, eine leere Sextantenkiste (Navigationsgeräte, die auch im Flugzeug gebraucht werden) und eine Flasche einer französischen Likörmarke, die Earhart nach eigenen Aussagen gerne trank. Auch der Schuh konnte später einer Marke zugeordnet werden, die auch Earhart trug. Im selben Jahr wurden außerdem ein menschlicher Schädel und ein Skelett auf der Insel gefunden.

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Knochen auf dem Weg nach Fidschi verschwunden

Doch im Fall von Amelia Earhart waren die Wissenschaftler und Wahrheitssucher ständig von Pech verfolgt: Als die Knochen zur genaueren Untersuchung nach Fidschi transportiert werden sollten, gingen sie verloren. Jedoch sind mehrere Fotos von dem Skelett und dem Schädel vorhanden. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Knochen eher denen eines Mannes ähneln, andere weisen darauf hin, dass Earhart für ihre Zeit mit mehr als 1,70 Meter sehr groß für eine Frau war, starke Oberarme und kaum ausgeprägte Hüften besaß.

2018, mehr als 80 Jahre nach Earharts Verschwinden, veröffentlichten der US-amerikanische Anthropologe Richard Jantz eine Studie, in der er die Fotos und die damaligen Analysen mit modernen Methoden auswertete. Er kam zu dem Schluss, dass die Knochen sehr wohl Earharts sein könnten. Die Studie wurde jedoch auch kritisiert, da alte Fotos nicht als ausreichende Quelle betrachtet werden können.

Außerdem bleibt die große Frage: Wenn Earhart wirklich auf Nikumaroro gelandet ist und überlebt hat, wo ist dann ihr Flugzeug? Gillespie und die TIGHAR fanden zwar bei einer ihrer Expeditionen auf der Insel ein Metallteil sowie ein Stück Plexiglas, die zu Earharts Flugzeug passen könnten, jedoch konnte die tatsächliche Zugehörigkeit nie zweifelsfrei belegt werden. Mehrere Tauchaktionen rund um die Insel scheiterten bislang an technischen Problemen.

So bleibt das Ende der Flugpionierin Amelia Earhart immer noch ein Rätsel.