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In Stockholm

Dieses ehemalige Hostel in einem Jumbo-Jet ist jetzt ein Lost Place

Hostel
Auf dem Gelände des Flughafens Stockholm Arlanda steht eine alte Boeing-747, in der sich bis März 2025 ein Hostel befand. Dieses war weltweit einzigartig und mehr als 15 Jahre lang in Betrieb Foto: Paul Böhme
Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

3. September 2026, 13:57 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Am Flughafen Stockholm Arlanda befindet sich ein ganz besonderer Lost Place, der seit März 2025 Fans solcher Orte aus aller Welt begeistert. Die Rede ist von „Jumbo Stay“, einem ehemaligen Hostel, das sich in einer ausrangierten Boeing-747 befand. Mehr als 15 Jahre konnte man dort sehr ungewöhnlich übernachten, denn die Betreiber hatten sich für ihre Gäste richtig was einfallen lassen. Dann mussten die Betreiber jedoch Insolvenz anmelden, und so ist die Zukunft des Flugzeug-Hostels ungewiss.

Kürzlich war ich bei einem alten Freund eingeladen, der uns eine Dia-Show seiner jüngsten Reise zeigen wollte. Zu seinem 40. Geburtstag hatte er sich selbst eine gut dreiwöchige Reise ans Nordkap geschenkt, und nun staunten wir über berauschend schöne Bilder der Natur in Schweden, Finnland und Norwegen. Doch auf einmal rief ich: „Stopp, halt doch mal kurz an und erzähl uns was dazu.“ Denn die Leinwand zeigte nun ein altes, vom Zahn der Zeit zumindest auf den ersten Blick stark angefressenes Flugzeug, auf dem noch undeutlich der Name „Jumbo Stay“ zu lesen war. „Ja, das war mal ein Hostel“, so mein Freund. „Aber scheinbar ist da schon länger kein Betrieb mehr“. Im selben Moment wusste ich, ich hatte mal wieder die Fährte zu einer spannenden Story gefunden.

Und tatsächlich ist die Geschichte um das Flugzeug-Hostel „Jumbo Stay“ spannend, beginnt sie doch laut dem Fachblatt „AeroXplorer“ bereits 1976. In diesem Jahr startete eine neue Boeing-747 von Washington aus Richtung Singapur, um dort für Singapore Airlines erstmals ihren Dienst aufzunehmen. Im Laufe der kommenden Jahrzehnte hatte die Maschine eine aufregende „Karriere“, flog unter anderem für die 1991 in Insolvenz gegangene PanAm sowie auch National Canada, Garuda Indonesia, Cathay Pacific und Kuwait Airways. Viele ihrer Betreiberfirmen gingen in Konkurs, und so gelangte die Maschine schließlich auf ihrem letzten Flug im Sommer 2002 von Dublin nach Stockholm, auf den Flughafen Arlanda. Das hätte das Ende der Erzählung sein können, hätte es da nicht einen sehr findigen schwedischen Geschäftsmann gegeben.

Millionenschwere Renovierung

Hostel
Im Cockpit des Jumbo-Hostels befand sich einst eine der zwei Suiten Foto: VW Pics/Universal Images Group v

Oscar Diös nämlich hatte zuvor ein Hostel in Uppsala geleitet und kaufte kurzerhand 2007 das ausrangierte Flugzeug. Seine Idee: Die weltweit einzige Jugendherberge in einem alten Linienflieger zu eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt eine clevere Business-Idee, denn damals gab es rund um den Stockholmer Flughafen keinerlei andere günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Nachdem er von den Behörden die Erlaubnis zum aufwendigen Umbau erhalten hatte, begannen die Renovierungen an dem Jumbo Hostel im Januar 2008. Die gut 350 Quadratmeter Fläche im Innenraum wandelte man in insgesamt 33 Zimmer um, davon zwei Suiten, unter anderem im Cockpit. 500 Sitze mussten die Arbeiter dazu entfernen. Im ehemaligen First-Class-Bereich entstand ein Café, in dem Gäste frühstücken konnten.

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Der Umbau verschlang horrende drei Millionen Dollar (knapp 2,6 Millionen Euro), und am 15. Januar 2009 eröffnete Diös unter dem Namen „Jumbo Hostel“, der später in „Jumbo Stay“ umgetauft wurde. Ausgefallen: Einige der Zimmer befanden sich in den Triebwerksgondeln bzw. den Radhäusern. Am linken Flügel baute man eine Terrasse an, von der aus Gäste die auf dem nahen Flughafen startenden Jets beobachten konnten. Das Hostel betreten konnte man über eine Treppe, aber auch einen Aufzug gab es. Für besondere Anlässe wie Hochzeiten oder andere private Veranstaltungen stand die alte Boeing-747 ebenfalls zur Verfügung. Doch das Schicksal wendete sich irgendwann gegen die ungewöhnliche Jugendherberge.

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Heute ein Lost Place

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Über 15 Jahre lang wohnten hier Gäste, heute ist der Ort ein Lost Place Foto: Paul Böhme

Angeregt von der Idee des „Jumbo Stay“ eröffneten nach 2009 rund um den Flughafen Arlanda immer mehr Konkurrenz-Angebote. Während der Corona-Pandemie gingen die Einnahmen des Hostels dann um mehr als die Hälfte zurück, fielen „Aerotelegraph“ zufolge von zuvor jährlich etwa 730.000 Euro auf nur noch 300.000 Euro. Eine neue Flughafen-Betreibergesellschaft erlaubte Diös zudem nicht mehr, das Äußere seiner Maschine als gewinnbringende Werbefläche zu vermieten. Und so musste die weltweit einzigartige Unterkunft im März 2025 leider schließen. Für immer, wie es aussieht, denn der Flughafen erlaubt aktuell keine Neueröffnung unter einem anderen Betreiber.

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Die Überlegung ist nun, die alte Boeing-747 zu verschrotten und ihre Einzelteile zu verkaufen. Es wäre das endgültige Ende einer charmanten Idee, die bis dahin zahllose Reisende aus aller Welt mehr als 15 Jahre lang begeisterte. Zuletzt hatte man wegen der Pleite noch ganze 800 Reservierungen stornieren müssen. Seitdem ist der alte Jumbo-Jet aber in einer anderen „Funktion“ wieder zum Leben erwacht. Und zwar als faszinierender Lost Place. Zwar kann man sein Inneres nicht betreten. Dafür aber einen Spaziergang rund um die Maschine und auch auf der alten Terrasse unternehmen. Durch die Fenster lässt sich ein Blick in das aufgegebene Hostel werfen. TRAVELBOOK-Leser Paul Böhme war im August 2026 auf seiner Nordkap-Reise dort und erinnert sich: „Eigentlich habe ich den Ort aus reinem Zufall entdeckt, weil er in der Nähe der Autobahn zwischen Stockholm und Uppsala liegt.“

Flugzeug-Hotel in Malaysia

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Die Gangway des alten Flugzeug-Hostels kann man heute noch betreten Foto: Paul Böhme

Böhme ist Fan der interaktiven Schatzsuche „Geocaching“. Bei dieser verstecken Anhänger auf der ganzen Welt an besonderen Orten sogenannte „Caches“, die andere dann finden müssen. Mal enthalten sie kleine Gegenstände, mal muss man nur seinen Namen als Finder auf einer Liste verewigen. „Ich bin dann noch direkt an der Autobahn rausgehüpft und hingelaufen. Es gibt aber auch einen offiziellen Parkplatz.“ Das Gelände sei frei zugänglich gewesen, das Flugzeug selbst „ziemlich beeindruckend“. „Es stehen überall Überwachungskameras und Sicherheitshinweise. Trotzdem kann man da frei rumlaufen. In der Maschine brannte sogar noch Licht.“ Sein Versuch, über eine der Türen ins Innere des ehemaligen Hostels zu gelangen, sei aber gescheitert.

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„Das Ding ist schon absolut mächtig, aber der Standort wirklich miserabel. Das war im Nachhinein irgendwie abzusehen, dass es pleite machen würde.“ Böhme hat der Besuch aber auch an eine Episode aus seiner Jugend erinnert. Damals wohnte er, ebenfalls in Schweden, mit einem Freund eine Woche lang in einem Zug-Hostel. „Der Waggon stand auf einem Abstellgleis, das hatte schon einen gewissen Gemütlichkeitsfaktor. Vielleicht haben die Schweden ja einfach ein Ding für solche Orte.“ Auch diese Unterkunft gibt es aber wohl schon länger nicht mehr. Doch auch wenn das „Jumbo Stay“ in Stockholm wohl für immer seine Pforten schließen musste, können Fans von Übernachtungen im Flugzeug sich über eine neue Attraktion dieser Art freuen. Wie „Aerotelegraph“ berichtet, gibt es in Malaysia jetzt ein Flugzeug-Hotel, das sogar aus zwei alten Boeing-747-Maschinen besteht.

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