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TRAVELBOOK-Autorin vor Ort

Meine 5 ungewöhnlichen Must-Sees in Hongkong

TRAVELBOOK-Autorin Doris Tromballa stellt 5 eher ungewöhnliche „Sehenswürdigkeiten“ in Hongkong vor
TRAVELBOOK-Autorin Doris Tromballa stellt 5 eher ungewöhnliche „Sehenswürdigkeiten“ in Hongkong vor Foto: Getty Images/ privat/ Collage TRAVELBOOK
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Doris Tromballa
Freie Autorin

1. Januar 2026, 7:48 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Hongkong ist einer der am dichtesten besiedelten Orte der Welt – hier leben etwa 7000 Menschen pro Quadratkilometer (in Deutschland sind es rund 240). Und genauso vollgepackt ist diese Stadt mit Dingen, die man bei einem Trip unbedingt anschauen möchte. TRAVELBOOK-Autorin Doris Tromballa wollte keine Highlights verpassen, aber auch nicht nur das Standardprogramm abspulen. Deswegen gibt es hier ihre ultimativ subjektive Must-See-Liste für Hongkong mit fünf ungewöhnlichen „Sehenswürdigkeiten“!

Eine Fahrt mit der Star Ferry, dreihundert Selfies am Victoria Peak und die Weltklasse-Kunstsammlung des Hong Kong Museum of Art: Das steht auf jeder Hongkong-Reiseliste ganz oben. Auch auf meiner. Und dennoch habe ich ein paar Ausflüge in weniger bekannte Ecken der Stadt gemacht. Sehr lohnenswert!

1. Filmkulissen Kowloon Walled City – Rekonstruktion einer verlorenen Welt

Für einen Film wurden wichtige Details von Walled City wieder nachgebaut
Für einen Film wurden wichtige Details von Walled City wieder nachgebaut Foto: Doris Tromballa

Die „Kowloon Walled City“ war jahrzehntelang ein lebendiger Mythos. Die enge Hochhaussiedlung entstand ohne Architekten, Stadtplaner oder Genehmigungen – sondern als „Marke Eigenbau“ – bis zu 14 Stockwerke hoch. Grund für den ausufernden Schwarzbau war, dass auf dem ehemaligen britischen Gebiet nicht geklärt werden konnte, wer eigentlich für die Verwaltung zuständig war. Und so entwickelte sich Walled City zu einem Fluchtort für diejenigen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren oder sich aus anderen Gründen vor den Behörden verstecken wollten. Bis zu 30.000 Menschen sollen zeitweise in dem Wolkenkratzerlabyrinth gelebt und gearbeitet haben. Es entwickelte sich eine eigene, unüberschaubare Ordnung – dicht, chaotisch und doch erstaunlich funktionierend.

Auch Cafés wurden extra für den Film nachgestellt
Auch Cafés wurden extra für den Film nachgestellt Foto: Doris Tromballa

In den 1990er Jahren wurde Walled City abgerissen – und doch habe ich sie besucht. Jedenfalls fühlt es sich so an. Denn in einer Open-Air-Ausstellung kann man in die schaurig-schöne Welt von damals eintauchen. Dort, wo früher Walled City in den Himmel ragte, ist jetzt ein Park, und in diesem Park haben die Macher des Films „Twilight of the Warriors: Walled In“ (2024) die Kulissen ausgestellt, die für den Film gebaut wurden. Für den Streifen wurden aus historischen Fotos, Filmen und Dokumenten zahlreiche Orte mit der Atmosphäre der magischen Stadt rekonstruiert. Die Ausstellung zeigt, wie dort Cafés, Zahnarztpraxen (gruselig!) und Handwerkershops aussahen. Beim Gang durch die Kulissen hatte ich den Eindruck, als würde die Stadt heimlich weiterexistieren – in Filmen, in Erzählungen, in dieser Ausstellung.

2. Symphony of Lights – wenn Wolkenkratzer zum Leben erwachen

Milliarden LED-Lichter werden bei der „Symphony of Lights“  animiert
Milliarden LED-Lichter werden bei der „Symphony of Lights“ animiert Foto: Doris Tromballa

Die „Symphony of Lights“ am Victoria Harbour ist ein weltweit einzigartiges Spektakel. Es macht sich die (schon bei Tageslicht) umwerfende Skyline zunutze, die der gegenüberliegende Teil der Stadt, Hong Kong Island, zu bieten hat. Jeden Abend, pünktlich um 20 Uhr, erwachen die Wolkenkratzer dort zum Leben: Milliarden LED-Lichter zaubern blinkende Linien, irisierende Flächen und pulsierende Herzchen auf die Fassaden. Aus den Lautsprechern am Hafen ertönt ein eigens für die „Symphony of Lights“ komponiertes Orchesterstück. Wer sich die Show vom Hotelzimmer aus anschauen will (und kann), kann die Musik auch über eine eigene App aufs Handy laden und synchron abspielen. Hinweis: Momentan ist die Show ausgesetzt, soll aber bald wieder über Hongkongs Hafenbecken erstrahlen.

3. Die Bronzelöwen von HSBC – zwei stille Chronisten der Stadtgeschichte

Wer voller Bewunderung durch die Wolkenkratzerschluchten auf Hong Kong Island stolpert, sollte beim HSBC-Gebäude auf jeden Fall eine kurze Verschnaufpause einlegen. Nicht nur, weil es im Foyer des Bankengebäudes wunderbar kühl ist, sondern weil am Eingang zwei Glücksbringer zu finden sind: Davor sitzen Stephen und Stitt, zwei mächtige Bronzelöwen. Sie gelten als inoffizielles Wahrzeichen und symbolische Wächter des Finanzdistrikts.

Ihre Geschichte reicht bis in die 1930er-Jahre zurück; während der japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurden sie beschädigt und später beinahe eingeschmolzen. Die deutlich sichtbaren Einschusslöcher erinnern bis heute an diese Zeit. Viele Passanten berühren die Schnauzen der Löwen, weil es Glück bringen soll. Vor allem aber stehen Stephen und Stitt als Mahnmal dafür, wie eng Tradition, koloniale Vergangenheit und moderne Stadtentwicklung in Hongkong miteinander verwoben sind.

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4. Das „Cup Noodles Museum“ – Instant-Nudeln selbst machen

Der Nudel-Workshop im Museum lohnt sich!
Der Nudel-Workshop im Museum lohnt sich! Foto: Doris Tromballa

Nicht nur in Asien, auch hierzulande sind Instant-Nudeln schon lange eine leckere, bequeme Mahlzeit. Becher aufreißen, Wasser drauf, drei Minuten warten – fertig! Allerdings ist vielen nicht klar, wie viel Lebensmitteltechnik und Experimentierwille nötig waren, um dieses scheinbar simple Gericht zu erschaffen. Und diese Wissenslücke kann man im „Cup Noodles Museum“ in Hongkong schließen: Der japanische Unternehmer Momofuku Ando wollte der Lebensmittelknappheit der Nachkriegszeit begegnen – und neben Reis zählen Nudeln zum festen Bestandteil der asiatischen Küche. Doch das Problem war, dass die Nudeln lange gekocht werden mussten oder frisch schnell verdarben. Momofuku Andos Frau Masako inspirierte ihn, als er ihr beim Zubereiten von Tempura (frittiertes Gemüse) zusah und bemerkte, wie durch das Frittieren Feuchtigkeit entzogen wurde. Dies brachte ihn auf die Idee, frische Nudeln kurz zu frittieren, um sie zuerst zu konservieren und danach schnell garen zu können.

Genau das kann man im „Cup Noodles Museum“ selbst machen: In einem zweistündigen Workshop kneten alle Teilnehmenden ihren eigenen Teig, drehen ihn (14 Mal!) durch die Nudelmaschine und dürfen zuschauen, wie er fachgerecht frittiert wird. Man bemalt seine eigene Nudelverpackung und bekommt noch eine zweite Packung gratis dazu. Ein großer Spaß, nicht nur für Kinder. Achtung: Das Museum macht Ende Januar 2026 eine kreative Pause, soll aber bald wieder eröffnen.

5. Ko Shing Street – ist das Medizin oder kann das weg?

Ko Shing Street ist nichts für schwache Gemüter. Die Straße ist ein Zentrum traditioneller chinesischer Heilmittel. Und hier gibt es alles, was man sich vorstellen kann, aber vielleicht nicht vorstellen möchte: Nicht nur mächtige Kräuterbuschen, Pilze und Wurzeln, sondern auch getrocknete Seesterne, Rochenflügel und Eidechsen (auf Schaschlikspießen!). In kleinen Tütchen kann man Tausendfüßler oder Skorpione (natürlich auch getrocknet) oder Pulver aus Froschblase oder Hirschgeweih erstehen. Nur, ob man das sollte? Ich habe mich gegen einen Einkauf entschieden, aber die Stimmung in der „Medicinal Street“, wie die Ko Shing Street auch genannt wird, ist einfach wie aus einer anderen Zeit.

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