Der klassische Tourismus bleibt in Nordkorea zwar weiter verboten, doch es zeigen sich erste Öffnungstendenzen. Bereits im April traten ausländische Läufer beim Pjöngjang-Marathon an, nun wurden erstmals wieder ausländische Urlauber empfangen – in einem neu errichteten Ferienresort. Doch es bleibt ein fader Beigeschmack, wie erste Berichte von Touristen zeigen.
Lange Sandstrände, leer gefegte Liegen und ein freier Blick aufs Meer – was nach einem idyllischen Ferienparadies ohne Massentourismus klingt, soll für russische Touristen in Nordkorea Realität werden. Doch der neue Ferienhotspot bleibt laut einem Bericht von BILD vorerst ein exklusives und eigenwilliges Reiseziel. Denn trotz direkter Flugverbindung nach Pjöngjang ist die Reise ins abgeschottete Land mit Auflagen und Unsicherheiten verbunden.
Nordkorea als neues Reiseziel für russische Touristen
Seit Kurzem fliegt die russische Airline Nordwind regelmäßig von Moskau nach Pjöngjang – der Flug dauert rund acht Stunden. Diese Verbindung ist derzeit auf eine monatliche Frequenz beschränkt und mit einem Preis von 45.000 Rubel (rund 484 Euro) für russische Verhältnisse kostspielig, insbesondere, weil das Durchschnittsgehalt in Russland bei nur 800 Euro liegt. Dennoch wächst in Russland das Interesse an alternativen Fernreisezielen, nachdem Europa durch Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs für russische Touristen weitgehend unerreichbar geworden ist.
Die Boeing 777 von Nordwind bei der Landung in Pjöngjang – unter großem Jubel willkommen geheißen von Nordkoreanern Foto: Getty Images
Früher brachte Nordwind seine Passagiere nach Europa – nun ist Nordkorea das neue Ziel. Möglich wurde dies durch ein eigens errichtetes Ferienresort an der Ostküste, das Machthaber Kim Jong-Un für russische Gäste bauen ließ.
Mit der Eröffnung des Wonsan-Kalma-Resorts, das auf jährlich bis zu 20.000 Gäste ausgelegt ist, reisten die ersten dreizehn russischen Urlauber an – begleitet von strengen Auflagen. Sie wurden laut Berichten auf Schritt und Tritt überwacht, selbst am Strand war stets Begleitpersonal dabei. Die Interpretation der Touristen: eine „süße Vorsichtsmaßnahme“, um zu verhindern, dass jemand verloren gehe.
Auch das kulinarische Angebot war ungewohnt: Obst war kaum erhältlich, dafür standen Ente, Kaninchen und Fisch auf dem Speiseplan. Die russische Bloggerin Daria Subkova berichtete laut BILD unter Berufung auf die britische „Sun“: „Sie haben sich wirklich Mühe gegeben.“ Begeisterung klingt allerdings anders.
Einheimische nach einer Rutschpartie im angrenzenden Myongsasimni-Wasserpark Foto: Getty Images
Plötzliche Schließung – und vorsichtige Öffnung
Trotz des großen Aufwands war das Ferienresort kurz nach seiner Eröffnung für ausländische Gäste plötzlich wieder geschlossen – angeblich nur vorübergehend. Offizielle Gründe wurden nicht genannt, doch Beobachter vermuten, dass der hohe Preis und die bislang komplizierte Anreise über eine Zugverbindung via Wladiwostok das Interesse bremsten.
Nun soll der regelmäßige Linienflug für einen Neustart sorgen. Ob sich Nordkorea als dauerhaftes Reiseziel etabliert, bleibt abzuwarten. Immerhin zeigte sich Russlands Außenminister Sergej Lawrow bei der Resort-Eröffnung überzeugt, dass „russische Touristen immer stärkeres Interesse haben werden, hierherzukommen“. Nordkorea könnte die dringend benötigten Devisen gut gebrauchen – und Russland sucht neue Reiseziele. Ob ausgerechnet das streng reglementierte Nordkorea zum neuen „Russen-Malle“ wird, bleibt noch abzuwarten.
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