2. September 2025, 11:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Es gilt als eines der schönsten Dörfer in ganz Frankreich – und das nicht ohne Grund. Die Harmonie zwischen Natur und Architektur macht es zu einem echten Juwel der Romanischen Kunst. Die Rede ist von Saint-Guilhem-le-Désert, einer mittelalterlich geprägten Gemeinde im Süden Frankreichs. Doch die Schönheit bleibt nicht unberührt: Touristenströme von hunderttausenden Besuchern überfordern die kleine Gemeinde gänzlich und hinterlassen die Einwohner hilflos. Nun sollen die Besucherzahlen reguliert werden.
Das französische Dorf Saint-Guilhem-le-Désert befindet sich in den Schluchten von Hérault im Nordwesten von Montpellier. Eingebettet zwischen Kalksteinfelsen ist das Dorf mit seinen engen Gassen und romantischen Steinbauten eine echte Idylle. Seine Abtei von Gellone zählt als Teil der Jakobswege in Frankreich, weshalb das Dorf zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Es ist also nicht nur Ziel für Tagestouristen, sondern auch eine wichtige Etappe für Pilger. Die Schluchten in unmittelbarer Nähe bieten einen geeigneten Ausgangspunkt für Wanderungen.
Touristenströme zwingen Einwohner zum Rückzug
Die Idylle von Saint-Guilhem-le-Désert bleibt jedoch kein Geheimnis. Laut Radiosender „franceinfo“ kommen auf die gerade einmal 250 Einwohner jährlich zwischen 600.000 und 800.000 Besucher. Umgerechnet bedeutet das 2.400 bis 3.200 Touristen pro Einwohner. Der Massentourismus hinterlässt die Gemeinde ohnmächtig und schränkt das Leben der Einheimischen ein.
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Gérard Vareilhes, ein im Dorf lebender Rentner, beklagt die begrenzte Freiheit: „Es beeinträchtigt mich in meinem Alltag. Wir können weder raus noch einkaufen, wann wir wollen, man muss alles genau planen. Abends kommt es nicht infrage, die Fenster offen zu lassen.“ Im Vergleich zu anderen europäischen Orten mit wachsendem Massentourismus, wie Mallorca, äußert sich die Bedrängnis vom Tourismus bei den Einheimischen hier eher als stille Hilflosigkeit. Im gesamten Mittelmeergebiet wächst der Frust von Einheimischen gegen Touristenströme an. Besonders betroffen davon sind vor allem kleine Orte, wie hier, die französische Gemeinde.
Effekt durch Social Media
Auch dieser Ort bleibt von seiner Popularität durch Social Media nicht verschont. Auf den Plattformen wird die malerische Schönheit des Dorfes schnell zum Touristenmagneten. Um diesem Ausmaß entgegenzuwirken, will die Gemeinde gezielt auf die Bewerbung bestimmter Wanderwege und Sehenswürdigkeiten verzichten. Damit soll auch die Attraktivität von umliegenden Orten gesteigert werden, sodass nicht alle Touristen in das überlaufende Dorf strömen. Das Ziel des dortigen Fremdenverkehrsamtes ist es, Touristen in die 28 Gemeinden der Region zu locken.
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Shuttlebusse als Lösung
Ein weiteres Problem der Touristenüberflutung ist die überlastete Infrastruktur. Die schmalen Gassen des mittelalterlichen Dorfes sind für erhöhten Autoverkehr nicht ausgelegt. Vor über 15 Jahren beschränkten die Behörden bereits den Zugang zum Stadtzentrum für Autoverkehr und errichteten einen Parkplatz, der sich einige Kilometer entfernt befindet und je nach Jahreszeit 400 bis 550 Stellplätze bietet. Bürgermeister von Saint-Guilhem-le-Désert, Robert Siegel, äußert sich bei „franceinfo“ skeptisch gegenüber der Touristenmassen: „Wenn sich an einem Ort zu viele Menschen aufhalten, ist das stressig für jeden Besucher.“ Ein kostenloses Shuttle-System befördert die Touristen nun kontrolliert in die Stadt.
Gleichgewicht zwischen Tourismus und Lebensqualität
Um die Bewohner und Touristen des idyllischen Saint-Guilhem-le-Désert zufriedenzustellen, will die Gemeinde einen Mittelweg finden. Einerseits profitiert das Dorf vom Tourismus, da dieser Arbeitsplätze sichert, andererseits soll der Lebenswert für die Einwohner nicht eingeschränkt werden. Die Natur und das Kulturerbe sollen weiterhin geschützt werden, um die natürliche Schönheit des Dorfes zu bewahren.

