7. Oktober 2025, 17:07 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Was als Symbol für eine neue Ära gedacht war, droht nun zum Sinnbild für Größenwahn zu werden: Wie BILD berichtete, steht die futuristische Mega-Stadt „The Line“, einst Herzstück von Saudi-Arabiens ambitioniertem Zukunftsplan „Vision 2030“, offenbar vor dem Scheitern. Baustopp, Entlassungen und drastische Kürzungen lassen Zweifel daran aufkommen, ob das Prestigeprojekt jemals Realität wird.
Gigantischer Traum – gebaut auf Sand?
Mit „The Line“ wollte Kronprinz Mohammed bin Salman ein Zeichen setzen: Eine 170 Kilometer lange, autofreie Hightech-Metropole in der Wüste – futuristisch, klimaneutral und finanziert durch die Ölmilliarden des Landes. Gemeinsam mit weiteren Projekten wie einem Skiresort, Luxusresorts und einem Stadion für die Fußball-WM 2034 sollte die Region Neom zum Vorzeigeprojekt der „Vision 2030“ werden – dem Versuch, Saudi-Arabien wirtschaftlich von der Abhängigkeit vom Öl zu lösen.
Milliardenverluste und Baustopp
Doch jetzt scheinen die ehrgeizigen Pläne ins Stocken zu geraten. Wie die Zeitung „Blick“ berichtet, wurden die Bauarbeiten an „The Line“ im September vollständig gestoppt. Auch das Luxusresort „Magna“ sei davon betroffen. Der saudische Staatsfonds musste demnach Milliardenbeträge abschreiben. Führende Projektmanager seien von der Baustelle abgezogen, Tausende Beschäftigte entlassen oder in die Hauptstadt Riad versetzt worden.
Von 170 auf 2,4 Kilometer: Der Rückbau der Utopie
Die ursprüngliche Vision schrumpft drastisch zusammen: Statt der geplanten 170 Kilometer sollen laut „Blick“ nun nur noch 2,4 Kilometer der futuristischen Stadt bis 2030 fertiggestellt werden – falls überhaupt. Auch das Skiresort „Trojena“, das 2029 Austragungsort der Asiatischen Winterspiele sein sollte, ist laut Insidern gefährdet. Demnach habe das Internationale Olympische Komitee (IOC) bereits Südkorea als Ersatzstandort kontaktiert.
Auch die Fußball-WM 2034 wackelt
Besonders brisant ist die Entwicklung mit Blick auf die Fußball-WM 2034, für die Saudi-Arabien den Zuschlag erhalten hat. Ein spektakuläres 350 Meter hohes Hightech-Stadion war in „The Line“ geplant – ausgestattet mit modernster Technologie und integrierten Bildschirmen. Doch auch dieses Vorhaben steht nun auf der Kippe. Laut dem Bericht sucht Saudi-Arabien bereits nach Alternativstandorten für die Austragung einzelner Spiele.
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Menschenrechtsvorwürfe und hohe Opferzahlen
Zusätzlich zur finanziellen Krise gerät das Projekt wegen Menschenrechtsverletzungen massiv unter Druck. Einige Medien berichten von über 21.000 Todesfällen auf den Baustellen von Neom. Außerdem werfen Menschenrechtsorganisationen der saudischen Regierung vor, Tausende Menschen – darunter Angehörige des Huwaitat-Stammes – gewaltsam umgesiedelt zu haben, um Platz für das Projekt zu schaffen. Diese Angaben sind jedoch nicht unabhängig überprüfbar. Die saudische Regierung bestreitet die genannten Zahlen vehement.
Ein Prestigeprojekt vor dem Aus?
Mit dem Baustopp, den Kürzungen und den zunehmenden internationalen Zweifeln steht „The Line“ exemplarisch für die Risiken gigantischer Bauvisionen ohne gesicherte Finanzierung und gesellschaftlichen Rückhalt. Was als Symbol für Fortschritt gedacht war, könnte sich als Mahnmal eines überzogenen Zukunftsversprechens entpuppen.