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Schauplatz von Folter und Scheinprozessen

Die grausame Geschichte der Hexenburg Werdenfels in Bayern

Burg Werdenfels
Burg Werdenfels ist heute eine Ruine. In der Vergangenheit war sie Schauplatz grausamer Folter und Hexenprozessen Wikimedia/Dark Avenger / CC0 1.0 Universal
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

1. April 2026, 10:37 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Burg Werdenfels im bayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen blickt zurück auf eine düstere Vergangenheit. Heute eine Ruine, wurden dort im Zuge von Hexenprozessen im ausgehenden 16. Jahrhundert 51 Menschen gefangen gehalten und gefoltert. Anschließend fanden sie nach Scheinprozessen auf grausame Weise den Tod. Die Vorfälle, die sich über zwei Jahre hinzogen, sind bis heute nicht richtig aufgearbeitet.

Auf einer Erhöhung über dem Loisachtal erhebt sich, im bayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen, eine Festung mit einer dunklen Vergangenheit. Heute ist die Anlage eine Ruine und ein beliebtes Ausflugsziel, doch einst war die Burg Werdenfels ein Ort, an dem der Wahnsinn regierte. Der Hexenwahn, um genau zu sein. Denn im Zuge der Verfolgung vermeintlicher finsterer Mächte wurden hier im ausgehenden 16. Jahrhundert insgesamt 51 Menschen festgehalten, gefoltert, verurteilt und auf schreckliche Weise ermordet. Ein düsteres Kapitel der heute bei Touristen beliebten Region, das noch bis in die Gegenwart nachhallt.

Es ist der 28. September 1589, als über den Landkreis Garmisch-Partenkirchen das Grauen hereinbricht. Laut dem evangelischen „Sonntagsblatt“ gärt es zu diesem Zeitpunkt schon einige Jahre in der Bevölkerung. Eine Pestepidemie und Missernten sorgen für Unruhe, und so verfällt man nur allzu gerne auf den Irrglauben, dies alles müsse das Werk übernatürlicher böser Kräfte sein. Seit 1583 hat Caspar Poißl von Atzenzell das Amt des Pflegers, also des Verwalters der Region, inne, und er ist bereit, auch noch den absurdesten Anschuldigungen Gehör zu schenken. Und diese beginnen an jenem schicksalhaften Tag mit der Verhaftung der damals 55-jährigen Ursula Klöck.

Alles wegen eines Tontopfs

Was war geschehen? Ein Fischer hatte sie im Verdacht, sein Vieh verhext zu haben. Er erhielt von einem anderen Mann den Tipp, einen Tontopf mit Wasser so lange zu kochen, bis dieser zerspringe. Die nächste Person, die anschließend sein Haus besuche, sei schuldig an seinem Übel. Klöck weiß, dass der Mann sie der Hexerei verdächtigt, und kommt, um sich mit ihm auszusprechen – kurz nachdem dessen Tontopf durch das siedende Wasser zu Bruch gegangen ist. Die unheimliche Geschichte macht die Runde, und Klöck wird schließlich abgeführt und als erste Person auf Burg Werdenfels eingekerkert.

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Am 8. Oktober 1589 sitzen bereits drei Frauen in Haft, darunter auch eine damals 80-Jährige. Der berüchtigte Scharfrichter Jörg Abriel wird einbestellt, der sich durch die Verbrennung von 20 Frauen in Schongau bereits „einen Namen“ gemacht hat. Als die Gespräche mit den Frauen nicht das erwünschte Ergebnis, also Schuldeingeständnisse, bringen, geht man auf Burg Werdenfels am 20. Oktober 1589 erstmals zur Folter über. Diese führt wenig überraschend zu „Geständnissen“ und der Beschuldigung weiterer Frauen. Ursula Klöck denunziert dabei ihre eigene Schwester. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse, begeht kurz vor Weihnachten die erste „Schuldige“ Selbstmord.

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Bei lebendigem Leibe verbrannt

Was folgt, sind sieben sogenannte Malefiztage. „Das Wort bezeichnet eine Gerichtsverhandlung und ist eine Übersetzung des Lateinischen für ‚schlechte Tat‘“, erklärt ein Mitarbeiter des Stadtarchivs in Garmisch-Partenkirchen auf TRAVELBOOK-Anfrage. „Natürlich waren diese Prozesse eine Farce.“ Bei diesen „Verhandlungen“ also spricht man die Frauen nach den unter Folter erzwungenen „Geständnissen“ schuldig und verurteilt sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Die ersten verbrennt man bei lebendigem Leibe. Das schockiert sogar den knallharten Verwalter Poißl. Demnach bittet er darum, zukünftige Verurteilte vor dem Verbrennen erdrosseln zu lassen.

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Die „Gnade“ währt nur bis zum 5. Malefiztag. Dann verbrennt man abermals Frauen bei vollem Bewusstsein. Dieser Tag stellt auch insofern eine grausige Besonderheit dar, als dass an ihm der einzige Mann starb, der im Zuge der Hexenprozesse auf Burg Werdenfels verurteilt wurde. Vor der Verbrennung rädert man ihn, eine ganz besondere Gräueltat. Insgesamt 51 Menschen finden bei den Verfolgungen den Tod. In Akten im Stadtarchiv von Garmisch-Partenkirchen finden sich die Namen von 650 „Verdächtigen“. 127 weitere Personen wurden im Zuge der Prozesse ebenfalls der Hexerei beschuldigt und teils auch inhaftiert.

„Morbide Anziehungskraft“

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Spätestens, als der Wahn auch auf die Frauen wohlhabender Familien überzugreifen beginnt, schlägt die Stimmung in der Bevölkerung um. Laut der Zeitung „Merkur“ werden Verdächtige in der Folge versteckt, Scharfrichter massiv bedroht. So setzt sich im Januar 1592 der Verwalter Poißl selbst beim Hochstift Freising, das die Ländereien verwaltet, für die Freilassung der noch in Haft verbliebenen Frauen ein. Damit ebbt der Hexenwahn von Garmisch-Partenkirchen schließlich langsam ab. 1730 wird die Burg Werdenfels abgebrochen, ihre Steine für den Neubau der noch heute in Garmisch-Partenkirchen stehenden Kirche St.Martin verwendet.

„Erinnerungskulturell ist dieses Kapitel bis heute nicht richtig aufgearbeitet“, heißt es aus dem Archiv der Stadt. „Auf der Burgruine gibt es wohl ein paar Infotafeln, aber kein Mahnmal wie in anderen Orten.“ Gleichzeitig sei die Burg auch wegen der Hexenprozesse heute noch ein beliebtes Ausflugsziel bei Besuchern. „Das hat anscheinend eine Art morbide Anziehungskraft. Es wird auf jeden Fall regelmäßiger angefragt als andere Themen.“ Die Burg Werdenfels befindet sich in Privatbesitz, ist aber für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Regelmäßig finden auch historische Stadtführungen statt, die die Hexenprozesse in der Region thematisieren.

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