10. Januar 2026, 14:25 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In der rheinland-pfälzischen Stadt Koblenz steht seit mehr als 80 Jahren ein ganz besonderer Brunnen. Denn die Figur eines Jungen, die die Fontäne ziert, spuckt alle paar Minuten einen meterweiten Strahl Wasser. So mancher nichts ahnende Passant oder Tourist ist dabei wohl schon nass geworden. TRAVELBOOK erzählt die Geschichte des sogenannten Schängelbrunnen. Und erklärt, was überhaupt ein „Schängel“ ist, und wie dieser zum Wahrzeichen der Stadt wurde.
Die Stadt Koblenz in Rheinland-Pfalz ist bei Touristen wohl vor allem bekannt und beliebt wegen ihrer malerischen Lage zwischen Rhein und Mosel. Bereits seit 2002 ist der süddeutsche Ort Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal und wird immer wieder gerne bei Flusskreuzfahrten angesteuert. Und zwischen all den Sehenswürdigkeiten, vor allem in der Altstadt, „verbirgt“ sich am Willi-Hörter-Platz eine kleine, aber für die Einheimischen bedeutsame Touristenattraktion. Die Rede ist vom sogenannten Schängelbrunnen. Und dieser hat eine ganz besondere Eigenschaft.
Wer hier nicht aufpasst, kann ganz schnell einmal so richtig nass werden. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn die Skulptur eines kleinen Lausbuben auf dem Schängelbrunnen spuckt alle paar Minuten einen kräftigen, meterweiten Strahl Wasser. Ihren Namen hat die Fontäne laut der offiziellen Website der Stadt aus dem vorvergangenen Jahrhundert. Genauer gesagt aus der Zeit, als Koblenz zwischen 1794 und 1814 zur damaligen französischen Republik gehörte. Die Kinder, die damals aus deutsch-französischen Beziehungen entstanden, trugen nicht selten den Namen Jean. Doch was ist nun ein „Schängel“, und was hat das alles mit dem Brunnen zu tun?
Aus Jean wird Schang
Nun, die deutsche Entsprechung von Jean war Hans oder Johann. In der Koblenzer Mundart wurde aber aus Jean schließlich „Schang“, was sich in der Verniedlichungsform dann zu „Schängel“ entwickelte, also etwa „Hänschen“. Bald schon bezeichnete man alle Koblenzer Kinder als „Schängel“ oder gar „Schängelchen“. Die Bezeichnung wurde so beliebt, dass sie heute der allgemein akzeptierte Begriff für Koblenzer Einwohner als solche ist. Und dieser Entwicklung setzte ein lokaler Künstler im Jahr 1940 eben mit dem Schängelbrunnen ein beliebtes Denkmal.
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Der einheimische Steinmetz Carl Burger entwarf und baute den Schängelbrunnen 1940 zu Ehren des Heimat-Dichters Josef Cornelius. Dieser wiederum hatte das „Schängel-Lied“ geschrieben, das heute als Hymne der Koblenzer gilt. In dem Text heißt es unter anderem: „Eh lustich Kowelenzer Schängelche ich sain, gedaaft met Rhein, Musselwasser on met Wein. Gesond am Herz, der Lewer on der Lung, ich sain och meiner Modder ihre allesbeste Jung“. Etwa: „Ich bin ein lustiger Koblenzer Junge, getauft mit Rhein- und Moselwasser und mit Wein. Gesund an Herz, Leber und Lunge, bin ich das liebste Kind meiner Mutter.“
Beliebtes Wahrzeichen
Die Figur des Lausbuben auf dem Schängelbrunnen ist aus Bronze, der Brunnentrog aus Eifelbasalt. Auf ihm sind insgesamt acht Reliefs abgebildet, die die Streiche des kleinen Strolches zeigen. Gekrönt eben von der Statue, die in unregelmäßigen Abständen aus ihrem Mund Wasser meterweit um sich spritzt. So beliebt ist der Schängel bei den Einheimischen, dass er auch sämtliche Gullideckel der Stadt ziert. Ein Parkhaus in der Stadt heißt zudem Schängel-Center. Laut offizieller Stadt-Website steht die Figur für Witz, Schlagfertigkeit und rheinische Lebensart.
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Eine Mitarbeiterin der örtlichen Touristeninformation sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Neben der Festung Ehrenbreitstein, dem Deutschen Eck und dem Kaiserdenkmal ist der Schängelbrunnen ein wichtiges Wahrzeichen unserer Stadt. Er gehört zu jeder Stadtführung dazu, und wir Koblenzer sind stolz auf ihn.“ Die Figur sei ein Lausbub im positiven Sinn, und es würde auch oft nach dem Brunnen gefragt. Wer keine Zeit für eine Führung hat, könne sich vor Ort auch einen Stadtplan holen, auf dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind. Im Winter sei der Brunnen allerdings aus Sicherheitsgründen abgestellt. Im Übrigen habe sich noch nie jemand beschwert, vom Schängel nassgemacht worden zu sein.