20. Januar 2026, 14:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Nahe dem brandenburgischen Rheinsberg kann man einen äußerst ungewöhnlichen Ort besuchen. Nämlich das erste Atomkraftwerk der ehemaligen DDR, das bereits vor mehr als 30 Jahren vom Netz genommen wurde. TRAVELBOOK verrät, was Besucher bei den Führungen erwartet und warum es überhaupt möglich ist, diese mitzumachen.
Die brandenburgische Kleinstadt Rheinsberg ist wegen ihrer Schönheit ein beliebtes Ausflugsziel, besonders bei Hauptstädtern, aber auch bei Urlaubern aus ganz Deutschland. Das örtliche Schloss, die Marina und Naturperlen wie der Zechliner See oder der schon von Theodor Fontane beschriebene Stechlinsee sind die Ziele, die wohl den meisten als erstes für einen Besuch in den Sinn kommen würden. Doch es gibt dort auch einen Ort, an dem man eine eher ungewöhnliche Führung mitmachen kann. Und zwar im vor mehr als 30 Jahren stillgelegten Atomkraftwerk Rheinsberg. TRAVELBOOK hat vor Ort nachgefragt und verrät, was Sie dabei erwartet.
Doch der Reihe nach: Laut der offiziellen Tourismuswebsite des Landes Brandenburg begann der Bau des Atomkraftwerks Rheinsberg im Jahr 1960. Sechs Jahre später ging es unter dem Namen „VE Kombinat Kernkraftwerke ‚Bruno Leuschner‘ Greifswald/Betriebsteil KKW Rheinsberg“ in Betrieb. Es war damit das allererste Kernkraftwerk überhaupt, das die ehemalige DDR ans Netz bringt. Mit einer Produktion von bis zu 70 Megawatt kann es damals eine Stadt wie Potsdam mit Strom versorgen. Zudem dient der Betrieb auch als Forschungseinrichtung und Ausbildungsstätte für andere Atom-Meiler. Die 650 Menschen, die dort arbeiteten, lebten in einer eigenen Wohnsiedlung.
Der Rückbau verzögert sich
Doch nach der Wende wird das Atomkraftwerk Rheinsberg im Jahr 1990 stillgelegt. 1995 beginnt dann der Rückbau der Anlage durch die EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH, eine Tochter des Bundesfinanzministeriums und zu hundert Prozent aus Steuergeldern finanzierte Firma. Die Arbeiten sollten laut „RBB“ eigentlich bereits 2014 abgeschlossen sein, verzögern sich jedoch durch unvorhergesehene Komplikationen und auch rechtliche Auseinandersetzungen auf unbestimmte Zeit – laut aktueller Planung ist der Abschluss nun für die Mitte der 2040er Jahre vorgesehen.
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Diesem Umstand aber ist es zu verdanken, dass man in dem stillgelegten Atomkraftwerk in Rheinsberg und auch im ebenfalls inaktiven Meiler in Greifswald heute die ungewöhnlichen Führungen mitmachen kann. Angeboten werden diese von der EWN. Ein Sprecher des Unternehmens sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Bereits seit 1990 kann man die Touren in Rheinsberg mitmachen. In Greifswald wurden sie im Rahmen der Expo 2000 eingerichtet.“ Das Angebot sei sehr nachgefragt, das Interesse an den Führungen deutlich höher als das, was man überhaupt anbieten könne. Dennoch fänden die Touren in Rheinsberg zwei- bis dreimal die Woche statt, in Greifswald in der Regel sogar täglich.
Das Gehirn des Kernkraftwerks
„Ehemalige Mitarbeiter führen hier die Gäste ehrenamtlich über das Gelände. Dabei kann man vieles sehen, was man bei einem Atomkraftwerk in Betrieb niemals sehen dürfte.“ So könnten die Gäste zum Beispiel einmal direkt in den Reaktorschacht schauen und verschiedene Kontrollräume sowie die Schaltzentrale besuchen. Auch könne man die sogenannten Blockwarte sehen. „Das ist sozusagen das Gehirn eines jeden Kernkraftwerks.“ Der Hintergedanke bei den Führungen sei unter anderem, den Menschen vor Ort verständlich zu machen, in welcher Weise man hier ihr Steuergeld investiere.
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Bezüglich des Voranschreitens des Rückbaus heißt es: „So lange es Interesse an den Führungen gibt, werden wir diese auch weiterhin anbieten.“ Festes Schuhwerk und bequeme Kleidung, mehr sei für die Teilnahme nicht nötig. Gäste müssen aber über 14 Jahre alt sein und sich vorab für die Touren bei der EWN (telefonisch) anmelden. Zudem ist das Mitführen eines Ausweisdokuments vonnöten, da ansonsten der Zutritt verweigert wird. Die Tour im Atomkraftwerk Rheinsberg ist zudem nicht barrierefrei. Die maximale Gruppengröße für eine Führung sind 15 Personen, die Teilnahme ist kostenlos.