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Der Monte Kali: Der skurrilste „Berg“ Deutschlands

Gigantische Abraumhalde

Der Monte Kali – der größte künstliche Berg Deutschlands

Sieht aus wie ein Berg, ist aber in Wahrheit eine riesige Abraumhalde. Der Monte Kali in Hessen ist heute trotzdem eine überregionale Berühmtheit
Sieht aus wie ein Berg, ist aber in Wahrheit eine riesige Abraumhalde. Der Monte Kali in Hessen ist heute trotzdem eine überregionale BerühmtheitFoto: picture alliance / dpa | Uwe Zucchi

Nahe der kleinen hessischen Stadt Heringen erhebt sich mit dem Monte Kali der größte künstliche Berg Deutschlands. Es handelt sich bei ihm um eine gewaltige Abraumhalde – und die wächst immer noch jeden Tag auf schwindelerregende Weise an.

Wer in Hessen in der Nähe der Kleinstadt Heringen unterwegs ist, dessen Blick wird eher früher als später unweigerlich an einem Giganten hängen bleiben. Auch von der Autobahn erblickt man ihn, weithin sichtbar ragt er wie eine Fata Morgana aus dem ansonsten flachen Land. Ein Berg, würde wohl der erste Eindruck sagen, doch der Monte Kali ist in Wahrheit etwas anderes: eine gigantische Abraumhalde.

Wie der Autor Daniel Wiechmann in seinem Buch „Der verrückteste Reiseführer Deutschlands“ erklärt, wird in der Gegend um Heringen bereits seit 1976 reines Kalisalz abgebaut. Dessen Abfallprodukte schichteten sich mit den Jahren nach und nach zu dem „Berg“ auf, der heute als Monte Kali auch überregional berühmt ist. Streng genommen ist die Erhebung, die auch liebevoll „Kalimandscharo“ genannt wird, also nichts anderes als ein Müllberg. Aber wohl der spektakulärste Deutschlands.

Jeden Tag wächst der Monte Kali um 20.000 Tonnen

Mehr als 500 Meter über dem Meeresspiegel ragt der Monte Kali laut der Seite des nahen „Kalimuseums“ mittlerweile in die Höhe. Und wächst auch heute noch täglich auf geradezu schwindelerregende Weise an. Beziehungsweise sogar stündlich, denn alle 60 Minuten werden hier rund 1000 Tonnen Kalisalz-Abfälle aufgeschichtet. Rechnet man die Betriebspausen heraus, so gewinnt der Berg an jedem Arbeitstag gut 20.000 Tonnen Gewicht.

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Seine aktuelle Masse beträgt circa 236 Millionen Tonnen. Jedes Jahr kommen zusammengerechnet 7,2 Millionen Tonnen hinzu. Diese unvorstellbaren Mengen haben den Monte Kali auf seine aktuelle Höhe von etwa 520 Metern anwachsen lassen. Und ein Ende des Giganten ist in naher Zukunft nicht absehbar. Laut „Süddeutsche“ soll die Kaliförderung durch den ehemaligen Dax-Konzern K+S hier noch bis über das Jahr 2060 weitergehen. Erst 2020 hatte man eine Halden-Erweiterung von 25 Hektar genehmigt.

So schwer wie 23.600 Eiffeltürme

Wiechmann zufolge ist der Monte Kali so groß wie 114 Fußballfelder und so schwer wie 23.600 Eiffeltürme. Für die Gegend ist der weiße Riese ein enorm wichtiger Trumpf, schafft er doch mehrere tausend Arbeitsplätze in der Region. Das Werk beim Monte Kali fabriziert mehr als 20 Produkte mit dem Kalisalz, etwa Düngemittel und Industriegrundstoffe. Und immer wichtiger ist der „Kalimandscharo“ auch als Faktor im lokalen Tourismus.

Denn längst kann man mehrmals die Woche gebuchte Führungen auf den Monte Kali mitmachen, der Aufstieg dauert je nach Kondition etwa 15 Minuten. Sein Gipfelplateau hat eine Fläche von etwa 23 Hektar. Von oben reicht der Blick dann laut der Seite der Stadt Heringen über das gesamte Werratal bis in die Rhön und den Thüringer Wald.

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Der Bergbau als Umweltschädling

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Doch so sehr Einheimische und immer mehr Touristen den Monte Kali auch schätzen, der Bergbau hat in der Region enorm viel Schaden angerichtet. So stand die Werra zeitweise im Fokus als salzigster Fluss Europas. Die Industrie versenkte hier unterirdisch jährlich mehrere Millionen Kubikmeter Salzlauge, von wo aus sie ins Grund- und Flusswasser gelangen konnten. Auch den Böden schadete die Einleitung stark.

Nachdem die thüringische Kleinstadt Gerstungen deshalb sogar vor das Kasseler Verwaltungsgericht gezogen war, entspannte sich die Lage in den vergangenen Jahren zumindest ein wenig. Der „Süddeutschen“ zufolge flossen bis Ende 2021 zwar immer noch etwa 5 Millionen Kubikmeter Salzabwässer pro Jahr in den Boden. 2007 aber waren es noch 14 Millionen Kubikmeter. Mittlerweile ist Schluss mit der umweltschädlichen Verklappung. Zumindest offiziell. So ist auch der Monte Kali auf dem Weg, sein nicht nur positives Image weiter aufzupolieren. Und vielleicht wird er ja von kommenden Generationen einst nur noch als das wahrgenommen werden, was er eigentlich jetzt schon ist: Deutschlands wohl skurrilster „Berg“.

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