Riesiges Flugzeug im Wüstensand

Die tragische Geschichte dieses Google-Maps-Fotos

Das Flugzeug-Denkmal mit einem Durchmesser von 80 Metern ist nur mit den Satellitenaufnahmen von Google Maps komplett zu sehen und wird dadurch für Millionen von Menschen sichtbar. Die Form des Monument erinnert an einen Kompass, wofür auch die exakte Ausrichtung nach Norden spricht Sie waren schon einmal dort? Dann teilen Sie hier Ihre Eindrücke!
Das Flugzeug-Denkmal mit einem Durchmesser von 80 Metern ist nur mit den Satellitenaufnahmen von Google Maps komplett zu sehen und wird dadurch für Millionen von Menschen sichtbar. Die Form des Monument erinnert an einen Kompass, wofür auch die exakte Ausrichtung nach Norden spricht Sie waren schon einmal dort? Dann teilen Sie hier Ihre Eindrücke!
Foto: Google Maps
Ein Soldat blickt am 21. September 1989, drei Tage nach dem Anschlag, auf das Flugzeugwrack der französischen Maschine in der Ténéré-Wüste
Ein Soldat blickt am 21. September 1989, drei Tage nach dem Anschlag, auf das Flugzeugwrack der französischen Maschine in der Ténéré-Wüste
Foto: Getty Images
Viele einheimische Tuareg halfen bei der Bergung der Wrackteile der französischen Maschine in der nigrischen Sahara
Viele einheimische Tuareg halfen bei der Bergung der Wrackteile der französischen Maschine in der nigrischen Sahara
Foto: Getty Images
In mit Beton gefüllte quadratische Holzkästen wurden Spiegel eingebettet (links), die von Hand zerbrochen wurden. Insgesamt sind es 170 Kästen, die den gesamten Kreis rahmen – einer für jedes Opfer (rechts)
In mit Beton gefüllte quadratische Holzkästen wurden Spiegel eingebettet (links), die von Hand zerbrochen wurden. Insgesamt sind es 170 Kästen, die den gesamten Kreis rahmen – einer für jedes Opfer (rechts)
Foto: ©Guillaume Denoix de Saint Marc and Jerome Carret
Helfer bargen 16 Kilometer vom Denkmal entfernt den Steuerbordflügel aus dem Sand und integrierten ihn in das Mahnmal...
Helfer bargen 16 Kilometer vom Denkmal entfernt den Steuerbordflügel aus dem Sand und integrierten ihn in das Mahnmal...
Foto: ©Guillaume Denoix de Saint Marc and Jerome Carret
Als Gedenktafel an der Nordseite des Monuments trägt er alle 170 Namen der Opfer. 155 Passagiere und 15 Crewmitglieder verloren hier das Leben. Unter den Opfern waren auch die Frau des französischen Tennisstars Éric Deblicker, ein tschadischer Minister und die Frau des US-Botschafters im Tschad
Als Gedenktafel an der Nordseite des Monuments trägt er alle 170 Namen der Opfer. 155 Passagiere und 15 Crewmitglieder verloren hier das Leben. Unter den Opfern waren auch die Frau des französischen Tennisstars Éric Deblicker, ein tschadischer Minister und die Frau des US-Botschafters im Tschad
Foto: ©Guillaume Denoix de Saint Marc and Jerome Carret
Auf einer Luftaufnahme vom 28.1.2014, beinahe 7 Jahre nach dem Aufbau, ist das Denkmal wieder größtenteils vom Wüstensand bedeckt Sie waren schon einmal in der nigrischen Sahara? Dann laden Sie hier ihre Fotos hoch!
Auf einer Luftaufnahme vom 28.1.2014, beinahe 7 Jahre nach dem Aufbau, ist das Denkmal wieder größtenteils vom Wüstensand bedeckt Sie waren schon einmal in der nigrischen Sahara? Dann laden Sie hier ihre Fotos hoch!
Foto: Getty Images
Das Wüsten-Denkmal mit dem markant aus dem Sand ragenden Steuerboardflügel erinnert gebührend an die Insassen des Fluges UTA-772, die am 19. September 1989 einem Terroranschlag zum Opfer fielen
Das Wüsten-Denkmal mit dem markant aus dem Sand ragenden Steuerboardflügel erinnert gebührend an die Insassen des Fluges UTA-772, die am 19. September 1989 einem Terroranschlag zum Opfer fielen
Foto: © Aviation sans Frontières & Sahara Conservation Fund


Es ist so groß, dass es nur mit Satellitenaufnahmen komplett zu sehen ist: Mitten in der Wüste im afrikanischen Staat Niger zeichnet sich der Umriss eines riesigen Flugzeugs im Sand ab. TRAVELBOOK erzählt die tragische Geschichte, die hinter der außergewöhnlichen Google-Maps-Aufnahme steckt.

Es war der 19. September 1989, als Flug 772 der französischen Fluglinie UTA  („Union de Transports Aériens“) auf dem Weg von Brazzaville im Kongo nach Paris war. Doch die DC-10-Maschine kam nie in Frankreich an und stürzte in der Ténéré-Wüste unweit der Oase Bilma im Niger ab.

Sechs libysche Terroristen ließen bereits kurz nach dem Start des Zwischenstopps in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena eine Kofferbombe mit Zeitzünder detonieren. Der Terroranschlag kostete 155 Passagiere und 15 Crewmitglieder das Leben. Unter den Opfern waren auch die Frau des französischen Tennisstars Éric Deblicker, ein tschadischer Minister und die Frau des US-Botschafters im Tschad.

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150 Helfer in 2 Monaten

18 Jahre nach dem tragischen Unglück fassten die Angehörigen der Opfer den Entschluss, genau an diesem Ort eine Gedenkstätte zu errichten und gründeten die Stiftung „Les Families de l’Attentat du DC-10 d’UTA“. Im Mai und Juni des Jahres 2007 kamen dann fast 150 Helfer zusammen, darunter auch viele einheimische Tuareg, um ein Terror-Mahnmal zu schaffen, das die ganze Welt sehen sollte.

Zunächst ordneten sie dunkle Steine im Kreis mit einem Durchmesser von 80 Metern an. Da die Stätte mitten in der Sahara liegt, schafften sie das dunkle Gestein aus einem circa 70 Kilometer entfernten Ort herbei. Den gesamten Kreis rahmen 170 zerbrochene Spiegel, symbolisch für jedes Opfer. Sie füllten ihn so mit Steinen aus, dass die freie Sandfläche die Umrisse eines Flugzeugs bildet. Außerdem formen die Steine etwas außerhalb drei Kondensstreifen: Sie erwecken den Eindruck, als würde die Maschine durch den Wüstensand fliegen oder auch einen riesigen Schatten werfen.

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Bis heute bekennt sich niemand zu dem Anschlag

Die sechs Hauptverdächtigen des Bomben-Attentats wurden 1999 von den französischen Behörden für schuldig befunden, sind aber bis heute nicht von Libyen ausgeliefert worden. Die Regierung streitet die Verantwortung für den Anschlag weiterhin ab. Zudem gibt es Hinweise auf den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi als Drahtzieher des Terrorakts. Dieser könnte den Anschlag als Vergeltung für seine Niederlage im Libysch-Tschadischen Krieg gesehen haben, die er der Unterstützung des Tschad durch die USA und Frankreich zuschrieb.

2004 bot Gaddafi an, die Familien der Opfer aus einer Stiftung zu entschädigen, allerdings war es in ihren Augen Blutgeld, das sie keinesfalls annehmen wollten. Anschließend klagten Angehörige der US-amerikanischen Opfer erfolgreich vor einem US-Gericht und erhielten 2008 von Libyen einen 1,5 Milliarden-Dollar-Fonds, der bis heute Opfer von libyschen Terrorakten entschädigt. Das Monument im Niger wurde teilweise mit diesem Vergütungspaket der libyschen Regierung finananziert.

Auf der aktuellsten Google-Maps-Aufnahme (Koordinaten:16°51’52.87“ N, 11°57’14.18“ O) sieht man, dass das Monument zum Teil wieder von Sand bedeckt ist: