24. November 2025, 15:05 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Das schleswig-holsteinische Gotteshaus St. Marien in Lübeck hat einen ganz besonderen „Schutzpatron“. Denn seit 1999 ziert eine bronzene Teufelsfigur einen Stein die Fassade. Diese erinnert an eine beliebte Lübecker Legende, laut derer Luzifer höchstpersönlich beim Bau der „Teufels-Kirche“ geholfen haben soll. Auch wegen des Mini-Satan ist die Kathedrale heute eine beliebte Touristenattraktion der Stadt.
Viele der Menschen, die heute die Kirche St. Marien im schleswig-holsteinischen Lübeck besuchen, haben wohl etwas Ungewöhnliches im Sinn. Nämlich ein Treffen mit dem Teufel höchstpersönlich. Gemeint ist natürlich nicht die biblische Gestalt, sondern ein beliebtes Abbild von ihr. Seit 1999 hockt nämlich vor der „Teufels-Kirche“ ein kleiner, lachender Luzifer aus Bronze, der sich bei Einheimischen wie auch Touristen großer Beliebtheit erfreut. Er erinnert an eine alte Stadt-Legende, denn niemand anders als der Leibhaftige soll damals beim Bau des Gotteshauses geholfen haben.
Die Geschichte von St. Marien beginnt laut der offiziellen Tourismus-Seite der Stadt bereits im Jahr 1160. Damals wird Lübeck zur Bischofsstadt, nur drei Jahre später weiht man den ersten Dom. Im 13. Jahrhundert dann verheert ein Brand große Teile von Lübeck, und auch das Gotteshaus muss wieder aufgebaut werden. Und für diese Aufgabe sollen sich die Bewohner der Stadt übernatürliche Hilfe geholt haben. Demnach konnten sie den Fürsten der Finsternis überreden, beim Bau der „Teufels-Kirche“ zu helfen. Und das gelang ihnen mit einer raffinierten List.
Eine Figur erinnert an die Legende
Sie behaupteten nämlich Luzifer gegenüber, sie würden überhaupt keine Kathedrale bauen. Sondern ein Wirtshaus. Das klang ganz nach des Teufels Geschmack, und so packte er tatkräftig mit an. Erst zum Ende der Bauzeit erkannte er dann aber, dass man ihn hereingelegt hatte. Darüber geriet er so in Rage, dass er einen großen Stein ergriff, um die „Teufels-Kirche“ wieder zu zerstören. Glücklicherweise konnte ihn aber ein Handwerkergeselle in letzter Sekunde mit dem Versprechen besänftigen, ihm nun doch noch ein Wirtshaus zu bauen. Und diesmal hielten die Lübecker tatsächlich Wort.
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Denn ganz in der Nähe von St. Marien findet sich auch heute noch der Ratskeller. Leider musste das beliebte Gasthaus im Februar 2025 laut den „Lübecker Nachrichten“ Insolvenz anmelden, aber zu damaliger Zeit war Luzifer mit „seiner“ Schankstube der Legende nach wohl hochzufrieden. Und an diese Geschichte erinnert vor der „Teufels-Kirche“ seit 1999 eben eine kleine bronzene Figur des Uriel. Erschaffen hat sie der Lübecker Künstler Rolf Görler, und die Version eines niedlichen, lachenden Teufels ist seitdem ein absoluter Publikumsliebling geworden.
Beliebtes Maskottchen
Und noch eine andere skurrile Geschichte, diese tatsächlich verbürgt, rankt sich um die „Teufels-Kirche“. Laut offizieller Website des Gotteshauses wurde dieses in der Nacht vom 28. auf den 29. März 1942 bei einem britischen Bombenangriff schwer beschädigt. Der Brand förderte aber auch etwas Erstaunliches zutage. Durch die Hitze platzte nämlich der Putz ab und legte die ursprüngliche, mittelalterliche Bemalung frei. Bei deren Wiederherstellung machte sich der Restaurator Lothar Malskat einen zweifelhaften Namen, weil er einfach Figuren frei erfand, die es ursprünglich niemals gegeben hatte. Er zeigte sich schließlich selbst an und wurde durch den Skandal zum Medienstar.
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Heute lieben sowohl Lübecker als auch Touristen ihren kleinen Luzifer vor der „Teufels-Kirche“. Davon zeugen etliche Kommentare auf Google zu der ungewöhnlichen Statue. So schreibt ein Nutzer: „Kein Besuch in Lübeck ohne Teufel“. Ein zweiter meint: „Ein freundlicher Teufel, der gerne für ein Selfie zur Verfügung steht“. Ein Dritter kommentiert: „Damit das Teufelchen sich im Winter keine kalten Füße holt, haben ihm die Lübecker dicke Socken angezogen“. Angeblich soll es Glück bringen, Luzifers Hörner zu reiben, weshalb sie aktuell auch schon etwas „abgenutzt“ wirken.
Eine Sprecherin der Lübecker Touristeninformation sagt auf TRAVELBOK-Anfrage: „Der Teufel gilt auch als eine Art Glücksbringer, deshalb sind seine Hörner mittlerweile komplett blank geputzt.“ Sagen und Geschichten wie die um die „Teufels-Kirche“ seien bei Besuchern der Stadt sehr beliebt. Und an diesen ist die Kirche St. Marien reich, denn es gibt hier sogar noch zwei weitere bekannte und beliebte Figuren. Eine davon ist eine steinerne Maus in einem Pfeiler innerhalb der Kirche, eine zweite das sogenannte „Steinalt-Männchen“ in einem Dachpfeiler. Was es mit diesen Legenden auf sich hat, finden Sie aber bei einem Besuch am besten selbst heraus.