22. Mai 2026, 10:12 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Der Wind rauscht durch die Bäume, oft liegen das Meer, Wälder oder Parks ganz in der Nähe – und mittendrin steht eine einsame Telefonzelle. Doch gewöhnlich ist sie auf keinen Fall: Die sogenannten Windtelefone haben keinen Anschluss, die Anrufe verlaufen ins Leere. Trotzdem werden sie von vielen Menschen genutzt. TRAVELBOOK erklärt, was hinter dem besonderen Phänomen steckt.
Ein kleiner, geschützter Raum, oft ausgestattet mit Notizblock, Stift und einem Telefon mit Wahlscheibe. An das Telefonnetz angeschlossen ist es allerdings nicht. Die sogenannten Windtelefone stehen an Orten wie Parks, Friedhöfen oder Küsten und sind für viele Menschen ein wichtiger Ort der Trauerbewältigung.
Das steckt hinter den Windtelefonen
Die sogenannten Windtelefone, auf Japanisch „Kaze no denwa“, stammen ursprünglich aus Japan. Der Künstler und Gartendesigner Itaru Sasaki stellte eine ausrangierte Telefonzelle in seinem Garten in der Stadt Otsuchi auf, nachdem sein Cousin gestorben war.
Das Telefon sollte ihm helfen, mit der Trauer umzugehen und symbolisch weiter mit dem Verstorbenen zu sprechen. Der Name „Windtelefon“ spielt dabei auf die Idee an, dass die gesprochenen Worte vom Wind weitergetragen werden.
Als 2011 ein schweres Erdbeben und der darauffolgende Tsunami den Nordosten Japans erschütterten, bekam das Windtelefon eine noch größere Bedeutung. Sasaki stellte die Telefonzelle auf einem Hügel mit Blick auf den Pazifik am Fuße des Kujira-Yama auf, wie „Windtelefon.de“ berichtet. Dort sollten Hinterbliebene einen geschützten Ort finden, um Gedanken, Sorgen und letzte Worte auszusprechen.
Das Prinzip des Windtelefons verbreitete sich durch persönliche Geschichten und Medienberichte schnell international. Mittlerweile stehen die besonderen Telefonzellen in zahlreichen Ländern weltweit – von Japan über die USA bis nach Deutschland. Laut der Plattform „My Wind Phone“, die Standorte von Windtelefonen sammelt, gibt es inzwischen Hunderte solcher Orte der Erinnerung.
Ein solches Windtelefon steht beispielsweise auf dem Hauptfriedhof in Kassel. Dort können Besucher innehalten, zum Hörer greifen und Worte aussprechen, die sie verstorbenen Angehörigen gern noch mit auf den Weg geben würden. Außerdem liegen Gästebücher aus, in denen viele persönliche Erinnerungen, Botschaften und letzte Worte hinterlassen. Gedacht sind die Windtelefone zwar vor allem als Ort der Trauerbewältigung. Sie können aber auch genutzt werden, um persönliche Sorgen oder belastende Gedanken loszuwerden.
An diesen Orten in Deutschland gibt es Windtelefone
- Kassel – Hauptfriedhof Kassel
- Paderborn – Hauptfriedhof auf dem Dören
- Bad Homburg – Walfriedhof Bad Homburg v.d. Höhe
- Offenbach – Sana-Klinikum