Immer wieder sorgen Filme, Serien oder Social Media dafür, dass bislang kaum bekannte Reiseziele plötzlich zum Touristenmagneten werden. Genau das passiert derzeit auf der schottischen Insel Ulva. Seit einem TV-Bericht erlebt das kleine Eiland vor der Westküste einen unerwarteten Besucheransturm – mit Folgen für die wenigen Einwohner. Warum die Insel nun zu einer ungewöhnlichen Maßnahme greift, verrät TRAVELBOOK.
Ulva liegt in den Inneren Hebriden vor der Westküste Schottlands. Das rund 20 Quadratkilometer große Eiland vor der Isle of Mull ist nur per Fähre erreichbar und vor allem für seine Wanderwege, die geringe Besiedlung sowie Relikte vergangener Zeiten bekannt – darunter eine Steinzeithöhle. Während auf Ulva bis vor Kurzem noch vergleichsweise wenige Besucher unterwegs waren, fand der sanfte Naturtourismus Anfang des Jahres ein abruptes Ende.
Der Auslöser für den Tourismusboom
Grund dafür ist eine Dokumentation des Senders „BBC Scotland“ über den australischen Innendesigner Banjo Beale und seinen Ehemann. In der sechsteiligen Reihe machen es sich die beiden zur Aufgabe, das historische Herrenhaus „Ulva House“ auf der Insel zu restaurieren und in ein Boutique-Hotel umzubauen. Obwohl das Hotel bislang noch nicht für Gäste geöffnet hat, weckte die Sendung großes Interesse an der abgelegenen Insel und lockte zahlreiche Besucher an.
Um Natur und Infrastruktur zu entlasten, wird der Zugang zur Insel künftig eingeschränkt Foto: picture alliance / imageBROKER
Auf diesen Ansturm war die Insel mit ihren rund 16 Einwohnern offenbar nicht vorbereitet. Die touristische Infrastruktur ist überschaubar: Neben dem Restaurant „The Boathouse“ gibt es auf Ulva kaum Angebote für Gäste, Besucherunterkünfte sind begrenzt. Die kleine Personenfähre, die Urlauber auf die Insel bringt, war in den vergangenen Monaten zudem regelmäßig restlos ausgelastet. Entsprechend schlugen die Inselbewohner und die Fährbetreiber Alarm.
Wie die britische Zeitung „The Sun“ berichtet, begründete die Ulva Ferry die Entscheidung mit dem unerwartet hohen Besucheraufkommen. In einem Beitrag in den sozialen Medien erklärten die Betreiber, niemand habe mit einem derart starken Anstieg der Gästezahlen gerechnet. Deshalb werde die Fährverbindung während der Sommermonate sonntags ausgesetzt. So sollen die Fährmitarbeiter, das Inselrestaurant und die Bewohner Zeit zum Durchatmen bekommen und sich auf die kommende Woche vorbereiten können.
Für Reisende bedeutet die Regelung, dass die Personenfähre in den Sommermonaten sonntags nicht verkehrt. Wer bereits eine Unterkunft auf der Insel für einen Sonntag gebucht hat, soll laut den Betreibern dennoch eine Überfahrt erhalten.
Lange Zeit schrumpfte Ulva
Das Kuriose: Noch vor wenigen Jahren war auf Ulva nicht der Tourismus, sondern die sinkende Einwohnerzahl das größte Problem. Bis 2018 lebten nur noch fünf bis sechs Menschen dauerhaft auf der Insel. Nach Jahrzehnten der Abwanderung gelang es den Bewohnern gemeinsam mit der Nachbargemeinschaft auf Mull schließlich, die Insel von einem privaten Eigentümer zurückzukaufen und neue Perspektiven zu schaffen. Dass die kleine Insel nicht auf einen solchen Besucheransturm vorbereitet war, überrascht daher kaum.
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