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Weitverzweigtes Wegenetz durch die Metropole

Berliner Wanderwege bieten Erholung und Abenteuer

„Grüne Hauptwege“
In Berlin gibt es sehr viel Stadtnatur. Dank des Programms „Grüne Hauptwege“ kann man sie, wie hier im Grunewald, erwandern. Foto: picture alliance / Caro
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

17. April 2026, 10:11 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Berlin ist eine der angesagtesten Metropolen weltweit – aber hätten Sie gewusst, dass sie auch die Herzen von Wanderfreunden höher schlagen lässt? Diese finden hier dank des vom Berliner Senat entwickelten Konzepts „Grüne Hauptwege“ bereits seit mehr als 30 Jahren ein weitverzweigtes Netz an Wanderwegen vor, das sich über die gesamte Stadtfläche zieht.

Na klar, Berlin ist eine der weltweit angesagtesten Metropolen – aber hätten Sie gewusst, dass man hier auch eine der grünsten Städte überhaupt findet? Tatsächlich verteilen sich auf das gesamte Stadtbild mehr als 10.700 Hektar Grünflächen. Das sind fast 11 Prozent des Gebietes von Berlin. Erholung in der Natur ist hier auch dank des flächendeckenden Angebots an öffentlichem Nahverkehr niemals weit entfernt. Doch was wohl nicht viele bislang wissen dürften: Berlin ist auch eine Hauptstadt für Wanderfreunde. Dafür sorgt ein sich weitverzweigtes, vielseitiges Wegenetz namens „Grüne Hauptwege“ bereits seit mehr als 30 Jahren. Dank diesem kann man die City ganz wunderbar zu Fuß erleben.

Zu verdanken ist das Konzept „Grüne Hauptwege“ der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Bereits 1994 entstand hier erstmals die Idee, die Stadt für Einheimische wie Besucher gleichermaßen zu Fuß erlebbar zu machen. Heute gibt es 20 dieser Pfade, die auf einer Gesamtstrecke von etwa 575 Kilometern quer durch ganz Berlin führen. Dieses Angebot ist nur möglich dank Partnerschaften, zum Beispiel mit dem Berliner Wanderverband e.V. und dem Verein Fuss e. V. Deren Freiwillige kümmern sich um die Markierung der Wege, und gaben in der Vergangenheit auch beim Routenverlauf Anregungen. Zusätzlich geben sie dem Senat Hinweise, wo die Wege Schäden oder Baustellen aufweisen. In jedem Bezirk, und nicht selten auch über deren Grenzen hinaus, kann man so ganz schnell raus in die Berliner Stadtnatur.

Vielfältig und abwechslungsreich

„Grüne Hauptwege“
Auch durch den Tiergarten führt einer der „Grünen Hauptwege“ Foto: picture alliance / Joko

Dabei könnten die Wanderwege vielfältiger und abwechslungsreicher kaum sein. Sieben Kilometer Strecke hat der kürzeste der 20 Hauptstadt-Pfade, 63 Kilometer ist man auf dem längsten unterwegs. Katrin Rittel betreut das Projekt „Grüne Hauptwege“ seit Ende 2020 als Sachbearbeiterin für Gesamtstädtische Landschaftsplanung. Auf TRAVELBOOK-Anfrage sagt sie: „Unser Wunsch war es, den Menschen Berlin von einer anderen, grünen Seite zu zeigen. Die Vielfalt unserer Stadt soll durch unterschiedliche Wege und Landschaftsbilder erfahrbar werden.“ Das Projekt „Grüne Hauptwege“ sei aber eigentlich nicht als touristisches Lockmittel gedacht gewesen. Sondern ursprünglich eher als Angebot an die Berliner selbst, auf entspannende und naturnahe Art Alltagswege zu ermöglichen.

Mittlerweile nutzen auch Touristen aus aller Welt gerne vor allem die zentrumsnahen Wege. Um diese bekannter zu machen, investiert Berlin auch in Werbemittel. So liegen zum Beispiel am Flughafen BER und am Hauptbahnhof für Gäste „Grüne Hauptwege“-Flyer bereit. Auch die Tourismusinformationen der einzelnen Bezirke haben sie im Angebot. Digital affine Wanderfreunde können die Wegbeschreibungen zu den einzelnen Touren als GPX- und KMZ-Daten auf der Website der Senatsverwaltung für ihre mobilen Endgeräte downloaden. Auch ganz klassisch als PDF-Datei und somit zum Ausdrucken auf Papier sind diese aber verfügbar. Zudem ist im Dr. Barthels Verlag die mittlerweile dritte Auflage des Buches „Berlin und Umgebung – Ausflüge zu den Berliner Sehenswürdigkeiten“ erhältlich, inklusive der entsprechenden Wanderkarten.

Wald, Wasser und Historisches

Aktuell gibt es Bemühungen, die Beschilderung für das Streckennetz „Grüne Hauptwege“ noch intuitiver zu machen. Auf vielen Strecken findet man noch alte, blau-weiße Klebe- bzw. Farbmarkierungen. Teilweise aber sind diese kaum noch sichtbar, mitunter bis zur Unkenntlichkeit ausgebleicht. Nach und nach sollen dann alle 20 Wege mit einer informativeren Beschilderung ausgestattet sein. Diese zeigen unter anderem die Kilometerangaben und Distanzen zu einzelnen Weg-Höhepunkten. An manchen Hauptstadt-Wanderwegen sind sie bereits jetzt zu finden. Das Logo ist der Berliner Bär, mit Wanderstock und Rucksack. „Bei so einer Strecke muss man ja nicht nur Anfang und Ende planen, sondern auch attraktive Zwischenziele“, so Rittel. Die neuen Schilder weisen daher mitunter auch auf Besonderheiten leicht abseits des eigentlichen Tourverlaufs hin.

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Eine Genuss-Route für Naturfreunde ist beispielsweise der „Havelseenweg“, der die Markierung mit der Nummer 12 trägt. Auf diesem durchquert man von Steglitz-Zehlendorf über Charlottenburg-Wilmersdorf nach Spandau auf 28 Kilometern gleich drei besonders grüne Bezirke. Die Strecke führt zum Beispiel vorbei am historischen Strandbad Wannsee. Stets entlang des Wassers wandert man auf baumbeschatteten Pfaden lange Zeit durch den Grunewald. Dabei kann man nicht selten einmalige Aussichten über den Wannsee und die Havel genießen. Ein zusätzliches Plus sind die zahlreichen Möglichkeiten, in einer der vielen Buchten ein Bad zu nehmen. Und obwohl man sich mitten in der Natur befindet, ist auch hier die nächste Bushaltestelle nie weiter als ein paar Gehminuten entfernt.

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Außenbezirke und City-Center

„Grüne Hauptwege“
Grün und gleichzeitig urban: Berlins „Grüne Hauptwege“ verbinden beides, wie hier im Regierungsviertel nahe des Hauptbahnhofs Foto: picture alliance / imageBROKER

Denn die Buslinie 218 durchquert den Grunewald bis hin zur Pfaueninsel, mitunter sogar in einem der historischen Busse. Unterwegs gibt es zahlreiche Einkehrmöglichkeiten. Eine findet man am Grunewaldturm, von dem sich auch die vielleicht beste Aussicht auf Berlins Stadtnatur genießen lässt. Das Restaurantschiff „Alte Liebe“ ist ein ganz besonderes und einzigartiges Lokal entlang der Strecke. Im Naturschutzgebiet Tiefwerder Wiesen kann man mit etwas Glück zahlreiche Vogelarten und vielleicht sogar den Biber beobachten. Die Route „Grüne Hauptwege Nummer 12“ führt dann entlang einer eher städtisch ausgeprägten Promenade zunächst in Richtung der Altstadt von Spandau. Weitere Highlights sind die historische Insel Eiswerder und die Badestelle Bürgerablage. Der Weg endet kurz vor der Stadtgrenze von Berlin zu Hennigsdorf.

Mitunter muss sich der Wandernde jedoch auch entlang von zum Teil stark befahrenen Straßen bewegen. Auch Touren durch das City-Center auf asphaltierten Wegen gehören zum Programm „Grüne Hauptwege“. Der Spreeweg (Wegnummer 1) zum Beispiel führt unter anderem durch den Großen Tiergarten und das Regierungsviertel. Auch die East Side Gallery, einen Teil der ehemaligen Berliner Mauer, bekannt wegen ihrer spektakulären Graffiti, passiert man. Erst in der Altstadt von Köpenick und am Müggelsee wird es dann wieder ruhiger. Bei Touristen besonders beliebt ist laut Rittel der Weg 19, der Tiergartenring. Er führt durch den Tiergarten-Park und auch vorbei an Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Abseits des Zentrums gibt es Natur und Berliner Geschichte entlang des Barnimer Dörferweges (13) bzw. des Teltower Dörferweges (17) zu entdecken.

Auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität

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Für Familien und Personen mit eingeschränkter Mobilität eignet sich der in Spandau verlaufende Bullengrabenweg (20). Er ist mit sieben Kilometern der kürzeste im Programm „Grüne Hauptwege“. Zudem verläuft er komplett über eine asphaltierte Strecke, die auch mit dem Rad, Inlineskates oder einem Rollstuhl befahrbar ist. Zahlreiche Spielplätze und eine Skaterbahn locken besonders die kleinen Wanderer zu einer längeren Pause. Die nächste Bushaltestelle ist hier zudem nie mehr als maximal fünf Minuten entfernt. Am Spandauer Ziegelhof wartet mit der „Florida“-Eisdiele zudem die vielleicht beste Eis-Manufaktur Berlins auf Genießer.

Individuelle Wandermöglichkeiten ergeben sich auch durch die Tatsache, dass sich viele „Grüne Hauptwege“ zum Teil überschneiden. So kann man sie teils zu ganz neuen Strecken verbinden. Auf diese Weise lässt sich der Havelseenweg (12) mit Elementen des Spandauer Wegs (2) und diesen wiederum mit dem Bullengrabenweg (20) erweitern. Auch der Wuhletalweg (14) und der Barnimer Dörferweg (13) haben einen gemeinsamen Start und ein gemeinsames Ziel. Was es sonst noch zu entdecken gibt, erfahren Sie am besten selbst bei Ihrem nächsten Besuch in Berlin.

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