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WELTWEIT ERSTER ZERTIFIZIERTER STILLER WANDERWEG

Auf diesem Wanderweg wird nicht gesprochen

stiller Wanderweg
Über knapp vier Kilometer schlängelt sich der stille Wanderweg durch einen dichten Zypressenwald.Foto: Quiet Parks International

Es ist der erste stille Wanderweg der Welt: der Cueifong Lake Circular Trail in Taiwan. Im Juli 2022 wurde er für seine einzigartige Ruhe ausgezeichnet. Gesprochen wird hier nicht – TRAVELBOOK verrät, warum.

 „Ruhe ist der Aufbewahrungsort der Seele. Zuhören ist der Beginn der Verbindung“: Diese Worte stehen am Ausgangspunkt des Cueifong Lake Circular Trail. Während seine smaragdgrünen Naturpfade und der mystische Charme den Wanderweg schon immer einzigartig machten, ist es jetzt auch die unglaubliche Stille, die ihn kennzeichnet. Wandern ohne zu Sprechen, mit ausgeschaltetem Telefon und besonderem Bewusstsein für die Natur und die Stimme der Welt steht hier im Vordergrund. Das führte nun zur Auszeichnung als erster stiller Wanderweg der Welt durch die gemeinnützige Organisation Quiet Parks International (QPI).

Wanderweg auf Gleisen
Der Wanderweg führt an alten, derzeit ungenutzten Gleisen einer Waldbahn entlangFoto: Quiet Parks International

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Moos als schallabsorbierender Schaum

Der Cueifong Lake Circular Trail umrundet mit einer Länge von circa vier Kilometern den größten Bergsee Taiwans, den Cueifong-See. Der Wanderweg liegt etwa 135 Kilometer von der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh entfernt. Er wurde auf alten, derzeit ungenutzten Gleisen einer Waldbahn gebaut und liegt auf einer Höhe zwischen 1.900 und 2.000 Metern. Rund um den See befinden sich üppige, feuchte Zypressenwälder, die mit Moos bedeckt sind. Dieses dient als natürlicher schallabsorbierendem Schaum und sorgt unter anderem für die besondere Stille. Weil der Weg zudem tief in den Bergen liegt, ist die Gegend äußerst ruhig. Weit entfernt vom Trubel des von Menschen verursachten Lärms, beträgt die niedrigste gemessene Lautstärke weniger als 25 Dezibel, was laut Quiet Parks International (QPI) fast geräuschlos ist.

Moos
Das grüne Moos wirkt auf dem Wanderweg wie eine natürliche Schicht aus natürlichem schallabsorbierenden Schaum.Foto: Getty Images

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Bemühungen Ruhe zu schaffen, begannen vor einem Jahrzehnt

Als die Naturklang-Aufzeichnerin Laila Fan den Wanderweg zum ersten Mal besuchte, fiel ihr als Erstes auf, wie ruhig, aber trotzdem abwechslungsreich und reich an Umgebungs- und Tiergeräuschen es war. Es sei ein Konzert von Vogel-Gezwitscher, Insekten-Summen, Frosch-Rufen, Blätter-Rascheln und Zweige-Geknister, während der Wind durch die Wälder weht, gewesen, so Fan gegenüber CNN Travel.

Diese Erfahrung veranlasste Laila Fan, sowohl für das Gebiet zu werben, als auch für die Erhaltung der friedlichen Umgebung zu arbeiten. 2012 begann sie mit Audioaufnahmen rund um den Cueifong-See. Sechs Jahre lang arbeitete sie dann daran, das öffentliche Bewusstsein zu schärfen und die Ruhe der Umwelt zu bewahren.

TRAVELBOOK hat mit Gordon Hempton, akustischer Ökologe von Quiet Parks International, gesprochen. Er erzählt: „Laila Fan zeichnet seit mehr als zehn Jahren den Cueifong Lake Circular Trail auf und setzt sich mit ihm und dem größeren Taipingshan National Forest (wo er sich befindet) sowie dem Yangmingshan National Park auseinander. Laila und andere Mitglieder der Taiwan Soundscape Association sammelten Dezibeldaten und Tonaufnahmen und leisteten dann Pionierarbeit bei der Bewertung der ruhigen Erfahrung anstelle der Lärmmessung.“

2018 wurde der Wanderweg schließlich zum ersten „Silent Trail“ auf der Insel erklärte, gefolgt von der QPI-Zertifizierung als erster „stiller Wanderweg“ der Welt in diesem Jahr.

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Folgen für Besucher des stillen Wanderwegs

Fan sorge sich nicht darum, dass die Bewerbung des stillen Wanderweges neue Besucher anlocken könnte – und den Lärm mit ihnen. Stattdessen hoffe sie darauf, die Besucher dazu inspirieren, die Sinne zu öffnen und zu verstehen, wie man Stille respektiert, so CNN Travel.

TRAVELBOOK hat Gordon Hempton gefragt, was die Folgen der Auszeichnung als erster stiller Wanderweg der Welt sind und was Besucher zu beachten haben. „Die Stille zu erleben, erlaubt es unseren Sinnen, sich zu öffnen. Stille ist eine Erfahrung und eine Lebensart. Und weil die Ruhe so beruhigend ist, reden die Besucher automatisch weniger. Es gibt keine Regel, dass niemand sprechen darf. Wir Menschen wissen intrinsisch, dass der Ort ein bestimmtes Verhalten verdient. Wie können wir unsere Gotteshäuser ruhig halten? Die Bedeutung, die wir Orten beimessen, beeinflusst, wie wir uns verhalten“, so Hempton.

„Ruhe ist einzigartig und unersetzlich, man kann es sich nicht vorstellen. Obwohl viele Menschen denken, sie könnten das, muss Stille erlebt werden. Und hat man sie einmal erlebt, wird sie zu einer Lebensqualität“, resümiert Gordon Hempton.

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