Naturparadies in der Mitte Deutschlands

Die besten Tipps für eine Wandertour durch den Harz

Ilsenstein, Harz
Der Harz ist ein malerisches Ziel voller Möglichkeiten. Im Bild: Der Ilsenstein
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Der Harz ist ein wahres Wanderparadies, und trotzdem immer noch nicht überlaufen – dabei liegt die Naturoase gar nicht weit entfernt von der Millionen-Metropole Berlin. Wer hier wandert, entdeckt magische Orte, spektakuläre Aussichten und idyllische kleine Dörfer. TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann verrät die besten Harz-Tipps.

Von einem kann man wohl getrost ausgehen: Ein Ort, der schon große Dichter wie Goethe oder Heinrich Heine inspiriert hat, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ein solcher Ort ist der Harz, die Heimat von Märchen und Sagengestalten, ein Schauplatz überwältigend schöner Natur, wo in majestätischen Wäldern und zwischen grünen Bergrücken ein Wandererlebnis wartet, das wohl deutschlandweit einzigartig ist. Wer Ruhe und Erholung, aber gleichzeitig auch Adrenalin sucht, der findet all das nur wenige Fahrstunden entfernt von der Millionen-Metropole Berlin.

Ein sehr schöner Ausgangspunkt für gleich mehrere tolle Wanderungen ist das kleine verträumte Nest Ilsenburg mit seinen romantischen Fachwerkhäusern und seiner idyllischen Lage „im Schatten“ des Brocken, mit 1141 Metern der höchste Berg des Harz. Auf diesen kann man dann auch von Ilsenburg aus emporsteigen, eine Gesamt-Strecke von gut 20 Kilometern, für die man den ganzen Tag einplanen sollte. Der sogenannte Heinrich-Heine-Weg führt dabei durch wunderbaren Laubwald, durch den die nur 40 Kilometer lange Ilse fließt, ein Fluss, wie er märchenhafter nicht sein könnte.

Harz

Die Ilse fließt romantisch teilweise mitten durch den dichten Wald
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Neben dem Zwitschern zahlreicher Vögel wie der heimischen Bachstelze hört man im Wald eigentlich nur das beruhigende Geräusch des mal träge, mal schnell fließenden Wassers der Ilse, an deren Ufern sich zum Teil bizarre Felsformationen auftürmen und wo man bedenkenlos anhalten kann, um seine Feldflasche wieder aufzufüllen – so kalt und köstlich schmeckt eben nur die Natur. Wer dem kleinen Fluss dennoch „misstraut“, kann sich auch an der Ilsequelle erfrischen, die aus einem steinernen Brunnen entlang des Weges entspringt.

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Ein landschaftliches Highlight sind dann nach einigen Kilometern die Ilsefälle, wo sich der Fluss über mehrere Terrassen rauschend in die Tiefe stürzt, und der Wanderer eine erste Pause mit Panorama-Ausblick einlegen kann. Kurz dahinter endet dann scheinbar plötzlich der Wald, und die Ebene gibt den Blick auf den Brocken frei – der leider einigermaßen schockierend ist, denn eine Borkenkäferplage hat dafür gesorgt, dass fast die gesamte Baumkrone um den Berg abgestorben und kahl ist. Zur „Glatze“ trägt allerdings auch die Tatsache bei, das über den Brocken stets starke Winde wehen, denen besonders junge Bäume nichts entgegen zu setzen haben. Im Nationalpark Harz wird auch mittlerweile kaum noch in die Natur eingegriffen, doch bildet auch das Totholz wiederum einen wichtigen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere.

Ein Frosch aus riesigen Felsen

Wer angesichts dieses Anblicks den Brocken nicht mehr erklimmen möchte, sollte den Weg in Richtung Ilsenstein einschlagen – ein einmalig schöner Aussichtspunkt mitten in der wieder voll bewaldeten Landschaft, wo es für Mutige sogar ein Gipfelkreuz gibt (siehe großes Foto oben). Unterwegs wartet das rustikale Waldgasthaus Plessenburg mit einer guten Hausmannsküche zu fairen Preisen – als ehemaliges Jagdhaus steht es bereits seit 1776  und wird seit 1973 als Restaurant betrieben. Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer bis zum Ilsenstein, wo es ebenfalls eine Möglichkeit gibt, sich zu stärken. Der Ausblick von hier auf den Wald sowie Ilsenburg unten im Tal ist einmalig, es laden verschiedene Bänke dazu ein, innezuhalten und die Natur von ihrer schönsten Seite zu genießen.

Ebenfalls von Ilsenburg kann man sich die wilden Westerklippen und den Froschfelsen erwandern, eine wahrhaft wunderliche Formation aus riesigen Steinen, die tatsächlich an einen sitzenden Frosch erinnern – der Weg deckt sich hier bis zur Abzweigung kurz vor den Ilsenfällen mit dem Heinrich-Heine-Weg, führt dann aber als Rundweg weiter über teilweise recht steile, aber breite und gut begehbare Wege fast bis oberhalb der Baumgrenze. Die Westerklippen erlauben dann wiederum einen traumhaften Blick auf die Landschaft, bevor es über zwei mögliche Wege hinunter und zurück nach Ilsenburg geht.

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Geeignet für die ganze Familie

Harz

Das Gasthaus „Steinerne Renne“ liegt direkt über einem malerischen Wasserfall – hier ist er übrigens aufgrund von Starkregen ungewöhnlich angeschwollen – normal fließt das Wasser eher seicht dahin
Foto: dpa Picture Alliance

Eine dritte unvergessliche Wanderung ist die entlang der „Steinernen Renne“, die man aus Darlingerode starten kann, ein verschlafener Ort, gegen den Ilsenburg schon wie eine Weltstadt wirkt. Wer hier vom Bahnhof aus den Hinweisen zur Touristeninformation folgt, kommt nach etwa 20 Minuten an ein Schild, das gleich mehrere mögliche Wanderungen beschreibt. Zuerst einmal geht es über eine Waldwiese relativ knackig in den Berg, aber bereits nach kurzer Zeit eröffnen sich dem Wanderer dafür auch wahrhaft spektakuläre Ausblicke auf die Vegetation, den Ort im Tal und das weite Land.

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Die weitere Wanderung verläuft ohne nennenswerte Steigungen immer mit Panorama-Garantie, bevor man wieder tiefer in den Wald eintaucht und schon von Weitem das Rauschen eines anderen malerischen Wassers hört, nämlich der Holtemme – die „Steinerne Renne“ ist eine Art Schlucht, die der 47 Kilometer lange Fluss in die Landschaft gegraben hat, und die mit beeindruckenden Wasserfällen aufwartet, entlang derer man dann entspannt laufen kann. Zielpunkt vieler Wanderfreunde ist das „Gasthaus Steinerne Renne“, in dem es sich in einem Biergarten mit Blick auf die Wasserfälle trefflich speisen lässt, und das sowohl herzhaft als auch süß. Aufgrund des geringen Schwierigkeitsgrades ist diese Wanderung beliebt bei Jung und Alt sowie bei Familien, und auch Mountainbikern begegnet man immer wieder, wie übrigens fast überall im Harz.

Teures Vergnügen

Harz

Das beeindruckende Schloss Wernigerode
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Über eine Brücke wandert man schließlich am anderen Flussufer entlang bergab in Richtung der Stadt Wernigerode, die weit über die Grenzen des Harz wegen ihrer wunderbaren Fachwerkhäuser und der Burg bekannt ist, die über dem Ort thront. Gebäude wie das Rathaus sind auf beeindruckende Weise erhalten und geben dem müden Wanderer das tolle Gefühl, als Belohnung für die Anstrengungen des Tages mitten in ein Märchendorf gestolpert zu sein. Ein weiteres Highlight sind die zahlreichen kleinen Läden, in denen man sich köstliche Erinnerungen an einen schönen Ausflug mitnehmen kann – die Wildfleischspezialitäten aus dem Harz sind so zahlreich wie von hervorragender Qualität.

Erwähnenswert sind zwei Alternativen zu einer Wanderung beziehungsweise für müde Wanderer: Zum einen ist das die Brockenbahn, eine Dampflokomotive, die ihre Passagiere rauchend und pfeifend durch die Landschaft fährt, und deren Schienen dabei auch schonmal den eigenen Weg kreuzen, wie zum Beispiel im Wald kurz vor Wernigerode – im Ort selbst führt dann ein ruhiges Teilstück der Wanderung an genau diesen Schienen entlang. Die Gesamtstrecke führt über mehrere Stationen bis auf den Brocken, wobei dieses Vergnügen ein durchaus teures ist – ein Erwachsener zahlt aktuell für eine komplette Hin- und Rückfahrt auf den Berg 43 Euro, Kinder immerhin noch 26 Euro.

So werden Sie „Wanderkaiser“

Harz

Die Brockenbahn ist eines der Wahrzeichen des Herz und fährt bis auf den gleichnamigen Berg
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Wer mehr Zeit mitbringt und außerdem nicht so tief in die Tasche greifen möchte, dem seien die zahlreichen Busse empfohlen, die auch die kleinen Orte im Harz miteinander verbinden – ein wahrlich skurriles Gefühl, wenn mitten im tiefsten Wald plötzlich ein solcher mit doch recht beachtlichem Tempo an einem vorbei donnert und dabei jede Menge Staub aufwirbelt. Wer in einem Ort im Harz übernachtet, kann übrigens mit einem Gutscheinheft, das jeder Gastgeber anbieten muss, umsonst mit den Bussen hier fahren. Im Übrigen haben Berliner besonderes Glück, wenn sie einen Ausflug in den Harz planen: Der Zug „Harz-Berlin-Express“ fährt an Wochenenden und Feiertagen aus der Hauptstadt direkt diverse Orte in dem beliebten Mittelgebirge an – und das zu mehr als erschwinglichen Preisen: So zahlt man nur 27 Euro für eine Hin- und Rückfahrt, sofern letztere am selben Tag statt findet, zu zweit wird es mit 34 Euro sogar noch etwas günstiger. Alle Preise sowie die aktuellen Fahrpläne finden sie auf der Unternehmenswebseite.

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Stempel sammeln

Ein toller Anreiz für Ausflüge in den Harz ist auch die „Harzer Wandernadel“: Bei dieser Auszeichnung geht es darum, auf Wanderrouten im gesamten Mittelgebirge Stempel zu sammeln und so verschiedene Titel zu erringen, etwa den eines „Wanderkönigs“ oder „Harzer Steiger“ – je mehr Stempel man sammelt, desto weiter steigt man auf. Wer alle 222 auf den Harz verteilten Stempel sammelt, darf sich gar „Wanderkaiser“ nennen und erhält als Auszeichnung eine limitierte Plakette „aus Harzer Gestein mit Goldplakette als Unikat in 3 bis 5 cm Größe“. Die Stempelbücher sind in den Touristeninformationen vieler Orte im Harz gegen eine geringe Schutzgebühr erhältlich.

Jedes Jahr Ende April verwandelt sich der Harz dann in einen Ort voller Magie und Mystik, wenn zur Walpurgisnacht unzählige Fans zum Teil abenteuerlich kostümiert in die kleinen und großen Orte des Harz pilgern, um das größte Hexenfest Deutschlands gebührend zu begehen – allein auf dem berühmten Hexentanzplatz im kleinen Thale finden sich dazu alljährlich tausende Feierwütige ein. Zu verdanken ist das vermutlich dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe, denn der Brocken spielt eine wichtige Rolle in seinem wohl größten Werk „Faust“ – hier trifft der Titelheld allerdings auf „echte Hexen“. Der einzige Zauber, dem Wanderer im Harz heute garantiert erliegen werden, ist zum Glück aber der Zauber der Natur.

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