9. November 2025, 7:28 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Wintermonate sind für viele Wanderfreunde eine ruhige Zeit – doch gerade jetzt, zwischen Herbst und Wintereinbruch, herrschen in den Bergen besonders heikle Verhältnisse. Was auf den ersten Blick wie eine harmlose Wanderung wirkt, kann sich schnell zur Gefahr entwickeln. Laut eines Experten des Alpenvereins ist gerade jetzt eine „kritische Zeit“. Worauf man beim Wandern im Frühwinter in den Bergen achten sollte und welche Warnsignale auf keinen Fall ignoriert werden sollten.
Übergangszeit mit Tücken
Das tragische Lawinenunglück an der Südtiroler Vertainspitze, bei dem fünf deutsche Bergsteiger ums Leben kamen, hat auf erschütternde Weise deutlich gemacht, wie unberechenbar die Situation in den Bergen sein kann – gerade zu dieser Jahreszeit.
Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) beschreibt den Frühwinter als besonders risikobehaftet: Die Wetterverhältnisse ändern sich schnell, zwischen Tal und Gipfel bestehen große Unterschiede, und in manchen Gebieten liegen noch keine aktuellen Lawinenberichte vor.
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Die richtige Vorbereitung ist entscheidend
Wer sich dennoch auf den Weg macht, sollte sich gründlich informieren. Eine erste Einschätzung liefern Webcams und Hinweise auf der Plattform „alpenvereinaktiv.com“, wo aktuelle Bedingungen und mögliche Sperrungen aufgeführt werden. Zusätzlich empfiehlt es sich laut Alpenverein, direkt vor Ort bei Tourismusbüros oder noch geöffneten Hütten anzurufen und nachzufragen, ob eine geplante Tour aktuell machbar ist. Im Zweifel gilt: abwarten.
Da es früher dunkel wird und viele Hütten geschlossen sind, müsse man laut Winter besonders umsichtig planen. Ratsam seien südseitig gelegene Touren, die nicht über die Waldgrenze hinausführen und technisch einfach bleiben. Zudem könne der Waldboden nass, rutschig und mit Laub bedeckt sein, was zusätzliche Vorsicht erfordere. Am Morgen seien mitunter auch kleine Eisflächen möglich.
Passende Ausrüstung für den Frühwinter
Wer jetzt unterwegs ist, sollte laut Winter auf robuste Wanderschuhe mit hohem Schaft und tiefem Profil setzen. Am besten habe man Gamaschen dabei, für den Fall, dass man auf Schnee trifft. Für Touren in höher gelegene Gebiete rät der Experte zu sogenannten Grödeln – das sind kleine Spikes, die wie Schneeketten über die Schuhe gezogen werden – sowie Wanderstöcken.
Auch zur Standardausrüstung sollten einige Dinge zählen: Pflicht sind warme Bekleidung, Mütze, Handschuhe, eine Rettungsdecke oder ein Biwaksack und eine Stirnlampe, falls es schon dunkel wird, während man noch im Abstieg ist. Ein geladenes Mobiltelefon und eine Powerbank für den Notfall dürfen ebenfalls nicht fehlen.
Sobald Touren über 2500 Meter hinausgehen, steigen die Anforderungen deutlich: Dann sei laut Winter „alpine Kompetenz“ gefragt. Wörtlich heißt es in einem Beitrag des Alpenvereins: „Wie gehe ich am Seil? Wie nutze ich Eispickel, Steigeisen, Eisschrauben, um auch mal eine Vorsteigerin zu sichern oder einen Nachsteiger nachzuholen?“ Wer nicht über diese Fähigkeiten – und die entsprechende Ausrüstung – verfüge, solle besser in tieferen Lagen bleiben.
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Auch bei Warnstufe 2 Lawinengefahr
Das Lawinenrisiko ist ein zentraler Punkt – und schwer einzuschätzen. Die Lawine, die fünf deutschen Bergsteigern in Südtirol das Leben kostete, ereignete sich bei Warnstufe 2 von 5. Olaf Reinstadler von der Bergrettung Sulden sagte laut „BILD“ (gehört auch zu Axel Springer): „Die Gefahr hätten höchstens ausgesprochene Experten erkennen können. Das Wetter war gut, die getöteten Bergsteiger hatten alle eine gute Ausrüstung dabei.“
Das Beispiel zeigt, wie begrenzt die Aussagekraft solcher Warnstufen im Einzelfall ist. Denn laut Alpenverein liegen derzeit nicht für alle Regionen tagesaktuelle Lawinenberichte vor. Und selbst bei moderater Warnstufe könne es zu gefährlichen Abgängen kommen.
Warnzeichen beachten
Gerade im Gelände ist es daher entscheidend, eigene Beobachtungen ernst zu nehmen. Im Gespräch mit dem „Spiegel“ nennt Winter typische Warnsignale, die auf eine instabile Schneedecke hinweisen:
- Ein dumpfes „Wumm“-Geräusch beim Tritt auf die Schneedecke sei ein klassisches Warnzeichen.
- Auch Risse im Schnee und kleine abrutschende Schollen sollten zur Umkehr bewegen.
Und: „Wenn man mit einem Stock in die Schneedecke sticht und plötzlich durchbricht, dann weiß man, dass oben eine gepackte Schneeschicht ist und darunter lockerer Schnee. Das deutet auch darauf hin, dass die Schichten nicht richtig verbunden sind.“
Solche Hinweise müsse man ernst nehmen – unabhängig vom offiziellen Lawinenbericht. Denn diese gelten laut Winter stets für ganze Regionen, „aber nie für einen einzelnen Berg“.
Mit Material der dpa