17. Januar 2026, 15:17 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ein paar lockende Schwünge im frischen Tiefschnee, direkt neben der präparierten Abfahrt – für viele Skifahrer und Snowboarder ist das ein verführerischer Reiz. Doch wer ohne Wissen und Ausrüstung abseits der Piste unterwegs ist, riskiert mehr als nur einen kleinen Umweg. Welche Faustregeln helfen Skifahrern, um die Gefahr einer Lawine zu erkennen?
In vielen Skigebieten gibt es Hänge mit unverspurtem Tiefschnee direkt neben den Pisten. Ohne Lawinenkenntnisse oder Notfallausrüstung fahren dort dennoch viele hinein – mit der Hoffnung, dass schon nichts passieren werde. Doch dieser Leichtsinn kann gefährlich werden, und der Deutsche Alpenverein (DAV) rät eindringlich zu Vorsicht.
Berg- und Skiführer Stefan Winter erklärt: Viele Freerider und Tourengeher seien heutzutage gut vorbereitet und entsprechend ausgestattet – mit LVS-Gerät, Sonde, Schaufel und häufig auch Lawinenairbag. „Aber dann ist da noch eine große Gruppe, die nicht so einfach zu erreichen ist“, sagt Winter. Gemeint sind jene, die eigentlich auf der Piste bleiben, aber bei guten Bedingungen spontan einen Abstecher in den Tiefschnee wagen.
Wie entsteht eigentlich eine Lawine?
Eine Lawine entsteht dann, wenn drei Faktoren zusammentreffen: „Der Hang muss steil genug sein, es braucht eine Schwachschicht in der Schneedecke und eine Störung der Schneedecke“, sagt Winter. Und diese Störung verursachen in der Regel die Wintersportler selbst – was das Risiko deutlich erhöht.
Während eine Analyse der Schneedecke spezielles Fachwissen erfordert, lässt sich die Steilheit eines Hanges auch für Laien gut einschätzen. Winter nennt als Richtwert: „Das sind Hänge, die man nicht mehr direkt aufsteigen kann, sondern wo man quer und in Kehren hochgehen muss.“ Ab etwa 30 Grad Gefälle steigt die Lawinengefahr deutlich.
Was Wanderer im Frühwinter in den Bergen beachten sollten
Warum immer mehr Skifahrer selbst auf Berge steigen
Hilfsmittel für Skifahrer zum Einschätzen der Lawinengefahr
Wer sich unsicher ist, kann auf Karten oder Apps zurückgreifen, die die Hangneigung anzeigen. Der DAV bietet entsprechende Informationen auf seiner Website, ebenso wie die Plattform alpenvereinaktiv.com. Besonders hilfreich sei laut Winter die spendenfinanzierte App skitourenguru.com: „Die Seite ist auch für Laien gedacht.“
Entscheidend ist auch die aktuelle Lawinenlage, die im täglichen Lagebericht veröffentlicht wird – online oder in vielen Skigebieten an den Liftstationen. Die Skala reicht von 1 (gering) bis 5 (sehr groß). Winters Rat: „Ab Stufe drei keine Hänge über 30 Grad, wenn man unerfahren ist.“ Denn bei Stufe drei ereignen sich die meisten Unfälle.
Doch selbst bei niedriger Gefahrenstufe ist Vorsicht geboten. Neuschnee, starker Wind, Kälte, aber auch plötzliche Wärme oder Sonneneinstrahlung können die Stabilität der Schneedecke rasch verändern.
Warnzeichen ernst nehmen
Wer sich dennoch abseits der Piste bewegt, sollte auf Warnzeichen achten. Dazu zählen etwa „Wumm“-Geräusche beim Queren eines Hangs. „Das sind Setzungsgeräusche der Schneedecke“, erklärt Winter. Auch Schneeschollen, die sich unter dem Ski lösen, oder kleine Risse in der Decke deuten auf instabile Bedingungen hin. In solchen Fällen gilt: sofort zurück zur Piste.
Schon vorhandene Spuren im Hang sind kein Freifahrtschein. Zwar kann eine viel befahrene Fläche stabiler sein, da sich Schwachschichten aufgelöst haben, doch Winter warnt: Wer eigene Spuren am Rand solcher Spuren im Tiefschnee setzt, riskiert, auf instabilen Schnee zu treffen.
Sicherer ist es, innerhalb der vorhandenen Spuren zu bleiben – und das auch mit Bedacht: „Einzeln fahren, im Bereich der Spuren bleiben und keine neuen, unbefahrenen Schneefelder anschneiden“, rät Winter. Zusätzlich empfiehlt er, Pausen nicht in der Mitte des Hangs zu machen: „Das kann hinter einem Felsen sein, hinter einem Baum oder auch abseits, in dem man aus dem steilen Hang auf eine flache Geländekuppe fährt.“
Zum Schluss fasst Winter seine wichtigsten Hinweise für Einsteiger in drei Merksätze zusammen: „Erstens: Spuren im Tiefschnee abseits der Piste sind kein Garant für sichere Verhältnisse. Zweitens: Meide steile Hänge, vor allem ab Gefahrenstufe drei. Drittens: Fahre nur mit erfahrenen Begleitern ins freie Gelände.“