Strecke, Programm, Kosten

Abenteuer Antarktis – wie läuft eine Reise zum Südpol?

Ein Landgang auf der antarktischen Halbinsel ist das Highlight vieler Südpol-Reisender
Ein Landgang auf der antarktischen Halbinsel ist das Highlight vieler Südpol-Reisender
Foto: Getty Images

Eismassen, die mehrere Kilometer hoch sind. Es ist kalt, bitterkalt. Bis zu minus 98 Grad kann es werden, die niedrigste jemals gemessene Temperatur auf der Erde. Die Antarktis scheint ein lebensfeindlicher Ort zu sein – dennoch kommen jedes Jahr mehr Touristen. Doch wie läuft so eine Reise überhaupt ab? Welche Regeln müssen Urlauber und Veranstalter beachten? Und wie viel kostet es, einmal zum Südpol zu fahren? TRAVELBOOK hat sich die Eiswüste Antarktis genauer angeschaut. Teil 2 unserer „Antarktis-Serie“: Wie läuft so eine Reise?

Kennen Sie schon die argentinische Stadt Ushuaia? Sie liegt an der südlichsten Spitze Südamerikas und ist vor allem für zwei Dinge bekannt: Für ihren Beinamen „Ende der Welt“ und weil von hier fast alle Antarktis-Kreuzfahrten starten. Die meisten haben die gleiche Route: über die Falkland-Inseln geht es nach Südgeorgien, dann stehen die Süd-Shetland-Inseln auf dem Plan und schließlich die antarktische Halbinsel und das Wedellmeer. Oft wird auch noch bei den Südlichen Orkney Inseln, die nördlich der antarktischen Halbinsel liegen, Halt gemacht. Etwa 18 bis 21 Tage dauert so eine Reise.

Kosten und Reisezeit

Allerdings betont Katrin Mausehund, Sprecherin der Reederei Hapag-Lloyd: „Auf diesen Reisen gibt es keinen festen Fahrplan.“ Alle Expeditionsreisen seien immer abhängig von den Wetter- und Eisbedingungen. Grundsätzlich sind sie nur im antarktischen Sommer, von etwa November bis Februar, möglich. Dann ist es vergleichsweise trocken und mild, an den Küsten klettern die Temperaturen sogar auf bis zu 18 Grad. Im Januar scheint die Sonne sogar 24 Stunden. Aber Achtung: vor allem im Inland ist es trotzdem kalt, auch der Wind ist eisig.

Lesen Sie auch Teil 1 unserer Serie: Eiswüste Antarktis – der letzte unberührte Ort der Welt?
Lesen Sie auch Teil 3 unserer Serie: Wie gefährdet ist die Antarktis?

Das frostige Vergnügen ist übrigens alles andere als preiswert. Je nach Kreuzfahrt und Reederei muss man mit mindestens 8800 Euro bis zu 18.000 Euro rechnen – ab Ushuaia wohlgemerkt. Dorthin muss man auch erst einmal kommen. Noch teurer wird es, wenn man in die Antarktis fliegen möchte. Einige wenige, kleine Reise-Unternehmen bieten Flugreisen in die Antarktis an, zum Beispiel von Kapstadt in Südafrika oder von Punta Arenas in Argentinien aus. Allerdings gehen die meisten Flüge „nur“ zur King George Insel. Kein Wunder, denn ein Flug zum richtigen Südpol ist nicht nur zeit-, sondern vor allem auch kostspielig. Bis zu etwas mehr als 71.000 Euro für eine Expedition inklusive Kost und Logis vor Ort ist möglich. Wer das nicht bezahlen kann (oder möchte), dem bleibt dann nur die Kreuzfahrt. Doch was genau kann man dann eigentlich erwarten?

Was macht man jeden Tag?

Mit an Bord der Schiffe sind neben den maximal zugelassenen 200 Passagieren meistens Experten wie Geologen, Biologen oder Glaziologen.

Sie bereiten die Reisenden genau darauf vorbereiten, was passiert, wenn sie das Boot verlassen. Die Landgänge sind das Highlight fast aller Passagiere. Das Wissen, gerade auf gigantischen Eisschollen zu laufen. Das Knirschen des meterdicken Schnees unter den Schuhen. Exkursionen zu nahezu unberührten Gebieten und Gletschern. Und dann, mit etwas Glück, in einiger Entfernung: Orcas, Seeleoparden, Robben oder Pinguine. Doch natürlich sind die Passagiere nicht alleine. Sie werden jederzeit von einem Expertenteam überwacht. Denn in der Antarktis gibt es für Touristen strenge Regeln.

Viele Antarktis-Urlauber freuen sich besonders auf Begnungen mit Pinguinen – doch es müssen Regeln beachtet werden

Viele Antarktis-Urlauber freuen sich besonders auf Begnungen mit Pinguinen – doch es müssen Regeln beachtet werden

Strenge Regeln bei Landgängen

Nachdem der Antarktis-Tourismus in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zugenommen hatte, wurden 2011 allgemeine Verhaltensregeln („General Guidelines for Visitors to the Antarctic“) verabschiedet, die für alle Orte in der Antarktis gelten. So dürfen heute maximal 100 Personen gleichzeitig an Land gehen. Bei größeren Schiffen müssen also die Landgänge nacheinander durchgeführt werden. An Land muss Lärm vermieden und Schutzgebiete müssen beachtet werden – das ist besonders bei Motoren, etwa an Booten, wichtig.

Bei Kontakt mit Tieren soll ein Sicherheitsabstand von 5 Metern bei Robben und bis zu 50 Metern bei Riesensturmvögeln eingehalten werden. Bei Pinguinen variieren die Abstände zwischen 5 und 30 Metern, je nachdem, ob die Tiere gerade brüten oder sich in einer Kolonie aufhalten. Grundsätzlich empfiehlt aber das Bundesumweltamt, sich den Tieren nicht unnötig zu nähern. Gerade Robben könnten bei vermeintlich drohender Gefahr schnell aggressiv werden.

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Die Regeln kommen also auch den Reisenden zugute – vor allem aber den Tieren und der Umwelt. Denn kaum eine Region auf der Welt ist so fragil und gleichzeitig so wichtig für die Welt, wie wir sie kennen, wie die Antarktis. Wie sehr die Antarktis in Gefahr ist, was der Tourismus damit zu tun hat und wie man die Region retten will, lesen Sie in Teil 3 unserer Serie.