Klimawandel, Kreuzfahrtschiffe, Prognosen

Wie gefährdet ist die Antarktis?

Die „Roald Amundsen“ vor den Süd-Shetland-Inseln in der Antarktis
Die „Roald Amundsen“ vor den Süd-Shetland-Inseln in der Antarktis
Foto: Getty Images

Eismassen, die mehrere Kilometer hoch sind – so kennt man die Antarktis. Doch der südlichste Kontinent ist in Gefahr. In keiner anderen Region der Erde zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt so drastisch wie in der Antarktis. Wie wird sie sich in den kommenden Jahrzehnten verändern? Welche Rolle spielen die immer weiter steigenden Touristenzahlen und Kreuzfahrtschiffe? Und gibt es schon Lösungen? Diesen Fragen ist TRAVELBOOK im dritten Teil unserer „Antarktis-Serie“ auf den Grund gegangen: Die Zukunft der Antarktis – schmilzt der Südpol weg?

Am 9. Februar 2020 war es in Deutschland etwa 8 Grad kalt. Zur gleichen Zeit, auf der anderen Seite der Welt, zeigte das Thermometer: 20 Grad. Der Ort, an dem diese Temperatur gemessen wurde, war Seymour Island – eine Insel mitten im Weddellmeer, also in der Antarktis. Es war die höchste Temperatur, die je in der Region gemessen wurde. Und sie steht sinnbildlich für die größte Gefahr, die der Antarktis droht: den Klimawandel.

So gab es in den vergangenen Wochen die Meldung, dass in der Antarktis der Schnee blutrot gefärbt sei. Grund dafür war das Wachstum einer Alge, die auf dem Schnee wächst, und sich erst bei höheren Temperaturen verbreitet. Besonders tückisch: Je mehr Algen sich bilden, umso schneller schmilzt der Schnee, denn die Algen absorbieren das Licht, statt es, wie der Schnee, zu reflektieren.

Der Klimawandel ist für das Leben in der Antarktis tödlich

Doch auch ohne diesen Algen-Effekt lässt die Erderwärmung bereits gigantische Gletscher schmelzen. So verliert etwa der Thwaites-Gletscher, der doppelt so groß wie Österreich ist, mittlerweile jährlich fast doppelt so viel Masse wie noch vor 30 Jahren. Damit ist er alleine für vier Prozent des globalen Anstiegs des Meeresspiegels verantwortlich.

Auch für die Verdrängung ganzer Arten ist der drastische Temperaturanstieg verantwortlich. Ein Beispiel sind die Kinnriemenpinguine. Sie leben auf der Antarktischen Halbinsel, den Südshetlandinseln und den südlichen Orkneyinseln und ihre Kolonien sind in den vergangenen 50 Jahren um bis zu 77 Prozent geschrumpft. Einige Forscher fürchten, dass auch ihre großen Verwandten, die Kaiserpinguine, schon in 80 Jahren ausgestorben sein könnten.

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Tatsächlich muss es nicht einmal deutlich wärmer werden. Schon kleine Temperaturschwankungen können eine tödliche Kettenreaktion in Gang setzen, erklärt Beate Klünder vom Naturschutzbund NABU auf TRAVELBOOK-Nachfrage. „Wenn sich das Meerwasser nur leicht erwärmt, kann das gravierende Folgen für die kleineren Meereslebewesen haben, was wiederum in der Folge zu weniger Futter für Vögel und die großen Meeressäuger führen kann.“

Es sieht also nicht gut aus für das Leben in der Antarktis. Doch es gibt bisher eine Gruppe, die profitiert: Kreuzfahrt-Reedereien. Denn: „Touristenschiffe können nicht im dicken Packeis operieren“, erklärt Stefan Hain TRAVELBOOK. Im Umkehrschluss heißt das: je weniger Packeis es gibt, desto länger und weiter können die Schiffe Touristen in die Antarktis bringen.

Welche Rolle spielen Kreuzfahrtschiffe?

Tatsächlich prognostiziert auch Beate Klünder, dass der Schiffsverkehr in der Antarktis weiter zunehmen werde. Das wiederum führt zu weiteren Problemen. Denn durch den zunehmenden Schiffsverkehr leide die Region unter immer mehr „Luftschadstoffen wie Ruß, Treibstoffleckagen, Müll oder Abwasser“, sagt Klünder. Dabei bestehen schon vergleichsweise hohe Umweltstandards. Zum Beispiel „gut dokumentiertes Wasser- und Abfallmanagement, effiziente Verbrauchsplanung und geregelter Treibstoffeinkauf“, wie die Reederei Hapag Lloyd TRAVELBOOK auf Anfrage erklärt.

Hier geht’s zu den anderen Teilen der „Antarktis-Serie:

Eiswüste Antarktis – der letzte unberührte Ort der Welt?
Abenteuer Antarktis – wie läuft eine Reise zum Südpol?

Auch bei den Antrieben gibt es bereits Einschränkungen. So dürfen die Kreuzfahrtschiffe in der Antarktis nicht mehr mit dem extrem schädlichen Schweröl fahren, sondern nur Marinediesel nutzen. Das hilft – aber es gibt noch deutliches Verbesserungspotenzial. „Eine Partikelpflicht, um auch Rußablagerungen zu verhindern, gibt es leider noch nicht“, klagt Klünder. Immerhin ein kleiner Lichtblick: immer mehr Reedereien setzen auf nachhaltigere Antriebe mit Flüssiggas.

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Doch es gibt ein großes Problem. Denn jede Änderung braucht erst einmal Zeit. Und genau die hat die Antarktis nicht. Denn hier erholt sich die Natur nur sehr langsam. Dr. Hain erklärt das an einem Beispiel von Moos auf den bei Touristen sehr beliebten Südshetlandinseln. „Das Moos wächst hier so langsam, nur wenige Millimeter pro Jahr, dass ein einziger Fußabdruck auch in 20 Jahren noch da ist.“

 

Das ist einer der Gründe, warum beispielsweise die Anzahl der Touristen in der Antarktis so stark reglementiert ist. Wie wichtig diese Beschränkungen sind, wird sich in den kommenden Jahren noch zeigen. Denn bei einem sind sich alle einig, Umweltschützer genauso wie Forscher und Reiseveranstalter: Der Tourismus wird nur noch weiter zunehmen.

Alleine die Antarktis erkunden? Das wird schwierig

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Foto: Getty Images

Immer mehr Touristen, immer weniger Abenteuer

Dafür muss man sich nur die Zahlen der IAATO (ein internationaler Reiseveranstalter-Verband für die Antarktis) anschauen. Die Zahl der Antarktis-Reisenden ist jedes Jahr gestiegen – nur einen kleinen Einbruch gab es vor fünf Jahren. Damals kam das Schwerölverbot für Kreuzfahrtschiffe. Doch: „Dann wurde eben umgestellt. Und heute kommen so viele Touristen wie noch nie“, sagt Stefan Hain. Seiner Prognose nach werde sich alleine die Zahl der Kreuzfahrttouristen in den kommenden Jahren verdoppeln. Außerdem rechnet er mit einem Anstieg des noch deutlich exklusiveren und teureren Flugtourismus.

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Beate Klünder vermutet zudem, dass die Schiffe in den kommenden Jahren in immer abgelegenere Gebiete vordringen werden, um „dem Kunden noch einzigartigere Erlebnisse zu versprechen“. Ob das dann noch das ist, was sich Antarktis-Urlauber wirklich erhoffen? Das muss jeder Reisende selbst entscheiden.