Wegen der Coronakrise sitzen viele im Ausland fest

»Ich warte nur darauf, dass man uns hier rausholt...

Dieses Foto hat uns TRAVELBOOK-Leserin Annabelle aus Peru geschickt
Dieses Foto hat uns TRAVELBOOK-Leserin Annabelle aus Peru geschickt
Foto: privat

Die Grenzen nach Deutschland sind bereits weitestgehend geschlossen – aber viele Deutsche sind noch im Ausland. Nun sitzen sie in einem fremden Land, in dem sie teilweise unerwünscht sind und wissen nicht, wie sie heimkommen. Drei TRAVELBOOK-Leser haben erzählt, wie schlimm sie während ihren Reisen von der Coronakrise getroffen wurden.

Annabelle: „Die Situation in Peru ist chaotisch“

„Ich habe mich Mitte Februar auf den Weg nach Südamerika gemacht, um sechs bis sieben Wochen zu reisen und mein Spanisch zu verbessern. Ich bin einen Monat mit meiner besten Freundin durch Kolumbien gereist, bevor es am 10. März für mich alleine weiter nach Peru ging. Mein Plan war es, noch bis Ende März durch Peru zu reisen.

Annabelle in Lima, Peru. Eigentlich wollte sie das Land noch weiter bereisen, doch dann kam alles anders

Annabelle in Lima, Peru. Eigentlich wollte sie das Land noch weiter bereisen, doch dann kam alles anders
Foto: privat

Die ersten Tage verliefen noch gut, am 13. März habe ich mich auf den Weg nach Huaraz gemacht, um verschiedene Seen zu entdecken. Doch als ich dort ankam, haben ich und meine Familie in Deutschland gemerkt, wie sich die ganze Situation mit dem Corona-Virus zuspitzte. Einen Tag später habe ich beschlossen, das Land schnellstmöglich zu verlassen und wir haben angefangen, meinen Rückflug zu organisieren.

Doch da gingen die Probleme los: Da wahrscheinlich viele andere Touristen die gleiche Idee hatten, waren die Server von Flugbuchungs-Seiten und der Airlines überlastet. Nach fast zwei Tagen habe ich es geschafft, endlich einen neuen Rückflug für Dienstag, den 17. März, von Lima über Rio de Janeiro, Madrid und dann nach Deutschland, zu organisieren. Soweit, so gut – ich habe mich also auf den Weg zurück nach Lima gemacht. Aber als ich angekommen bin, habe ich die Nachricht bekommen, dass die Grenzen am Montag, 16. März, um 23 Uhr geschlossen werden – einen Tag bevor mein Flug gegangen wäre.

Überlastete Server, geschlossener Flughafen, Militär in den Städten

Daraufhin habe ich versucht meine Airline zu erreichen – das war leider unmöglich. Ich konnte auch keinen anderen Flug mehr buchen, die Server waren wieder heillos überlastet und alles natürlich schon ausgebucht. Die einzige Möglichkeit, die mir blieb, war, am nächsten Morgen zum Flughafen zu fahren und versuchen, vor Ort etwas zu regeln.

Als ich am Flughafen angekommen bin, wurde bereits der Einlass in den Flughafen streng kontrolliert. Auch im Flughafen war die Situation chaotisch, überall planlose Gesichter. Mittlerweile ist der Flughafen komplett geschlossen.

Nun sitze ich in Lima fest, alle sind für mindestens 15 Tage unter Quarantäne. Auf den Straßen patrouilliert das Militär. Restaurants und Shops sind geschlossen. Supermärkte sind leergekauft. Hotels schmeißen ihre Gäste raus. Als Europäer wird man überall schräg angeguckt, wahrscheinlich, weil jeder vor uns Angst hat. Ich warte nur darauf, dass man uns hier rausholt…”

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Sarah und Roland: „Wir wissen nicht, wann wir uns wiedersehen“

Sarah: „Wir haben seit Monaten eine Weltreise geplant und sie auch angetreten, ich wollte aber wegen einer Bestattung zurück nach Deutschland. Ich beschloss, für vier Tage alleine zurückzufliegen, Roland blieb in Namibia. Als ich geflogen bin, war Covid-19 zwar ein Thema, aber bis dato waren alle Grenzen offen und in Namibia noch kein Fall bekannt. Ich wollte Sonntags zurückfliegen, aber ab Samstagabend wurden alle Flüge nach Namibia gestrichen.

Roland sitzt nun in Namibia fest, nicht einmal über Südafrika kommt er noch nach Deutschland. Unsere ganze Weltreise steht auf der Kippe, ich habe schon einen Teil der Flüge storniert, da wir gar nicht mehr in die Länder dürfen. Wann ich Roland wiedersehe, steht aktuell auch in den Sternen…

Sarah und ihr Freund Roland wollten eigentlich eine Weltreise machen

Sarah und ihr Freund Roland wollten eigentlich eine Weltreise machen
Foto: privat

Die ganze Organisation ist absolut chaotisch. Die meisten Hotlines sind überlaufen. Einige Airlines haben Wartezeiten von mehr als 30 Minuten, aber selbst nach dieser Zeit meldet sich niemand. Die Fluggesellschaften sind total überfordert und niemand weiß wie es weitergehen soll. Der Server der Elefand-Liste ist überlastet, stundenlang ging gar nichts. Gegen Mitternacht habe ich es geschafft, mich zu registrieren, aber die Seite bricht zusammen, wenn man die weiteren Daten eintragen möchte.

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Roland lebt aktuell auf einer Lodge, die von Deutschen geführt wird und dort sitzen auch vier weitere deutsche Gäste fest. Die sind über 80 Jahre alt – und kommen nun nicht mehr zurück zu ihrer Familie.“

Jacqueline: „Mein Traum ist geplatzt“

„Eigentlich hatte ich eine dreimonatige Reise durch Kanada und die USA geplant. Ich wollte die Zeit nutzen, um mehr von Land und Leuten kennenzulernen und um Freunde zu besuchen in Vancouver und auf Hawaii – aber es kam natürlich auch für mich alles anders.

Eigentlich wollte Jaqueline 3 Monate durch Kanada und die USA reisen – doch ihr Traum ist geplatzt

Eigentlich wollte Jaqueline 3 Monate durch Kanada und die USA reisen – doch ihr Traum ist geplatzt
Foto: privat

Ich bin aktuell in Quebec City und musste schon meine Flüge nach New York und von da aus nach Seattle stornieren. Erst wollte ich noch nach Halifax, aber auch das habe ich mittlerweile aufgegeben. Hier ist alles ausgestorben. Züge fahren nicht mehr. Fast alles hat schon geschlossen – Kanada hat, was das angeht, deutlich früher gehandelt als Deutschland.

Eigentlich hätte ich noch zwei Monate der Reise vor mir – aber aktuell macht das wenig Sinn. Deswegen versuche ich jetzt, nach Hause zu kommen, aber ich weiß nicht, wie weit ich kommen werde. Immer mehr Flüge wurden gestrichen und die Restriktionen werden immer schärfer.

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Diese Situation muss ich erstmal verarbeiten. Und nicht nur das. Für mich ist auch ein Traum geplatzt. Ich verstehe die Maßnahmen, aber ich weiß auch, dass ich diese Möglichkeit vermutlich nie wieder bekommen werde…“

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