1. Mai 2026, 8:10 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Viele Menschen lieben es, Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff zu machen. Andere wiederum könnten sich das nie im Leben vorstellen. TRAVELBOOK-Redakteurin Katharina Regenthal hat es selbst ausprobiert und ist vier Tage lang über die Nordsee geschippert.
Gleich zu Beginn muss ich eines auflösen: Meine allererste Kreuzfahrt war das nicht ganz. Allerdings war ich vielleicht 14 Jahre alt, als ich das letzte Mal mit so einem Schiff unterwegs war. Die Erinnerungen sind inzwischen verblasst, ich bin deutlich älter geworden und in der Zeit hat sich auch bei Kreuzfahrten einiges getan. Deshalb könnte man schon sagen, dass das meine erste Kreuzfahrt war – eben als Erwachsene. Und während meiner Reise haben mich dann doch so einige Dinge überrascht, positiv und auch ein bisschen negativ.
Faulenzen und sich kaum bewegen? Fehlanzeige!
Wie bereits erwähnt, war ich ja schon mal auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Was ich aber offenbar komplett verdrängt habe: Die Wege auf so einem Schiff sind lang – sehr lang! Mal eben schnell von der Kabine zum Essenssaal? Je nachdem, wo sich das eigene Zimmer befindet, kann das schon mal dauern. Ich hatte Glück, denn meine Kabine war nur wenige Meter von den Fahrstühlen und dem Treppenhaus entfernt. Andere brauchten dagegen schon ein paar Minuten, um anzukommen.
Aber nicht nur zum Essen musste man teils weite Wege zurücklegen. Auch, um aufs oberste Deck zum Pool zu kommen, hat es unter Umständen schon mal gedauert. Am Ende des Seetages hatte ich stolze 7000 Schritte auf meiner Uhr – nicht schlecht für eine Kreuzfahrt, finde ich.
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Vergnügen kostet extra
An Bord eines Kreuzfahrtschiffes gibt es einiges zu erleben. Mir konnte gar nicht langweilig werden, weil die Auswahl an Freizeitaktivitäten wirklich riesig war. Es gab eine Bowlingbahn (ja, wirklich!), ein kleines 4-D-Kino, einen Basketballplatz, ein Casino, Theater und zahlreiche Spielmöglichkeiten. Und auch die Auswahl der Restaurants war wirklich groß. Allerdings, und da kommt jetzt der Haken: Das meiste davon kostet extra. Eben mal eine Runde bowlen? Kostet extra. In das Steak-Restaurant statt in das „normale“ gehen? Kostet extra. Und so ist das mit vielen Dingen, die man auf einem Kreuzfahrtschiff so erleben kann.
Um am Ende nicht eine elend lange Rechnung zu bekommen, wurde mir allerdings ein Tipp an Bord gegeben: Am besten schon vorher entsprechende Pakete buchen, damit man nachher nicht draufzahlen muss. Das gilt insbesondere auch für Getränke oder Restaurantbesuche.
Kabine ist kein „normales“ Hotelzimmer
Auch in der Kabine sind mir direkt ein paar Dinge aufgefallen, die bei einem „normalen“ Hotelurlaub anders sind. Schranktüren und Schubladen haben einen Mechanismus, der dafür sorgt, dass sie zufallen. Logisch, sollte es mal schwanken, sollen ja nicht gleich alle Türen aufgehen. Allerdings muss man deshalb etwas umsichtiger vorgehen, damit die Türen und Schubladen nicht jedes Mal laut knallen und alle Nachbarkabinen auch etwas davon haben.
Außerdem sind die Zimmer mit einem Teppichboden ausgestattet. In jedem anderen Hotelzimmer hätte ich das ehrlich gesagt nicht besonders toll gefunden. Hier hat der Teppich allerdings seine Berechtigung. Die Kabinen befinden sich alle auf sehr engem Raum. Der Stoff schluckt ein wenig die Lautstärke. Außerdem, so wurde es mir an Bord erklärt, ist Brandschutz ein großes Thema auf einem Kreuzfahrtschiff. Denn ein Feuer ist somit das Schlimmste, was auf einem Schiff ausbrechen kann. So schön Holz auch ist: Es gibt sicherere Materialien.
Feuer, Krankheiten und Rettungswesten
Vielleicht genauso schlimm wie ein Feuer an Bord sind Krankheiten, die sich schnell ausbreiten. Stellen Sie sich mal vor, so etwas wie das Norovirus breitet sich aus und Passagiere und Crew könnten sich potenziell anstecken. Katastrophe! Deshalb wird Hygiene an Bord ganz großgeschrieben. Anders als in einem normalen Hotel an Land steht hier am Eingang des Buffetrestaurants immer ein Crewmitglied mit Desinfektionsmittel. Jeder, der reinwill, hält einmal die Hände auf und muss sich einmal die Hände desinfizieren. Ein gutes Konzept, wie ich finde. Denn die Desinfektionsspender werden dann doch von einigen lieber ignoriert.
Und noch ein, wie ich finde, spannender Punkt, der mir in der Kabine aufgefallen ist: Dort befinden sich nicht mehr die Rettungswesten. Zumindest nicht bei der Reederei, mit der ich unterwegs war. Ich kann mich aber noch vage erinnern, dass es damals eine gemeinsame Rettungsübung gab und wir samt Rettungsweste auf ein Außendeck mussten. Heutzutage wird das anders geregelt. Ich musste mir ein Sicherheitsvideo anschauen und anschließend meine Station aufsuchen, zu der ich im Notfall müsste. Ein Crewmitglied hat dann meine Karte gescannt – fertig. Die Westen befinden sich außerdem überall an Bord, aber eben nicht in den Kabinen. Der Grund: Sollte das Schiff in Schieflage geraten, müssten Passagiere erst in ihre Kabinen, um die Rettungsweste zu holen. Unpraktisch und gefährlich!
Roboter sind kein Ersatz
Zurzeit kommt man immer mal wieder mit Themen wie Künstlicher Intelligenz oder Robotern in Kontakt. An Bord konnte ich das Ganze mal im realen Leben miterleben. Denn es gab eine Bar, an der ein Roboter namens Rob die Getränke gemixt hat. Und was soll ich sagen? Das ist auf jeden Fall eine witzige Sache und ich habe es natürlich ausprobiert. Aber Rob ist dann doch recht langsam. Da sind mir die echten Crewmitglieder tausendmal lieber – zumal diese wirklich durchweg freundlich und fröhlich waren.
Zeit spielt (k)eine Rolle
Auf so einem Kreuzfahrtschiff vergeht die Zeit schnell – manchmal fast schon zu schnell. Und dann sollte man nochmal genauer hinsehen. Denn es ist mir selbst passiert. Ich dachte, ich habe noch eine Stunde bis zum Abendessen. Da wir aber so nah an der englischen Küste entlanggefahren sind, hat sich mein Handy direkt dort eingeloggt und die Zeitzone angepasst. Gar nicht so einfach in diesem Fall einen Wecker zu stellen. An Bord habe ich für das Problem einen Tipp bekommen – der zumindest in dem Moment Abhilfe schafft, wenn man so gar nicht mehr weiß, wie spät es tatsächlich ist: das Schnurtelefon in der Kabine. Darauf wird auch die aktuelle Uhrzeit angezeigt, die sich eben nicht automatisch umstellt.
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Das Gefühl von „Zuhause“
Während meiner kleinen Reise habe ich mir natürlich schon die Frage gestellt, warum manche Menschen immer und immer wieder, und häufig auch mit der gleichen Reederei, eine Kreuzfahrt machen. Ich könnte mir vorstellen, dass es für viele etwas von „nach Hause kommen“ hat.
So wie etwa meine Eltern Jahr für Jahr an den gleichen Urlaubsort ins gleiche Hotel gefahren sind, weil dann „der Urlaub direkt am ersten Tag beginnt“, fahren Menschen immer wieder mit dem gleichen Schiff. Einziger Unterschied: Man entdeckt dabei je nach Route noch ganz andere Orte. An Bord hat man dagegen das immer gleiche oder zumindest ähnliche „Hotel“. Man weiß, wo die Restaurants sind, wo der Pool ist und wo man vielleicht abends noch nett etwas trinken kann. Auf dem Schiff, auf dem ich war, wurde dieses vertraute Gefühl noch unterstützt: Überall an Bord roch es nach einem bestimmten Duft. In der Luft, die Seife, das Shampoo – alles roch nach dem Signature-Duft der Reederei. Sollte einem dieser Duft also mal außerhalb begegnen, würde man sofort an Urlaub denken.
Ab jetzt nur noch Kreuzfahrt-Urlaub?
Insgesamt fand ich die Erfahrung, mit so einem riesigen Schiff unterwegs zu sein, einfach verrückt. Direkt in der ersten Nacht habe ich dort so intensiv geträumt – wenn es nicht schon einen gruseligen Fitzek-Thriller über ein Kreuzfahrtschiff gäbe, wäre der Traum mit Sicherheit ein guter Anfang für einen gewesen. Und trotzdem würde ich tatsächlich wieder Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff machen. Allerdings unter bestimmten Bedingungen.
Ich würde auf keinen Fall eine Innen- oder Fensterkabine, sondern immer eine mit Balkon buchen. Dieses Gefühl, so nah am Wasser zu sein und schon morgens direkt aufs Meer schauen zu können und die Wellen zu hören, ist einfach ganz besonders. Obwohl die Kabine relativ klein ist, fühlte es sich dank der Aussicht nie beengt an.
Vor so einer Kreuzfahrt muss man sich aber bewusst sein, was für eine Art von Urlaub man möchte. Erholung und Entspannung? Das ist natürlich dank zahlreicher Spa-Angebote möglich. Die kosten allerdings extra. Ist das Schiff nur Mittel zum Zweck, um viele neue Orte zu sehen, muss einem natürlich auch bewusst sein, dass man immer nur ein paar Stunden in jeder Stadt hat. Reicht das? Oder wäre ein Wochenendtrip dann doch passender? Auch die Frage, ob man lieber im Süden, also in wärmeren Gebieten, unterwegs sein möchte oder doch eher im Norden, ist wichtig. Ich habe für mich gemerkt: Der Norden war ideal. Ich hatte kein schlechtes Gefühl, wenn ich mal mehr Zeit drinnen verbracht habe. Außerdem fand ich es nicht schlimm, nicht den Außenpool zu nutzen, weil es mir zu kalt war. Im Süden wäre das definitiv anders gewesen. Da hätte ich einen Pooltag vermutlich fest mit eingerechnet und wäre dann enttäuscht gewesen, wenn entweder das Wetter nicht mitgespielt oder ich keine Liege bekommen hätte.
So war es für mich eine ideale Kombi aus ein bisschen Stadt, ein bisschen Entspannung und einfach mal Rauskommen.
Die Reise wurde unterstützt von „MSC Cruises“. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.